Die KI wird von einigen als Bedrohung für die Menschheit, von anderen wiederum als Alleskönner und die Zukunftshoffnung schlechthin gesehen. Wenn KI wirklich „alles kann“ – kann KI dann auch die Natur retten? Können wir uns also zurücklehnen und weiter die Umwelt zerstören und die Erde ausbeuten und die KI wird es dann schon richten?

Spoiler: Nein!

Anmerkung: mir wurde „Kann KI die Natur retten“ von Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg aus dem oekom-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Den nachfolgenden Artikel hat das selbstverständlich nicht beeinflusst – es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Wünsche seitens des Verlages.

Evolution

Alles beginnt mit einer Erklärung der Entstehung von Arten und was Biodiversität bedeutet. Erst dann versteht man nämlich annähernd, wie komplex die Zusammenhänge in der Natur sind und dass der Erhalt der Biodiversität alles andere als trivial ist. Vor allem, wenn der Mensch durch Landnutzung, den Einsatz von Giften, Jagd & Fischerei, dem Verbrennen fossiler Brennstoffe und vielem mehr in das System eingreift.

Natürliche und künstliche Intelligenz

In weiterer Folge geht es dann um die Begriffsbestimmung natürlicher Intelligenz beim Menschen und im Tierreich. Was macht Intelligenz aus? Welche Arten von Intelligenz gibt es? Der Mensch sticht durch besondere Neugier und Entdeckerlust von allen Spezies hervor.

Wichtig ist aber auch: Intelligenz ist nur eine Art, um Herausforderungen zu meistern. Die Natur hat durch Zufall und sehr viel Zeit unglaubliches geschaffen und bietet eine Menge an Ökosystemleistungen, wie unter anderem Rohstoffe, Nahrungsmittel, Trinkwasser, Bodenbildung, Photosynthese, Regulierung der Luftqualität und vieles mehr. Viele Prozesse, Beziehungen und Kreisläufe, die Leben erst möglich machen.

Künstliche Intelligenz zu erklären, ist schwierig. „Kann KI die Natur retten“ verspricht zum Start des entsprechenden Kapitels, dass man keine „Tiefenbohrungen“, sondern einfach nur einen Überblick bieten will. Einfach zu verstehen ist der Abschnitt aber trotzdem nicht und man sollte schon konzentriert beim Lesen sein, um die Ausführungen zu verstehen.

Kann die KI retten …

… was der Mensch gerade mit der Erde anrichtet? Rückblickend haben wir wirklich vieles verbockt. Fossile Energie hat uns zwar einen wirtschaftlichen Aufschwung beschert (zumindest einem Teil der Länder / der Menschen), aber gleichzeitig die Erde massiv an ihre Grenzen gebracht. Ja, es gibt Fortschritte durch erneuerbare Energien, aber die ewig Gestrigen proben gerade wieder den Aufstand und schwören wieder mehr und mehr auf fossile Energie.

Und so lösen wir gerade das 6. Massenaussterben in der Geschichte der Erde aus, weil – na ja – „aber die Wirtschaft“. Was also die Natur über Evolution in ca. 4 Milliarden Jahren langsam aufgebaut hat, sind wir gerade dabei, innerhalb kürzester Zeit massiven Schaden zuzufügen.

Nachdem wir uns also zumindest in Teilen als ziemlich unfähig erweisen, rettet uns nun künstliche Intelligenz?

Was kann KI?

KI ist sehr gut, wenn es um die Verarbeitung großen Mengen von Daten geht. Da beginnt schon das erste Problem, weil wir viele Arten noch gar nicht entdeckt haben und damit Daten fehlen. Viele Daten. Denn man ist sich einig, dass es auf jeden Fall mehr unbeschriebene Arten gibt, als beschriebene. So lässt sich der aktuelle Zustand unserer Ökosysteme nur sehr schwer abschätzen.

Von den beschriebenen Arten liegen manche nur in schriftlicher Form vor, wurden also noch nicht digitalisiert. Das gilt sowohl für Tiere als auch Pflanzen. Und so arbeitet man daran, diese Daten mithilfe der KI zu digitalisieren – durch Handschrifterkennung und die Analyse von Fotos.

Die Erfassung der Arten ist ja nur der erste Schritt. Um die Entwicklung unserer Ökosysteme beurteilen zu können, müssen wir auch die Anzahl der Arten im Zeitverlauf kennen. Auch hier herrscht eine riesige Datenlücke. Von den bekannten (!) Arten wurden bisher nur 8 % auf ihren Bedrohungsstatus hin bewertet.

Hinzu kommt, dass Biodiversität über den Planeten auch extrem ungleich und auch kleinräumig örtlich verteilt ist. Al Gore hatte dazu schon 1998 die Idee einer digitalen Erde entwickelt. Mit dem Ziel, unsere Einflüsse auf die Erde besser zu verstehen. KI könnte auch hier helfen, diese Idee weiterzuentwickeln, also entsprechende Daten zu sammeln. Zum Beispiel, indem sie Bilder von Wildtierkameras auswertet, wo der Mensch durch die große Menge an Bildern und Videos überfordert ist.

Auch bei der Zählung könnte KI eine große Hilfe sein, indem sie einzelne Individuen anhand bestimmte Merkmale erkennen kann. Und weiter dann beim Verhalten der Tiere, indem Bewegungsmuster aufgezeichnet werden können. Und das nicht nur anhand von Bildern, sondern evtl. auch akustisch. Auf dem Land und auch unter Wasser.

Fazit und „Kann KI die Natur retten“ bestellen

„Kann KI die Natur retten“ versucht zu analysieren, wie viel KI es möglicherweise braucht, um uns aus dem sich entwickelnden Schlammassel wieder herauszubringen. Und das durchaus auch auf unterhaltsame Weise in einem angenehmen und gut lesbaren Schreibstil.

Die zentrale Frage, die sich mir nach dem Lesen des Buches aber stellt: Wollen wir überhaupt gerettet werden? Fakt ist: Die KI kann am Ende auch nur Vorschläge zu Maßnahmen liefern, die von der Politik und uns allen dann auch entsprechend umgesetzt werden müssen. Und es ist ja nicht so, dass wir ganz ohne KI nicht schon seit Jahrzehnten wüssten, was zu tun wäre.

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