Zuletzt aktualisiert am 23. August 2019 um 10:34

Während meiner Session zum Thema Overtourism beim Castlecamp 2018 auf der Burg Kaprun haben wir auch kurz diskutiert, was ein „braver Tourist“ ist. Wie solltest du dich also als Tourist verhalten, um von den Einheimischen möglichst nicht als Störenfried sondern als willkommener Gast wahrgenommen zu werden?

Ich bin davon überzeugt, dass Massentourismus als weniger schlimm erachtet wird, wenn er von einem Miteinander mit gegenseitigem Verständnis und von Rücksichtnahme geprägt ist.

Sei nicht lauter als notwendig

Lärm ist ein alltäglicher Stressfaktor. Sei es durch Straßenlärm, Baulärm, den Lärm von (Handwerks-) Betrieben und vielem mehr. Der Mensch sehnt sich nach Ruhe – vor allem in seiner Freizeit.

Warum glauben aber nicht wenige Touristen, dass Lärm irgendwie dazu gehört, wenn sie im Urlaub unterwegs sind? Lärm quasi als eine Form von Freiheit im Urlaubsland ausleben, weil man ja Zuhause ohnehin immer möglichst leise sein sollte.

Du solltest dabei aber nicht vergessen, dass du dich als Urlauber in der Umgebung eines anderen Zuhause aufhältst. Und dieser andere will sich von einem stressigen Arbeitstag ebenso erholen, als du das in deinem Zuhause tun willst. Er oder sie sucht also Ruhe.

Schrei also auch bitte in deinem Urlaub nicht herum! Verhalte dich so ruhig, als du es von anderen gerne haben würdest, wenn du nach einem stressigen Tag nach Hause kommst. Beachte vor allem (auch) die Nachtruhe.

Betrete keinen Privatgrund für das bessere Foto

Eigentlich sollte man so etwas gar nicht erst erwähnen müssen, aber so mancher vom Massentourismus geplagte Anwohner kann ein Lied davon singen.

Da spazieren Touristen mit ihrer Kamera seelenruhig in den Garten oder gar in die Wohnung (so passiert das zum Beispiel immer wieder in Hallstatt), weil man von dort den noch besseren Blick erhaschen und so auch das bessere Foto schießen kann.

Für das besondere Foto ist es wirklich nicht notwendig, in privaten Gärten herumzulaufen. Und nein, du „musst“ das auch nicht tun, weil du sonst das so viel geachtete und 1000-fach gelikete Foto auf Instagram nicht nachstellen könntest.

Einfacher Rat: lass es! Du wärst ganz bestimmt auch nicht begeistert, wenn man bei dir Zuhause im Garten herumläuft.

Nimm deinen Hund an die Leine (oder lass‘ ihn Zuhause)

Hundebesitzer werden mich für diesen Absatz hassen.

Trotzdem empfinde ich Hunde häufig als Zumutung, vor allem wenn sich Herrchen und Frauchen ganz sicher sind, dass ihr Vierbeiner aber nun wirklich niemanden etwas zuleide tun würde. Und so laufen die Hunde dann auch frei herum.

Tut mir leid, aber ich habe trotzdem Angst, wenn ein Hund im Schweinsgalopp auf mich zu läuft. Und nein, ich mag es auch nicht, wenn er meine Hände ableckt. Oder wenn er mich mit dreckigen Pfoten anspringt („der will nur spielen“). Oder wenn sich so ein Vierbeiner neben mir abschüttelt, weil er gerade durch einen Bach gelaufen ist.

So manche Bauern in touristisch stark geplagten Gegenden geben ihre Felder für Loipen mittlerweile nicht mehr frei, weil die Hunde zum einen andere Loipen-Benutzer belästigen, vor allem aber wegen des Hundekots, der so auch im Winter auf die Felder gelangt. Leinenpflicht? Ach was! So ein Hund braucht einfach seinen Auslauf.

Auch nicht angenehm: Hundehaare auf der Couch im Hotelzimmer. Wenn ich dann auch noch über einen Teppichboden laufen muss und im Kopf einen vor sich hinsappernden Hund habe – hygienisch ist anders!

Dazu passender Artikel in den Ober-Österreichischen Nachrichten: Hundehalter und das Gesetz: Was ist erlaubt, was nicht?

Würden sich alle Hundehalter an den Leinenzwang halten und die Hinterlassenschaften ihres Lieblings auch bis zum nächsten Mistkübel mitnehmen, anstatt das Sackerl fürs Gackerl in der Landschaft zu platzieren, sähe meine Einstellung zu Hunden ganz anders aus. Leider habe ich in der letzten Zeit sehr häufig keine guten Erfahrungen in diesem Bezug gemacht. Keine Tour, ohne nicht auf das ein oder andere Hunde Sackerl zu stoßen.

Pfui deibl!

Pfui deibl!

Nimmt deinen Müll wieder mit

Was du voll auf den Berg mit hinauf tragen kannst, kannst du auch leer wieder hinunter tragen. Es gibt absolut keinen Grund, leere Dosen oder Flaschen auf dem Berg zurückzulassen.

Auch Taschentücher, Orangenschalen etc. haben auf dem Berg nichts zu suchen. Einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema habe ich schon einmal geschrieben: Saubere Berge. Dort findest du Hinweise zu Verrottungszeiten, die insbesondere bei Obst sehr gerne unterschätzt werden.

Müll - Verrottungszeiten

Müll – Verrottungszeiten

Habe Respekt vor der Natur und den Menschen

Nur weil du weit genug weg von Zuhause bist und den von dir in die Landschaft beförderten Müll ganz sicher nicht mehr vor deine Augen bekommen solltest: verhalte dich respektvoll gegenüber der Natur und den Menschen, die nach dir auch noch in einer sauberen Umgebung ihre Freizeit verbringen wollen. Werfe den Müll also nicht einfach in die Landschaft!

Und auch wenn du dich in einem Land befindest, wo die Menschen ihren Müll (leider) einfach in den Graben werfen, so solltest du deinen Müll trotzdem wie Zuhause in die nächste Mülltonne werfen. Weil es eben nicht egal ist, ob nun ein oder zwei Trümmer mehr im Graben liegen. Jedes einzelne Teil in der Landschaft schadet der Natur, und dazu willst du als vernünftiger Mensch doch nicht beitragen, oder?

Sei kein Egoist und verhalte dich als Gast

Wer immer nur an sich denkt, hat es im Leben generell nicht leicht. So mancher Urlauber hat wohl auch zu sehr im Kopf, dass er als Gast „König“ wäre und verhält sich dementsprechend im Urlaub noch asozialer als sonst. Tu es nicht!

Bevor du dich also lauthals über die schlechte Bedienung, den „fürchterlichen Fraß“ oder was auch immer beschwerst: der Empfänger deiner Botschaft ist ein Mensch. Und ein Mensch funktioniert nicht einfach so und hat auch schlechte und gute Tage. Gestehe ihm oder ihr also zu, nicht perfekt sein zu müssen, um dich als „König“ adäquat bedienen zu können.

Vielleicht hat die Bedienung gerade ein schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten? Oder ihr Chef hat sie in den letzten Tagen schon mehrmals „zur Sau“ gemacht. Willst du dann unbedingt noch einen drauflegen? Überleg dir also bitte, bevor du dich beschwerst, dass der vor 10 Minuten bestellte Kaffee noch immer nicht da ist und ob man die Bohnen erst pflücken gehen müsse, weil du nun schon eine halbe Ewigkeit drauf warten musst.

Kaffee - "eine halbe Ewigkeit" ist relativ

Kaffee – „eine halbe Ewigkeit“ ist relativ

Das heißt jetzt nicht, dass man sich generell nicht beschweren darf. Man muss kein schmutziges Zimmer akzeptieren. Auch kaltes Essen kann man bemängeln, könnte aber auch einmal drüber hinwegsehen, wenn die Tage zuvor immer alles einwandfrei war.

Wenn du dich nach etwas Überlegung am Ende beschweren solltest, dann bitte bleibe immer sachlich und behandle niemanden von oben herab. So, wie du es Zuhause in deinem Status als „Nicht-König“ auch machen würdest.

Nutze öffentliche Verkehrsmittel

Im Urlaub hat man mehr Zeit als Zuhause und kann sich diese noch sehr viel besser einteilen, als im Arbeitsalltag. Und so sollte man insbesondere im Urlaub so gut es geht, auf das Auto verzichten und öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Öffis nutzen - Südtirol, Seiseralm

Öffis nutzen – Südtirol, Seiseralm

Das schont die Umwelt und in der Regel potentiell auch die Nerven. Und nach einer längeren Wandertour ist es zudem auch sehr viel angenehmer, nicht selbst fahren zu müssen.

Beschäftige dich mit dem Land und den Leuten

Wenn du einfach nur in den Urlaub fährst, um das Meer oder die Berge zu genießen (oder dir einen hinter die Binde zu kippen), dann wirst du denken, dass es wirklich nicht notwendig wäre, sich mit den Gepflogenheiten des Landes auseinanderzusetzen.

Aber was auch immer du im Urlaub machst – du wirst dort auch auf Einheimische treffen. Je nach Art des Urlaubes mehr oder weniger, das ist schon klar.

Und spätestens dann halte ich es für sehr vorteilhaft, wenn du über die Eigenheiten der Leute bescheid weißt. Ansonsten wirst du möglicherweise als „grober Klotz“ oder als ungehobelter Mensch erscheinen. Oder aber du selbst empfindest die anderen zu unrecht als sehr unhöflich.

In vollem Umfang war mir das selber lange nicht klar, bis ich im Rahmen meines Jobs einmal an einem „intercultural communication“ Training teilnehmen durfte.

Wenn du also wirklich als willkommener Urlaubsgast gesehen werden willst, der es auch versteht, auf die Gepflogenheiten des Landes einzugehen, dann beschäftige dich mit Land und Leuten, bevor du von Zuhause aus aufbrichst.

Ich habe z.B. folgende Bücher bei mir Zuhause, die auch recht amüsant geschrieben sind:

Sei kein Sandräuber!

Gehörst du auch zu jenen, die gerne ein kleines Andenken aus dem Urlaub mitnehmen? Wie zum Beispiel ein Fläschchen Sand vom Strand, ein paar Steine vom bezwungenen Gipfel oder die ein oder andere kleine Koralle. Das bisschen kann doch keinen Schaden anrichten.

Doch die Menge macht es auch hier: würde jeder Strand-Urlauber Sand mitnehmen, würde das im Laufe der Jahre eine spürbare Menge werden, die den Stränden so abhanden kommen würde. Und so ist das Mitnehmen von Sand in vielen Ländern mittlerweile verboten. Ähnliches gilt für Mineralien, insbesondere aber auch Pflanzen und Tiere.

Einen Artikel dazu findest du zum Beispiel in der Augsburger Allgemeinen: Sommerferien: Sand, Steine und Co.: Was darf ich aus dem Urlaub mitnehmen?

Schließe Viehgatter hinter dir

Viehgatter erfüllen eine ganz wichtige Funktion in den Bergen und auf den Almen. Denn auch wenn man die Kühe oft nicht sieht – sie sind im Sommer in der Regel irgendwo auf der Alm unterwegs.

Bleibt ein Viehgatter durch einen unachtsamen Wanderer geöffnet, so kann es passieren, dass so manche Kuh das Weite sucht. Alles andere als angenehm für den Bauern, der dann die entlaufene Kuh wieder suchen muss.

Ich schließe Viehgatter auch dann, wenn sie bei meiner Ankunft geöffnet waren. Früher habe ich sie einfach in dem Zustand verlassen, wie ich sie aufgefunden habe. Wenn so ein Viehgatter geöffnet war, habe ich es dann also auch offen gelassen. In der Annahme, dass das wohl Absicht wäre und der Bauer bestimmt mit dem Traktor dann durchfahren will, ohne stehen bleiben zu müssen.

Seit ich aber gelesen habe, dass Wanderer sehr häufig „vergessen“ das Gatter hinter sich auch wieder zu schließen, mache ich es nun immer zu. Mit dem Rest-Risiko, dass der Bauer stinkig ist, weil er vom Traktor absteigen muss, um das Gatter wieder zu öffnen.

Massentourismus wird als weniger schlimm erachtet, wenn er von einem Miteinander mit gegenseitigem Verständnis und von Rücksichtnahme geprägt ist.