Zuletzt aktualisiert am 28. August 2021 um 7:51

Kaffeekapseln versprechen dir Kaffeegenuss pur. Deppensicher einen immer gleich schmeckenden Kaffee genießen können – das schaffen sogar ergraute Schauspieler namens George und begeistern damit die hübschesten Frauen dieses Erdbodens.

Und die Umwelt? Ach was, wegen der paar Kaffee die ich trinke, geht die Welt auch nicht gleich unter! Sind ja nur ein paar Kapseln, das kann man getrost vernachlässigen. Außerdem werden die ohnehin recycelt!

Zudem dürfte man ja ohnehin keinen Kaffee mehr trinken, wenn man sich schon so nachhaltig gibt. Denn womit kommt der Kaffee denn zu uns? Mit Containerschiffen! Und erst die Zustände bei der Ernte mit dem Ausnützen der Menschen! Wer auf Kaffeekapseln schimpft und trotzdem Kaffee trinkt, ist einfach nur scheinheilig. Punkt.

Warum sind Kaffeekapseln so schlecht?

Kaffeekapseln schaden der Umwelt

In der Regel sind Kaffeekapseln aus Aluminium. Die Gewinnung aus dem Mineral Bauxit ist alles andere als umweltfreundlich zu bezeichnen. Für eine Tonne Aluminium werden 4 Tonnen Bauxit benötigt, wobei zusätzlich 10 Tonnen Abraum (nutzloses Gestein, welches mit abgebaut werden muss) entsteht.

Oft muss dafür zuerst Wald gerodet werden und bei der Herstellung des Aluminiumoxids fallen zusätzlich 3 Tonnen giftiger Rotschlamm an. Super, oder? Und das alles für Kaffee in Kapseln!

Manche Hersteller beginnen ihre Kapseln aus Kunststoff zu fertigen. Finde den Fehler! 4 g Kaffee für jede Tasse einzeln in Plastik verpackt.

Aber Kaffeekapseln werden doch recycelt!

Erstens können sie das nur dann, wenn sie richtig entsorgt werden und zweitens kostet auch das Recycling wieder sehr viel Energie und erzeugt sinnlos CO2. Beim Transport zu den Anlagen und beim Recycling-Prozess selbst.

Und sollten wir wirklich etwas recyclen müssen, was im Grunde völlig sinnlos erzeugt wurde?

Kann man Kaffee überhaupt ohne schlechten Gewissen trinken?

Diese Frage muss jede:r für sich beantworten. Tatsache ist, dass Kaffee ein Luxusgut ist, welches unter anderem einen sehr weiten Weg vom Anbaugebiet über Röstereien zu uns auf sich nehmen muss, um bei uns am Tisch landen zu können.

Fix ist auf jeden Fall: Kaffeekapseln sind wohl so ziemlich die für die Umwelt schädlichste Art, Kaffee zu genießen.

Mein Weg zu Kaffee ohne schlechten Gewissen

Ohne Kaffee geht’s fast nicht

Während bei mir Kaffeekapseln niemals ins Haus gekommen sind, auf den Genuss von Kaffee wollte ich aber auch nie verzichten. Und so habe ich mir vorgenommen, im Sinne meiner Nachhaltigkeitsbestrebungen mich mit dem Thema Kaffee intensiver auseinanderzusetzen.

Kaffee und Genuss - bitte nicht mit Kaffeekapseln
Kaffee und Genuss – bitte nicht mit Kaffeekapseln

Die Zubereitung des Kaffees im Empot

Irgendwie war mir unser Kaffeevollautomat ein Dorn im Auge, aber leider hat man in einem gemeinsamen Haushalt nicht jede Anschaffung unter Kontrolle (räusper). Mir hätte eine simple Filterkaffeemaschine ja auch gereicht. Wie auch immer: wir konnten uns mittlerweile zumindest darauf einigen, dass mit dem Lebensende unseres Kaffeevollautomaten kein neuer mehr ins Haus kommen sollte. Noch (Stand 2021) läuft die Maschine und ich hoffe sehr, dass diese Vereinbarung hält.

Im TV bin ich 2019 per Zufall dann auf den Empot gestoßen. Ich fand das Ding wirklich genial und musste das Teil haben. Klar, ich musste mir eine Kaffeemühle anschaffen (ich gebe es zu, es ist eine elektrische), aber im Vergleich zu einem Vollautomaten braucht diese zur Herstellung sehr viel weniger Ressourcen. Und sollte sie einmal den Geist aufgeben, dann kaufe ich mir eine Handmühle.

Empot - Kaffee geht auch ohne Kaffeekapseln
Der Empot

Aber zurück zum Empot. Kurz gesagt ist der Empot eine speziell geformte Kaffeekanne, in die man einfach den gemahlenen Kaffee ohne Filter hineinschüttet und dann mit heißem Wasser aufgießt. Durch die spezielle Form der Kanne bleibt das Pulver dann in der Kanne, wenn man den Kaffee in die Tasse eingießt. Keine Kaffeekapseln, keine Kaffeepads, kein Filter.

Rücksicht auf Kaffeebauern – Fairtrade

Ein kleiner Schritt für uns war, nur noch Kaffee mit dem Fairtrade-Siegel zu kaufen. Fairtrade bedeutet, dass der Pestizideinsatz auf ein Minimum reduziert wird und dass den Bauern auch ein gewisser Mindestpreis bezahlt wird. Klar, das macht den Kaffee etwas teuer!

Aber kannst du deinen Kaffee wirklich genießen, wenn du weißt, dass der Pestizideinsatz nicht kontrolliert wird und der billige Preis auch darauf beruht, dass in der Regel Kleinbauern ausgebeutet werden?

Lokale Rösterei – bringt das etwas?

In meinen Bemühungen, Kaffee noch etwas nachhaltiger zu kaufen, bin ich auf die Idee gekommen, Kaffee einer lokalen Rösterei zu beziehen. Mit 9 € für 250 Gramm Kaffee nicht gerade ein Schnäppchen!

Als ich mich dann näher mit dem Unternehmen auseinandergesetzt habe und erfahren habe, dass nur Teile des Kaffees aus biologischer Landwirtschaft stammen, war ich nicht mehr bereit, diesen Preis dafür zu bezahlen.

Brigantes – Kaffee mit einem restaurierten Segelschiff

Wirklich begeistert war ich, als ich auf Brigantes aufmerksam geworden bin.

Brigantes ist ein österreichisches Unternehmen, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Kaffee so fair und nachhaltig als möglich auf den Tisch zu bringen. Das beginnt bei handverlesenen und fair entlohnten Kaffeebauern und Röstereien, was aber erst der Anfang ist.

Wirklich genial ist der Transport des Kaffees. Dieser erfolgt nicht in fetten Container-Schiffen, welche einen immens großen CO2-Fußabdruck hinterlassen, sondern mit dem Segelschiff! Derzeit (Stand August 2021) wird der Kaffee mit den beiden Partnerschiffen Avontuur und Tres Hombres bewerkstelligt (natürlich auch Segelschiffe), bis die SV Brigantes in See stechen wird.

Das eigene Schiff, ein historischer Großsegler von 1911, wird aktuell noch restauriert und soll 2022 fertig sein. Nachhaltigkeit im Blut könnte man sagen.

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Der Kaffee legt so 90 % seines Weges nach Europa sehr nachhaltig auf dem Segelschiff zurück, nur für den letzten Teil des Transportes nimmt der Kaffee den herkömmlichen Weg übers Land.

Vom Preis schlägt ein Kilogramm dieses gesegelten Kaffees mit 32 € zu Buche. Was mich absolut nicht schreckt, wenn man bedenkt, dass Kaffeekapseln auf einen Kilopreis von bis zu 80 € kommen. Klar, mit dem Billigkaffee kann man preislich nicht mithalten. Wie auch? Bei Billigkaffee werden Bauern und Röstereien schlecht entlohnt und auf die Umwelt wird gesch***en (sorry).

Ich komme mit einem Kilogramm Kaffee ca. 2 Monate aus und da finde ich 32 € völlig okay. Vor allem deshalb, weil ich den in meinem Empot zubereiteten Kaffee mit gutem Gewissen genießen kann. Tasse für Tasse. Schluck für Schluck.

Fazit – Kaffee ohne Reue

Wenn du Kaffee ohne Reue genießen willst, dann verzichte bitte unbedingt auf Kaffeekapseln. Egal ob aus Aluminium, Kunststoff oder anderen Materialien – der Umwelt zuliebe!

Meine Schritte die ich gegangen bin:

  • Fairtrade Kaffee kaufen
  • Kaffee im Empot zubereiten
  • nur noch Sailed Coffee von Brigantes trinken

Wie stehst du zu diesem Thema? Bist du ein George und die Umwelt ist dir egal? Ist dir eine faire Entlohnung der Bauern wichtig? Oder ist dir das alles so was von egal, Hauptsache du hast deinen möglichst günstigen Kaffee, der dir deinen Schlaf aus den Augen treibt?

Falls du gerne weitere Tipps zu einem nachhaltigeren Lebensstil hast, dann findest du unter Nachhaltig leben – was du tun kannst weitere Tipps.