Zuletzt aktualisiert am 24. April 2024 um 9:22

„Ökozid“ von Tino Pfaff will aufrütteln und klarmachen, wohin die Menschheit steuert, wenn wir weiterhin Umweltverbrechen an unserem Planeten begehen. Und wie wir uns gegen die Skrupellosigkeit von Konzernen zur Wehr setzen können.

Tino Pfaff ist dabei der Herausgeber des über 400 Seiten starken Buches, welches Beiträge von 24 Autoren und Autorinnen enthält, die sich Gedanken zu den Folgen von Ökoziden machen und wie man diese verhindern kann.

Anmerkung: mir wurde das Buch „Ökozid“ aus dem oekom-Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Den nachfolgenden Artikel hat das selbstverständlich nicht beeinflusst – es gab keinerlei inhaltliche Vorgaben oder Wünsche seitens des Verlages.

Über Tino Paff

Tino Pfaff ist Umweltaktivist und auch in den sozialen Medien sehr aktiv. Zwischen 2019 und 2021 war er Sprecher von Extinction Rebellion Deutschland, 2022 machte er mit Katja Diehl gemeinsame Sache und reichte eine Bundestags-Petition mit dem Titel  „Sofortprogramm für energetische Unabhängigkeit von Russland und Stärkung der Mobilitätswende“ ein.

Was ist ein Ökozid?

Als Ökozid wird die langfristige Schädigung oder gar Zerstörung von Ökosystemen (Pflanzen, Tiere und Menschen) aufgrund menschlicher Aktivität bezeichnet. Und zwar durch fahrlässige oder absichtliche Handlungen. Gefordert wird dabei, dass ein Ökozid international als strafbare Handlung anerkannt wird, um damit letztendlich die Umwelt besser schützen zu können.

Ökozid und die Grenzen des Rechts

Eine Reihe von Umweltverbrechen

Nach einer ausführlichen Abhandlung, was der Begriff Ökozid bedeutet, wird die aktuelle Situation der Umweltzerstörung näher beleuchtet.

Illegale Abholzung von Regenwäldern, Giftmüllentsorgung, Verschmutzung von Gewässern oder klimaschädliche Emissionen – all das passiert vor unser aller Augen. In der Regel, weil Unternehmen das in manchen Staaten der Erde (relativ) unbehelligt machen können.

Internationale Abkommen ohne Biss

Eine Reihe internationaler Abkommen (über 1.300!) sollte hier eine Handhabe bieten, aber helfen tut das bisher (viel zu) wenig. Zum einen, weil in keinem der Abkommen alle Staaten der Erde unterzeichnet haben, zum anderen, weil es keine global zuständige Organisation für Umweltfragen gibt, die Verstöße exekutieren könnte. Zudem sind diese Abkommen nur für die Staaten selbst bindend, nicht aber für deren Unternehmen.

Grenzen des Rechts

Alles in allem ist das rechtlich alles andere als einfach. Als Beispiel wird unter anderem die Klage von Shell Nigeria und dessen Mutterkonzern erwähnt, welche durch das Einfließen von jährlich ca. 240 Millionen Liter Öl in das Niger-Delta Ackerland und Flüsse schädigt. Folgen: verunreinigtes Trinkwasser und gesundheitliche Auswirkungen, Verringerung des Fischbestandes und Nahrungsknappheit.

13 Jahre nach Einreichung der Klage hat man den Prozess gewonnen. Strafe waren läppische 15 Millionen € – gerade einmal 0,04 % des Gewinnes von 2022. Wenn ein Konzern solche Klagen rein wirtschaftlich bewertet, wird schnell klar, dass solche Klagen kein Anreiz sind, um Maßnahmen gegen lecke Pipelines zu intensivieren.

Fazit Ökozid – 6 spannende Kapitel

In insgesamt 6 Kapiteln bringt die Sammlung der Beiträge einem den Begriff Ökozid, sowie der Umweltverbrechen, denen unsere Erde und die Menschheit tagtäglich ausgesetzt ist, näher. Näher, als einem teilweise lieb ist.

Was der Mensch mit der Erde anstellt, ist wirklich nur als Verbrechen zu bezeichnen. Verbrechen, die großteils ungeahndet bleiben. Zum Wohle sehr weniger, zum Schaden der großen Masse.

Das Buch ist wahrlich keine einfache Kost. Weder vom Inhalt, noch vom Schreibstil einiger Autoren. Lesen sollte man es aber trotzdem. Gerade deswegen!

Die Zerstörung unserer Umwelt ist nicht nur ein Verbrechen gegen die Natur, sondern auch ein Angriff auf die Zukunft unserer Gesellschaft.

Tino Pfaff

Tino Pfaff – in seinen Worten

Ich habe Tino Pfaff gebeten, mir ein paar Worte zu seinem Buch zu schreiben. Gerne gebe ich diese hier eins zu eins weiter.

„Die Zerstörung planetarer Lebensgrundlagen schreitet nach wie vor rasant voran. Großkonzerne, aber auch Staaten haben für Profite und ökonomische Vorteile einen sozial ökologischen Kollaps in Gang gesetzt, der sich in weiten Teilen nicht mehr aufhalten lässt. Das ist jedoch kein Grund, aufzugeben und weiterhin bei der Zerstörung ganzer Ökosysteme zuzuschauen.

Neben den Kämpfen auf der Straße und vor Ort, braucht es neue politische und juristische Mittel, um die Folgen des Zusammenbruchs abzumildern.

Ein Ökozidgesetz richtet sich direkt an die Verursachenden, in dem es die Möglichkeit eröffnet, die Verantwortlichen juristisch zur Rechenschaft zu ziehen und durch mitunter lange Haftstrafen zu sanktionieren. Die Hauptwirkung dieses Gesetzes sollte jedoch in der Abschreckung dienen und so zukünftige Ökozide verhindern.

Doch dürfen wir dabei nicht vergessen, dass das Konzept des Ökozids auch der westlichen Denkweise entspringt, die zugleich für die Zerstörung verantwortlich ist. Eine Ökozidgesetzgebung, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene, ist gewiss ein weiteres Instrument, um der bis dato ungebändigten Zerstörung ganzer Ökosysteme etwas entgegenzusetzen, es ist aber kein Allheilmittel.“

Buch bestellen

Du kannst Ökozid direkt beim oekom – Verlag oder über Amazon bestellen.

Letzte Aktualisierung 23.05.2024 / Affiliate Links / Bilder Amazon Product Advertising API

Das Buch direkt beim Verlag zu bestellen oder dir im lokalen Buchhandel zu besorgen, fände ich auf jeden Fall besser. Verlage sollten wir eher unterstützen als Milliardäre, die in ihrer Freizeit zur Bespaßung ins All fliegen.

Dritte Option – direkt beim Autor: Tino Pfaff’s Ko-Fi Shop.