Zuletzt aktualisiert am 20. Juli 2019 um 15:25

Kürzlich habe ich einen Artikel über die Profit-Gier der Industrie und dessen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt geschrieben: Profit über alles – zum Leidwesen der Natur. Diesen solltest du jetzt lesen, falls du das noch nicht getan hast. Es ist wirklich erschütternd, was da alles schief läuft und wie sehr die Profit-Gier Mensch und Natur schädigt!

Profit über alles – was du tun kannst

Laut nach der Politik schreien

Wir könnten uns zurücklehnen und laut nach der Politik schreien. Den Satz „Da muss erst einmal die Politik etwas tun!“ kann ich schon nicht mehr hören. Das ist für mich nichts anderes als eine Ausrede, um die eigene Verantwortung auszublenden und es sich so bequem als möglich zu machen.

Denn wenn man so manchem Politiker zuhört, verliert man ganz schnell den Glauben, dass in Bezug auf Umwelt zeitgerecht etwas passiert. Darunter solche Vollprofis, die am liebsten drauf warten würden, bis der technologische Fortschritt unsere Probleme auf wundersame Weise ganz von alleine löst.

Totalverzicht?

Jeder einzelne kann sehr wohl etwas tun und durch eine Verhaltensänderung die Industrie unter Druck setzen.

Sollen wir jetzt also auf Antibiotika und Pillen aller Art verzichten und lieber an Infektionen sterben? Nackt herumlaufen und dabei abwechselnd verhungern und verdursten? Zurück in die Steinzeit und auf jeglichen Wohlstand verzichten?

Profit über alles

Profit über alles – zurück in die Steinzeit?

Natürlich nicht! Es gibt auch einen sinnvollen Weg dazwischen. Ja, das ist mit gewissen Einschränkungen verbunden. Aber eines ist auch klar: ohne diese wird es nicht funktionieren, wenn du auch deinen Kindern und Enkel-Kindern noch eine lebenswerte Natur gönnst. Und das wirst du wohl tun, oder?

Tun und Handeln hinterfragen

Grundsätzlich gilt für mich seit längerer Zeit immer öfter zu hinterfragen, woher die Waren kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Leiden Mensch und/oder Natur darunter? Dabei wirst du sehr schnell bemerken, dass es oft gar nicht so einfach und mitunter sehr zeitaufwändig ist, das herauszufinden. Es wäre aus meiner Sicht auch zu viel verlangt, das bei jedem Artikel, den man sich kaufen will, zu tun.

Was du aber sehr wohl tun kannst: dich im Laufe der Zeit immer mehr zu erkundigen und so nach und nach mehr Wissen anzueignen. Dir im Kopf eine Liste von Dingen anlegen, die du gar nicht mehr oder zum Beispiel nur von einem bestimmten Hersteller / einer bestimmten Marke auf keinen Fall mehr kaufen willst.

Du wird es nicht schaffen, ab sofort all dein Tun und Handeln so nachhaltig als möglich anzulegen. Das ist auch völlig okay! „Der Weg ist das Ziel“ gilt auch hier.

Kleidung

Bei Kleidung kannst du zum Beispiel einen Blick auf das Herstellungsland werfen. Vermeide Produkte insbesondere aus Indien und Pakistan, dort sind die Bedingungen aktuell besonders schlecht. Wirf einfach eine Suche an wie arbeitsbedingungen indien und wirf einen Blick auf die Ergebnisse. Das gibt schon einmal einen guten Anhaltspunkt.

Bevorzuge Fairtrade Kleidung, bei der bewusst auf Ressourcen und Menschen geachtet wird. Aber Vorsicht – achte dabei auf das Siegel und prüfe notfalls selbst, was es im Detail bedeutet. Nicht immer ist echtes Fairtrade drinnen, wenn es außen drauf steht.

Nachhaltigkeit und Wandern - T-Shirt kaputt?

Nachhaltigkeit und Wandern – T-Shirt kaputt?

Und kaufe nicht mehr Kleidung als nötig ist. Meine Wander-T-Shirts trage ich auch noch, wenn sie kleinere Schäden aufweisen. Auf Billig T-Shirts, die zumeist alles andere als fair produziert werden, sollte man verzichten. Lieber ein etwas teureres mit gutem Gewissen kaufen und länger daran Freude haben, denn die ziehen in der Regel nicht schon Fäden, wenn man den Ast eines Baumes auch nur schräg ansieht.

Achte auf deine Kleidung so, als ob du dir keinen Ersatz leisten könntest. Denke daran, wie hoch der Preis (nein, nicht nur der €-Preis des Kleidungsstückes) potentiell insbesondere auch für Natur und Arbeiter ist, wenn du dir neue Kleidung kaufen musst.

Mach einfach nicht mit bei diesem „Fast Fashion“ Blödsinn, wo man dir einreden will, dass du alle paar Wochen den neuesten Schrei der Modewelt haben musst! Musst du nicht, hätten sie nur gern, denn sie wollen dein sauer verdientes Geld. Neben deinem Geldbeutel leidet darunter auch noch die Umwelt und Menschen. Einen sehr guten Artikel zu Fast Fashion findest du auch bei Care Elite: Fast Fashion: Fakten, Ursachen, Folgen und Lösungen.

Getränke und Nahrungsmittel

Nestlé steht für mich alleine schon wegen ihrer „Wasser-Schweinereien“ ganz oben auf dieser Liste jener Unternehmen, deren Produkte ich strikt meide.

Wer ganzen Dörfern zumindest zeitweise das gesamte Trinkwasser vor der Nase wegpumpt, bekommt von mir kein Geld mehr. Nicht nur für Mineralwasser (was für mich keine Einschränkung bedeutet, weil ich ohnehin schon lange keines mehr trinke), sondern für alle Produkte von Nestlé.

Trinkwasser ist für alle da

Trinkwasser ist für alle da

Das ist übrigens ein hervorragendes Beispiel, dass ein persönlicher Boykott gar nicht so einfach ist, wie es auf den 1. Blick erscheinen mag. Denn der Nestlé-Konzern ist riesig und es gehören zahllose Marken und Produkte dazu. Du musst dich also schon etwas näher mit dem Konzern befassen, um deinen Boykott auch wirklich so wirksam als möglich durchzuziehen. So gehören zu Nestlé Produkte wie zum Beispiel Nesquik, Nescafé, Nespresso (generell auch eine Umweltsünde der Spitzenklasse aufgrund der Verpackung), Nestea, Perrier, Vittel, die Eissorten Möwenpick, Häagen-Dasz und Schöller, Schokoladen-Erzeugnisse wie After Eight, Kit-Kat, Lion, Nuts oder Smarties.

Bei Avocados auf das Herkunftsland achten! Keine Avocados aus Chile bzw. Übersee kaufen, sondern auf jene aus Spanien zurückgreifen. Wenn für dich der komplette Verzicht auf Avocados keinen großen Verlust darstellt, dann tue es! Einen sehr guten Artikel zu diesem Thema findest du hier: Im Nachhaltigkeits-Check: Die Avocado.

Verzichte gänzlich auf Getränke-Dosen und Kapsel-Kaffee, diese belasten die Umwelt zum einen durch einen sehr hohen Energiebedarf bei der Herstellung und am Ende durch Abfall überdurchschnittlich.

Pharma

Da wird es noch etwas schwieriger und offen gesagt habe ich da bisher keine echte Lösung. Rein auf die Selbstheilungskräfte des Körpers zu setzen, könnte fatale Folgen haben. Trotzdem sollte man das durchaus auch in Betracht ziehen. Verkühlungen schafft der Körper in der Regel zum Beispiel ganz ohne Pillen-Hilfe, auch wenn die Verkühlung dann möglicherweise etwas länger anhält.

Was du auch tun kannst: bei jeder Verschreibung von Medikamenten deinen Arzt fragen, ob er das Medikament als wirklich notwendig erachtet. Insbesonders Antibiotika werden viel zu oft verschrieben.

Checklist – was du tun kannst

Kleidung

  • achte auf das Herkunftsland – meide zumindest Indien und Pakistan
  • kaufe nur, was du unbedingt brauchst
    • du musst wirklich nicht jeden Mode-Mist mitmachen (Fast Fashion)
    • ein kleiner, gezogener Faden in der Wanderkleidung ist nicht wirklich schlimm
    • man kann auch ältere Kleidung noch verwenden, z.B. zur Gartenarbeit
  • achte auf die Herstellung
    wenn du schon unbedingt Jeans im Vintage Look haben musst, dann nimm solche, wo ein Laser zur Erzeugung des Looks verwendet wird und keine Arbeiter dafür leiden müssen
  • bevorzuge Fairtrade

Getränke und Nahrungsmittel

  • kaufe kein Wasser in Flaschen, außer es steht kein Trinkwasser zur Verfügung
  • meide Getränke in Plastik-Flaschen
  • kaufe kein Mineralwasser, wo bekannt ist, dass Mensch und Natur darunter leiden (z.B. Vittel)
  • meide Konzerne, die immer wieder einmal für unfaire Produktion Schlagzeilen machen
  • verzichte auf Coffee To Go in Bechern
  • nutze die „Ohne-Becher“ Tasse beim Getränkeautomat
  • verzichte auf Kapsel-Kaffee
  • achte bei Avocados auf das Herstellungsland (meide generell Übersee-Produkte)
  • kaufe saisonal und lokal

Pharma

  • der Körper braucht nicht immer Hilfe von außen
    sicherheitshalber erwähne ich hier: das gilt für harmlose Krankheiten wie Schnupfen
  • hinterfrage die Verschreibung von Antibiotika – sie müssen nicht immer sein

Mein Appell an Dich

Niemand muss bzw. kann perfekt sein. Du musst auch nicht von heute auf morgen all dein Hab und Gut aufgeben oder ab sofort auf jeglichen Konsum oder jede Annehmlichkeit verzichten, um deine Seele reinzuwaschen!

Das System ist zwar komplex …

Das gesamte System ist auch viel zu komplex, damit du dich in jeder Situation so gut / so nachhaltig als möglich verhalten kannst. Begonnen mit der Gewinnung der Rohstoffe, dem Transport zu den Fabriken, dem Produktionsprozess oder den Produktionsbedingungen und der fairen Entlohnung der Arbeiter. Der Belastung der Umwelt durch einen viel zu laxen Umgang mit Abwässern oder ungefilterten Giftstoffen, die durch Fabriks-Schlote geblasen werden.

Dem Recycling-Prozess, der einmal besser und einmal schlechter funktioniert. So gibt es zum Beispiel viel zu viele unterschiedliche Plastik-Sorten. Darunter technologisch hoch entwickelte Plastik-Verpackungen, die aus mehreren Schichten bestehen. Diese landen alle gemeinsam im Container und sind dann praktisch kaum oder nur sehr schwer trennbar, um sie hochwertig recyclen zu können. Downcycling oder verbrennen bleiben zu oft die letzten Option.

Das kann man nicht alles bedenken. Das darf gleichzeitig aber auch kein Grund sein, einfach nichts zu tun und auf die Politik zu warten. Deren Mühlen mahlen viel zu langsam und deren Verstrickungen in die Industrie sind oft viel zu groß, um erwarten zu können, dass hier rasch etwas passieren wird.

Da braucht es erst Menschen wie Greta Thunberg, um die Politik wieder einmal wach zu rütteln. Ihnen klar zu machen, dass es um deren Zukunft geht und nicht der Profit der Industrie an erster Stelle stehen darf.

… aber das darf keine Ausrede sein

Vielleicht denkst du aber beim nächsten Mal ja an die vergifteten Flüsse und Seen in Indien, an deren Färbung man bereits die Trendfarbe der Saison erkennen kann. Die sich teilweise selbst entzünden, aufgrund der vielen Giftstoffe. In denen multiresistente Keime gezüchtet werden und so Menschen immer öfter an harmlosen Infektionen sterben. Nicht nur in Indien – auch bei uns in Mitteleuropa. Keime kennen dank unserer Mobilität keine Grenzen!

Oder an die Menschen, die unter katastrophalen Bedingungen händisch für den ach so geilen Vintage Look deiner Jeans leiden müssen. An Menschen, denen das Trinkwasser sprichwörtlich vor der Nase weggepumpt wird, damit du dein „Edel-Mineralwasser“ trinken kannst, obwohl du auf Trinkwasser mit bester Qualität zurückgreifen könntest.

Was unsere Industrie mit der Umwelt macht ist eine Katastrophe! Was kannst du tun, um die Situation für unsere Umwelt zu verbessern?