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Im Salzburger Flachgau wird seit Jahren über die Errichtung einer neuen 380 kV Leitung bzw. den Ersatz einer bestehenden 220 KV Leitung diskutiert. Generelle Infos zu diesem Thema findest du im Begleitartikel 380kV Leitung im Flachgau.

In diesem Beitrag geht es um die aktuelle Entwicklung zur Genehmigung der Freileitung, zum laufenden UVP (Umwelt Verträglichkeits Prüfung) Verfahren sowie um Artikel, die in der Presse und auf Webseiten zu diesem Thema erscheinen.

Letztes Update: 19. April 2019

Geschichte bis April 2017

Es ist ein ständiges Hin- und Her mit immer neuen Argumenten und Gutachten der Gegner. Bereits seit 2011 gibt es immer wieder Demos in betroffenen Gemeinden bzw. der Stadt Salzburg.

Im März 2012 hat der damalige Bürgermeister der Stadt Salzburg, Heinz Schaden, gefeiert, dass es keine Trasse Gaisberg-Nockstein geben wird. Er meinte damit die Trassenführung, welche die Nocksteinschlucht betroffen hätte. Stattdessen soll nun die Variante „Nockstein-Mitte“ kommen.

Variante Nocksteinschlucht zum Glück vom Tisch

Variante Nocksteinschlucht zum Glück vom Tisch

Variante Nockstein-Mitte

Im Juli 2015 rückte dann der Vogel und Artenschutz in den Mittelpunkt des Geschehens. Laut dem Innsbrucker Biologen Armin Landmann wäre das Gebiet um den Nockstein und Gaisberg besonders wertvoll, wenn es um den Erhalt 28 seltener Vogelarten gehen soll. Darunter auch der Wanderfalke, der am Nockstein sein Brutgebiet vorfindet. Quelle: Salzburger Nachrichten – Der Nockstein soll die 380-kV-Leitung stoppen.

Im Dezember 2015 kommt es zu einem positiven Ausgang des Behördenverfahrens – der 380kV Leitung sollte nun also nichts mehr im Wege stehen. Hier die offizielle Stellungnahme der Landeshauptmann Stellvertreterin Astrid Rössler: Die Grünen Salzburg – „… auch wenn es mir nicht schmeckt“

Im Juni 2016 präsentierte Ernst Gockenbach, Professor an der Leibniz Universität Hannover, ein Gutachten über die Möglichkeit einer Teilverkabelung. Das Gutachten hat er im Auftrag der Gemeinden Eugendorf und Koppl erstellt. Ziel: aufzuzeigen, dass eine Alternative zur Freileitung möglich und in einem sensiblen Gebiet sinnvoll wäre.  Quelle: Salzburger Nachrichten – 380 kV – Erdkabel Befürworter lassen die Zeit für sich arbeiten.

In Zusammenhang mit der Diskussion um eine Teilverkabelung im Bereich um den Nockstein soll laut dem Bericht einer Lokalzeitung auch eine Änderung des Naturschutzgesetzes geplant sein, welche Auswirkungen auf eine mögliche Teilverkabelung haben könnte. Quelle: meinbezirk.at – Naturzerstörung gegen Geld (Artikel 14.09.2016). Die Bürgermeister der Gemeinden Koppl und Eugendorf wollen „bis zum bitteren Ende gegen die Zerstörung des Gebietes“ vorgehen.

Im Februar 2017 betont der Eugendorfer Bürgermeister Hans Strasser, dass er in Zusammenhang mit der 380 kV Leitung „stur wie ein Steinbock“ sein wolle. Quelle: meinbezirk.at – 380 kV für Eugendorf völlig undenkbar.

Update August 2017

In einem Artikel vom 8. August spricht die Kronenzeitung von einer „Schneise der Verwüstung“, die durch die Freileitung entstehen würde. Neben Fotos zu dieser potentiellen „Verwüstung“ durch die Freileitung (Anmerkung: ich halte wenig von solch emotionalen Aussagen, beim Wort Verwüstung denke ich eher an Umweltkatastrophen und Krieg) wird im Artikel auch näher auf die Trassenführung der geplanten Freileitung eingegangen. Diese Trassenführung wurde im Rahmen der Berufungsverhandlung Ende Juli 2017 von der IG-Erdkabel (auf der Seite der Freileitungsgegner) anhand von Bildern näher beschrieben. Insgesamt 400 Masten soll die Freileitung auf den 113 km am Ende beinhalten, die Masten sollen teilweise bis zu 84m hoch werden.

Laut einem weiteren Artikel der Kronenzeitung vom 21.7.2017 (Verlängert: 380 kV Verhandlung) kann der Rechtsstreit noch Jahre dauern.

Update September 2017

Ich war wie so oft am Nockstein unterwegs und habe an einigen Bäumen am Grat zwischen Riedlwirt und Nockstein Markierungen gefunden. Dafür zeichnen sich die „Nockstoana“ verantwortlich, eine Allianz mehrerer Initiativen gegen die 380 kV Leitung.

Diese Markierungen machen sehr deutlich, wie breit der betroffene Abschnitt des herrlichen Weges über den Grat am Ende sein wird.

Nockstein - 380 kV Leitung, markierte Bäume

Nockstein – 380 kV Leitung, markierte Bäume

Es tut wirklich weh, das Ausmaß der geplanten Schneise so vor Augen geführt zu bekommen. Ein herrlicher Wegabschnitt wird hier nachhaltig zerstört.

Laut Kronenzeitung vom 11. September wird ein Akt zur geplanten 380 kV Leitung unter Verschluss gehalten, der ein negatives Tourismusgutachten beinhalten soll. Aus Datenschutzgründen, wie es heißt. Hierzu gibt es ein erneutes Ansuchen um Einsicht, nachdem die vom Datenschutz betroffene Person ihr Einverständnis zur Einsicht gegeben haben soll.

Update November 2017

Eine neue Entwicklung bahnt sich an! Laut einem Artikel im österreichischen Kurier vom 8. November 2017 könnten die Bergunke und der Kammmolch der geplanten Freileitung insbesondere im Gebiet um den Nockstein große Probleme bereiten.

Der Naturschutz war im Rahmen der Genehmigung der Freileitung ja schon immer wieder einmal ein zentrales Thema. Waren es bisher vor allem die Wanderfalken, die im Gebiet des Nocksteins ihr Brutgebiet haben, so drängen sich nun Amphibien in den Vordergrund. Im UVP Verfahren nächste Woche wird das auf den Verhandlungstisch gebracht. Mehr oder weniger mit Rückendeckung von der EU. Hier steht Österreich laut Artikel im Kurier nämlich unter Kritik: wir weisen zu wenige Gebiete als Schutzraum für vom Aussterben bedrohte Tierarten aus! Diese Gebiete werden Natura-2000-Gebiete genannt.

Nockstein Grat

Genau über diesen Rücken ist die 380kV Freileitung geplant

Detailliertere Infos zu Natura 2000 Gebieten im Salzburger Land findest du auf den Seiten des Landes Salzburg: Land Salzburg – NATURA 2000. Unter anderem steht dort zum Beispiel:

„Die Mitgliedstaaten der EU sind verpflichtet, zur Sicherstellung einer ausreichenden Vielfalt an Vogelarten besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume vorzusehen (insbesondere für Anhang-I-Arten). Im speziellen ist durch Ausweisung geeigneter Schutzgebiete (SPA=Special Protected Area) eine ausreichende Flächengröße der Lebensräume zu erhalten oder wiederherzustellen.“

Auch auf den Seiten des Umweltbundesamtes kannst du Infos zur sogenannten FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat) finden, welche den Erhalt und den Wiederaufbau der biologischen Vielfalt zum Ziel hat. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem durch den Aufbau des europäischen Natura-2000 Schutzgebietsnetzes.

Update Dezember 2017

Laut einem Artikel auf den ORF Salzburg News Seiten, will SPÖ Landesparteichef Walter Steidl dafür kämpfen, damit das Gebiet um den Nockstein zum Natura-2000 Gebiet ausgewiesen wird. Schon im November hat Landesumweltanwalt Wolfgang Wiener die aktuelle Landesregierung (Schwarz / Grün) aufgefordert, den Nockstein entsprechend auszuweisen. Nun hat er einen entsprechenden Antrag in der Landtagssitzung vom 20. Dezember gestellt.

Du kannst dir die Landtagssitzung im Archiv anhören (Punkt 5 anklicken, dann kommst du direkt hin). Zeit mitbringen, dauert 1h 20m: Salzburger Landtag live

Und laut Kronenzeitung vom 21. Dezember würde Frau Rössler gar von einem „Missbrauch des Naturschutzes“ sprechen, wenn man auf diesem Weg die Freileitung verhindern will. Astrid Rössler (Grüne, Landeshauptmann Stellvertreterin) wär der Meinung, ein Erdkabel würde den Tieren mehr schaden, als eine Freileitung.

Nachdem die Grünen in der Presse aktuell gar nicht gut wegkommen, gibt es nun auch eine offizielle Stellungnahme auf der Webseite der Grünen: Klartext: Nockstein als Natura-2000 Gebiet. Sollte man auf jeden Fall gelesen haben, wenn man sich eine möglichst breite Meinung bilden will. Grob zusammengefasst: Eigeninteressen von Einzelpersonen stünden im Rahmen der Freileitung im Vordergrund, ein Erdkabel würde Amphibien mehr schaden.

Update Jänner 2018

Astrid Rössler macht einen Schwenk und will nun doch Teile des Gebietes um den Nockstein als Naturschutzgebiet ausweisen. Ein erster Vorschlag wurde laut „Bezirksblätter“ bereits ausgearbeitet. Ob und wie weit das den Bau der 380 kV Leitung beeinflussen könnte ist allerdings noch unklar. Man will nun mit den betroffenen Grundstückseigentümern reden.

Die Industriellenvereinigung mahnte, dass der Versuch, ein für Europa so wichtiges Projekt zu verhindern am Ende nicht als Erfolg bezeichnet werden könnte. Zudem spricht man von einem potentiellen Wertverlust der Grundstücke.

Schrägerweise denkt man nicht daran, dass der Bau der 380 kV Leitung in jedem Fall zu einem Wertverlust führen würde.

Update März 2018

In Bezug auf das etwaige Schutzgebiet geht es wieder einmal hin- und her. Eine Behauptung jagt die andere, nur um kurz darauf wieder widerlegt zu werden.

Herrlich verschneite Winterlandschaft am Nockstein

Herrlich verschneite Winterlandschaft am Nockstein

So wurde festgestellt, dass man ein Schutzgebiet im Bereich des Nocksteins aus verfassungsrechtlichen Gründen nun doch nicht ausweisen könne. Begründung: die Bundesinteressen stünden über den Landesinteressen, also das Starkstrom-Wegegesetz würde über dem Naturschutz-Interesse des Landes stehen. Und somit könne das Land ein Schutzgebiet gar nicht ausweisen. Genau das wurde nun aber widerlegt.

Update Juli 2018

Die Gegner der Freileitung kritisieren, dass das Land dem Bundesverfassungsgerichtshof mangelhafte Unterlagen zur Verfügung gestellt haben soll. Und das sei der Grund, warum es noch immer keine Entscheidung gebe.

Neue Hoffnungen legt man in ein neues Forstschutzgesetz, welches der europäische Gerichtshof am 7. August beschließen will. Sollte es sich beim Fällen der Bäume für die Trasse der Freileitung um Rodung handeln, so müsste man das Verfahren neu aufrollen.

Quelle: 380-kV-Streit: Gegner kritisieren Land.

Update August 2018

Das Urteil des europäischen Gerichtshofes liegt vor. Im genannten Prozess ging es nicht um die 380kV Leitung über unter anderem den Nockstein, sondern um eine 110kV Leitung in Oberösterreich. Zur Debatte stand, ob Flächen unter der Stromleitung selbst als Rodungsfläche angesehen werden müssen – was der EuGH bestätigt hat.

Die Gegner der 380kV Leitung haben in diesem Urteil Hoffnung geschöpftEuropäisches Urteil lässt Freileitungsgegner hoffen.

Die Industriellenvereinigung steuert durch einen eigenen Artikel hier umgehend dagegen. Es gehe um die Sicherung der Energieversorgung und man würde hier im Interesse aller zukunftsorientiert denken: Unnötiger Wirbel: EuGhH Urteil zur 110-kV-Leitung Vorchdorf-Kirchdorf ohne Auswirkungen auf 380-kV-Salzburgleitung.

Logischerweise sieht auch die Austrian Power Grid AG (APG) keinerlei Konsequenzen aus diesem Urteil. Das Urteil sei irrelevant für die Salzburg-Ringleitung.

Update Februar 2019

Das bereits seit 2012 laufende Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung ist nach wie vor nicht entschieden. Der letzte Einspruch der Freileitungsgegner liegt nach mittlerweile bald 3 Jahren nach wie vor beim Bundesverwaltungsgericht.

Die Austrian Power Grid will nun Druck machen, um eine Entscheidung innerhalb einer bestimmten Frist herbeizuführen. Quelle: 380 kV Streit: Betreiber fordern Frist von Höchstgericht / salzburg.orf.at

Update März 2019

Laut einem Artikel in salzburg.ORF.at zeigen sich „die Politik und die Austrian Power Grid AG (APG) erfreut“: die geplante Freileitung wurde vom Bundesverwaltungsgericht (BVwG) nun genehmigt. Die Freileitung wurde aus Sicht der Umwelt unter Einbeziehung von Sachverständigen intensiv geprüft und als unproblematisch eingestuft.

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Dem Bau steht nun nichts mehr im Weg, die APG will bereits im Herbst 2019 mit den Bauarbeiten beginnen.

Update April 2019

Die Freileitungsgegner wollen in Berufung gehen. Medienberichten zufolge soll es einen potentiellen Interessens-Konflikt des Richters geben – er ist im Aufsichtsrat der Wiener Stadtwerke, die indirekt auch am Verbund beteiligt sein sollen. Quelle: 380-kV-Leitung: Wirbel um Richter-Befangenheit | Salzburg24.

Meine Resüme

Die Wirtschaft hat vorerst gewonnen, der Mensch spielt bestenfalls eine Nebenrolle. Die Gegner geben aber nach wir vor nicht auf und kämpfen für die bestmögliche Erhaltung der Landschaft.

Allen Bedenken der Bürger zum Trotz und potentiell negativer Auswirkungen auf den Tourismus, will man dieses Projekt in seiner geplanten Form als Freileitung durchziehen. Eine die Optik weitaus weniger beeinträchtigende Erdverkabelung bleibt unberücksichtigt, weil sie einfach teurer und so für den Betreiber logischerweise die schlechtere Option darstellen würde.

380 KV - Montage Nockstein

380 KV – Montage Nockstein

Der Nockstein könnte bald wie oben aussehen. 🙁