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Im Salzburger Flachgau wird seit Jahren über die Errichtung einer neuen 380 kV Leitung bzw. den Ersatz einer bestehenden 220 KV Leitung diskutiert. Ob sie kommen wird oder nicht und wie die Trasse dann genau verlaufen soll, wird in unserer Umgebung heiß diskutiert. Von „wird nie kommen“ bis zu „das ist doch schon längst fix“ sind alle Aussagen zu hören.

Grund genug, mich selber wieder einmal schlau zu machen und Infos zu diesem Thema zu sammeln. Denn schließlich soll die Trasse auch direkt vorbei an meinem geliebten Hausberg, den Nockstein, führen. Im Rahmen des Artikels sammle ich zu Beginn Fakten, um am Ende meine eigene Meinung dazu abzugeben.

Warum überhaupt eine 380 kV Leitung im Flachgau?

Zitat Austrian Power Grid (APG), eine 100-%-Tochtergesellschaft der Verbund AG: „Die 380-kV-Salzburgleitung ist eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Gegenwart und ersetzt die 220-kV-Leitung vom Netzknoten St. Peter am Hart (Oberösterreich) zum Netzknoten Tauern bei Kaprun (Salzburg).“

Der erste Teil dieses Großprojektes wurde bereits im Jänner 2011 in Betrieb genommen und soll laut APG der Versorgungssicherheit der Stadt Salzburg dienen. Dieser erste Abschnitt führt aus Richtung Oberösterreich über den Norden des Landes Salzburg bis an die Stadtgrenze nach Elixhausen.

Über den zweiten Abschnitt wird seit vielen Jahren heftig diskutiert. Dieser soll von Elixhausen unter anderem auch vorbei an Nockstein und Gaisberg zum Netzwerkknoten Tauern führen.

Laut APG ist das österreichische Stromnetz zu einem Großteil veraltet und durch den stark erhöhten Stromverbrauch (nahezu verfünffacht) seit dem Bau der alten Leitung mittlerweile massiv an seine Leistungsgrenzen gestoßen. Durch den Ausbau dieses Abschnittes („Salzburgleitung“) kann der westliche Ring geschlossen und damit die Versorgung gesichert werden. Das Bauvorhaben sei von gemeinsamen Interesse. Es „stellt die Anpassung der bestehenden europäischen Netzstruktur eine auf die Bedürfnisse der Energieerzeugung aus Erneuerbaren Quellen (Wind und Sonne) die Basis für die Erreichung der 2020-Zielen dar.“

Grob zusammengefasst: wichtig für die Stromversorgung Österreichs und auch Europas im Zusammenhang mit dem Einsatz erneuerbarer Energiequellen. Das Projekt wird auch von der Europäischen Union aus dem Haushalt der Transeuropäischen Energienetze unterstützt.

Trassenführung und Planung

Laut Webseite der APG wurde bei der Ausarbeitung eng mit den betroffenen Gemeinden, Grundeigentümern und Anrainern zusammengearbeitet und auch gemeinsam Änderungen an der Trasse vorgenommen.

Weiters ist dort zu lesen: „Der optimierte Trassenverlauf ersetzt dabei nicht nur die alte 220-kV-Leitung der APG, sondern bietet auch die Möglichkeit in einigen Abschnitten bestehende Leitungen der Salzburg Netz GmbH auf der neuen Salzburgleitung mitzuführen.“

Durch die Errichtung der neuen 380 kV Salzburgleitung könne man viele 220 kV Leitungen abbauen und durch die optimierte Trassenführung könne eine „deutliche Verbesserung im Sinne der Bevölkerung erreicht werden“.

Nockstein - das betroffene Areal der 380 kV Leitung

Nockstein – das betroffene Areal der 380 kV Leitung, aktuell noch eine Idylle für Mensch und Tier

Im Rahmen einer sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfung werden alle möglichen Auswirkungen einer solchen Leitung überprüft. Dabei wird zum Beispiel auf Faktoren wie alternative Trassenführungen, Auswirkungen auf Umwelt und Natur Rücksicht genommen. Näheres zur Umweltverträglichkeitsprüfung kannst du auf den Seiten des „Ministerium für ein lebenswertes Österreich“ nachlesen.

Erdkabel oder Freileitung?

Einige betroffene Bürger zweifeln die Notwendigkeit einer solchen Leitung generell an und unterstellen der APG „pure Profitgier“ und rein wirtschaftliche Interessen. Andere wenden sich hauptsächlich gegen die Errichtung einer Freileitung und würden ein Erdkabel klar bevorzugen. Laut APG ist die Salzburgleitung als Freileitung geplant. Die Höhe der Masten soll je nach Bauform und Geländetopologie 48m („Donau“) oder 52m („Tonne“) betragen.

Freileitung

Eine Freileitung ist im Vergleich zu einem Erdkabel günstiger zu errichten. Laut IG-Erdkabel im Falle einer 220 kV Leitung im Kärntner Gailtal um nur etwa 25%. Im Rahmen eines Gutachtens (siehe weiter unten) der geplanten 380 kV Leitung geht man davon aus, dass ein Erdkabel im Bereich Nockstein und Eugendorf 3-5 Mal teurer wäre. Um wie viel teurer die Errichtung eines Erdkabels kommt, hängt sehr stark von der Topologie des Geländes ab.

Erdkabel

Im Falle eines Erdkabels muss der Bereich um die Kabel für etwaige Wartungsarbeiten freigehalten werden. Allerdings ist dieser Bereich viel geringer, als es bei einer Freileitung notwendig ist. Für eine Freileitung muss die Waldschneise 90m breit sein, für ein Erdkabel sollten angeblich 3 1/2 m ausreichen und nicht 40m, wie die APG angeben würde. Quelle: Initiative: 380 kV Erdkabel viel platzsparender.

Erdkabel erwärmen durch Verluste den Boden, was zu einer Austrocknung führen kann. Auch wenn für ein Erdkabel der Wald im Bereich des Kabels auf Dauer weichen muss, so ist die optische Beeinträchtigung durch eine Freileitung in jedem Fall höher.

Einen Artikel zum Vergleich zwischen Erdkabeln und Freileitungen findest du hier: Erdkabel und Freileitung im Vergleich – TenneT. Info: die Seite ist die Seite eines Netzbetreibers und nur als eine von vielen Quellen zu dieser Thematik zu sehen.

Kabeltunnel

Eine weitere Variante wäre die Errichtung eines Kabeltunnels, bei dem ein Tunnel durch den Berg getrieben würde. Was auf jeden Fall die teuerste aller Varianten darstellen würde und deshalb kaum in Frage kommen dürfte.

Die Geschichte zur Genehmigung der Freileitung

Es ist ein ständiges Hin- und Her mit immer neuen Argumenten und Gutachten der Gegner. Einen Artikel zur Entwicklung im Rahmen der verschiedenen Verfahren und Verhandlungen kannst du unter 380 kV Leitung im Flachgau – Aktuelles finden.

Meine Meinung

Ob diese Leitung wirklich notwendig ist oder nicht, ist für mich sehr schwer zu beurteilen. Hier müssen wir am Ende den Experten vertrauen. Klar ist für mich, dass es für eine entsprechende Stromverteilung, also auch um zum Beispiel alternative Energiequellen wie die Windkraft möglichst flexibel einsetzen zu können, notwendig ist, über ein gut ausgebautes Stromnetz zu verfügen.

Dass Netzbetreiber so wirtschaftlich als möglich arbeiten wollen, ist auch klar. Das können sie auf der einen Seite, indem sie beim Bau der Leitungen sparen (Freileitung), aber auch, indem sie den Strom so effizient als möglich verteilen können. Hier spielen wohl auch Exporte eine entscheidende Rolle. Wie auch immer, ich gehe einmal stark davon aus, dass am Ende ohnehin der Endkunde im wahrsten Sinne des Wortes die Rechnung dafür bezahlen wird.

Wir leben bedingt durch unsere herrliche Natur und die ausgezeichnete Infrastruktur sehr stark vom Tourismus. Deshalb muss meiner Meinung nach dieser Aspekt bei solchen Entscheidungen – also wo wird die Trasse geführt und ob das Kabel als Freileitung oder als Erdkabel geführt werden soll – ganz besonders berücksichtigt werden. Unsere Landschaft ist immerhin unser Kapital. Und diese gilt es, so gut als möglich zu erhalten!

Falke

Falke

Auch der Tierschutz liegt mir am Herzen und wenn eine Freileitung wirklich eine besondere Belastung darstellen soll, ist auch das ein gewichtiger Grund, sich für eine Teilverkabelung zu entscheiden. So sehe ich zum Beispiel täglich am frühen Nachmittag Wanderfalken bei uns kreisen. Ob diese im Falle einer Freileitung über den Nockstein noch bleiben würden?

Eine 380 kV Freileitung über den Nockstein? Ich bin dagegen! Klick um zu Tweeten

Rein optisch wäre eine Freileitung wohl nicht gerade der „Brüller“. Hier eine Bildmontage, die ich aufgrund der Daten der APG (Position und Größe der Masten) erstellt habe.

380 KV - Montage Nockstein

380 kV – Montage Nockstein

Wenn die Leitung wirklich notwendig ist – dann bitte nicht als Freileitung!