Der gelernte Suderer wird nun laut aufschreien. „Soso, jetzt darf ich nicht einmal mehr in meinen wohlverdienten Urlaub fahren, ohne dass sich jemand über mein ach so schlechtes Verhalten beschwert! Geht’s noch? Wenn ich das Wort Nachhaltigkeit schon höre, wird mir ganz schlecht!“.

Doch stopp! Erst einmal tief durchatmen!

Anmerkung: mir wurde das Buch „FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Den nachfolgenden Artikel hat das selbstverständlich nicht beeinflusst – es gab keinerlei Vorgaben oder Wünsche seitens des Verlages.

Meine Gedanken vor dem Lesen

Wie kann ein Buch aussehen, welches sich umweltbewusstes und nachhaltiges Verreisen auf die Fahnen geheftet hat? Werde ich nach dem Lesen bei all meinen zukünftigen Reisen ein schlechtes Gewissen bekommen? Weil ich nicht in den Zug gestiegen, sondern mit dem Auto (aka Stinker-Diesel) hunderte Kilometer durch die Gegend kutschiert bin – oder gar das Flugzeug genommen habe?

Und sollte das mit dem schlechten Gewissen passieren: ist das dann gut oder schlecht?

FAIRreisen - sollen wir nun alle Zuhause bleiben? Klick um zu Tweeten

Für die Umwelt wäre es sicher gut. Denn für diese wäre ein Urlaub auf Balkonien, zu Fuß oder mit dem Fahrrad bis zum Lebensende wohl am besten.

Darf ich nur noch zu Fuß in den Urlaub?

Darf ich nur noch zu Fuß in den Urlaub?

Aber für mich? Würde ich dann nur noch Zuhause herumsitzen wollen und in meinem einzigen Leben, welches ich habe, nichts mehr von der Welt zu sehen bekommen? Oder maximal bis zu einem Radius, den meine Fitness zulässt? Würde ich nie wieder in ein Flugzeug steigen wollen, weil das schlechte Gewissen stärker ist, als der Wunsch, neue Länder zu bereisen?

Aber ich habe ich mir ja im Rahmen meiner ultimativen 50 Punkte Lebens-Checklist vorgenommen, mich intensiver mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Und da passt das Buch auf jeden Fall perfekt! Da muss ich jetzt wohl durch! 😉

Was erwartet dich im Buch?

Schon der erste Blick in das Inhaltsverzeichnis beruhigt mich etwas. Das Buch scheint nicht nur einseitig darauf abzuzielen, Touristen als reine Umwelt-Terroristen abzustempeln und das Reisen einfach prinzipiell zu verteufeln.

Neben einem generellen Blick auf den Tourismus mit einigen statistischen Zahlen zum Einstieg (1970 waren nur 150 Millionen Touristen im Ausland unterwegs, 2015 waren es schon satte 1,2 Milliarden ) und den positiven, wirtschaftlichen Auswirkungen geht es dann schnell ans Eingemachte. CO2 Emissionen und deren Auswirkungen auf Klima und Umwelt.

Fährschiffe - auf hoher See fährt man mit Schweröl

Fährschiffe – auf hoher See fährt man mit Schweröl

Was ist mit den Menschen vor Ort? Menschenrechte, Kinderarbeit, Sextourismus und Kinderprostitution – auch heikle Themen werden nicht ausgespart und im Buch näher behandelt. Wie sehr Tourist darf man sein, ohne für die Einheimischen als respektlos zu erscheinen? Stichwort Kultur. Nicht alles und jeden Fotografieren oder in Badeshorts und/oder nacktem Oberkörper heilige Stätten aufsuchen.

Auch Tiere kommen nicht zu kurz. Thema Großwildjagd und abknallen von Giraffen und Löwen oder gestresste und mit Valium beruhigte Orcas im Betonbecken zur Bespaßung von Touristen.

Neben dem Eingehen auf alle möglichen Auswüchse und negativen Folgen des Tourismus gibt der Autor Frank Herrmann auch immer wieder Tipps, wie man sich fairer und nachhaltiger verhalten kann. Im Kapitel „Tourismus mit Verantwortung“ geht er der Frage nach, was man unter sozial gerechtem und umweltverträglichen Tourismus versteht. Welche Siegel und Markenzeichen gibt es? Wie kann man welche Reiseformen fairer und grüner gestalten? Wie finde ich umweltfreundliche Hotels oder Kreuzfahrtschiffe, die nicht ungebremst Schweröl in die Luft blasen?

Auf den letzten 20 Seiten gibt es im Kapitel „Was wir tun können“ zahlreiche Tipps, was man vor und während der Reise alles tun kann, um FAIR zu reisen. Alles sehr übersichtlich präsentiert und nach Themengebieten sortiert.

Der gesunde Mittelweg

Einfach die Sau rauslassen ist Out! Man muss im Urlaub aber deshalb auch nicht auf alles verzichten.

Dass es auch einen Mittelweg gibt, zeigt dieses Buch sehr gut! Ohne dir dabei ständig den erhobenen Zeigefinger entgegen zu strecken. Mich hat es zusätzlich sensibilisiert, was das sehr wichtige Thema Nachhaltigkeit angeht – und das, ohne am Ende das unangenehme Gefühl zu haben, dass ich nun gar nicht mehr reisen sollte.

Diesen Spagat schafft der Autor dadurch, dass er eben kein einseitiges Tourismus-Bashing betreibt und nicht alle Reisewilligen als Umweltsünder und Menschenfeinde abstempelt. Neben dem Eingehen auf die positiven Auswirkungen, die der Tourismus unbestreitbar auch hat, bekommst du auch genügend Tipps zur Hand, worauf du auf deinen Reisen achten kannst, um die negativen Wirkungen zu minimieren.

Das Buch wurde mit dem ITB-Award 2017 ausgezeichnet. Die ITB ist die größte Reisemesse weltweit, die jährlich in Berlin stattfindet.

Für mich ist FAIRreisen – Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen Werbung ein Must-Read und eine klare Bereicherung für alle, die auch im Urlaub keine „Scheißegal-Mentalität“ an den Tag legen wollen.

Wie kann ein Buch aussehen, welches sich umweltbewusstes Verreisen auf die Fahnen geheftet hat? Werde ich bei all meinen zukünftigen Reisen ein schlechtes Gewissen bekommen, weil ich mit einem Stinker-Diesel hunderte Kilometer durch die Gegend kutschiere oder gar das Flugzeug genommen oder eine Kreuzfahrt gebucht habe?