Manchmal stolpert man über einen sehr gut geschriebenen Blog-Artikel, der einem einfach keine Ruhe mehr lässt.

So geschehen nach dem Lesen eines Artikels eines von mir sehr geschätzten Blogger-Kollegen zum Thema Klimawandel bzw. Nachhaltigkeit. Dort schreibt Tommi vom Reise-Fotografie-Blog seine Meinung zum Klimawandel und den für ihn frustrierenden Umgang der Menschheit damit.

Du solltest den Artikel eventuell nun lesen und dann wieder an diese Stelle zurückkehren, damit du nachvollziehen kannst, warum mich der Artikel bewegt und unruhig gemacht hat: Klimawandel, Nachhaltigkeit – unsere ernüchterte Meinung.

Unbehagen macht sich breit

Der Artikel meines Blogger-Kollegen hat mir einfach keine Ruhe mehr gelassen. Ich würde sogar sagen, dass er regelrecht Unbehagen in mir ausgelöst hat. Unbehagen, weil für mich gefühlt das Resüme war, dass etwas überspitzt ausgedrückt alles keinen Sinn mehr hat und wir ohnehin allesamt verloren sind.

Vielleicht sollte der Artikel das mit dieser Härte gar nicht ausdrücken beziehungsweise nicht beim Leser auslösen.

Bei mir war / ist aber genau das der Fall. Und das gefällt mir nicht. Vor allem auch deshalb, weil für mich der Artikel kein Geschwurbel und keine heiße Luft ist (oh – welch‘ Wortspiel in diesem Zusammenhang 😉 ), sondern auf Fakten basierend und tiefgründig.

Warum wir durchaus verzweifeln könnten

Zweifel am vom Menschen gemachten Klimawandel

Für viele ist der Klimawandel etwas ganz normales und hat rein gar nichts mit uns Menschen zu tun. Eiszeiten und Hitzeperioden hat es schon immer gegeben und der Mensch würde sich einfach zu wichtig nehmen, wenn er meint, auf das Klima Einfluss haben zu können.

Leider ist dem aber gar nicht so. Die Erde war vor dem Einfluss des Menschen im Gleichgewicht. Und dieses Gleichgewicht ist gar nicht so stabil und robust, wie so mancher gerne glauben würde. Folgenden Artikel lege ich den Zweiflern am Einfluss des Menschen am Klima an dieser Stelle ganz besonders ans Herz: Behauptung: Die COs Emissionen des Menschen sind winzig | klimafakten.de.

Wer am Einfluss des Menschen am Klima zweifelt, der wird natürlich auch nicht bereit sein, sein eigenes Tun in diesem Bezug zu hinterfragen. Warum auch?

Unsere Politiker

Das Thema Umwelt scheint die aktuell an der Macht stehenden Politiker herzlich wenig zu interessieren. Die Maßnahmen (wenn überhaupt welche formuliert werden) sind bisher viel zu zahnlos und zu niedrig (Stichwort CO2) angesetzt. Über für die Zukunft formulierte Ziele scheint man kaum hinauszukommen, wirkungsvolle Taten sind Mangelware. Das ist bitter.

Und wenn sich dann so manch angesehener (*räusper*) Politiker in den U.S.A. für die Kohleindustrie einsetzt, weil diese sauber wäre, dann tut das schon weh. Das alles macht natürlich etwas mit den Menschen, denn Politiker haben bei aller Kritik auch eine gewisse Vorbildwirkung oder tragen zumindest zur Bildung einer eigenen Meinung bei.

Populismus und Wirtschaft

Populismus treibt auch in Zusammenhang mit dem Klimawandel seine wohl bekannten Spielchen, indem die einfachste Lösung immer als die beste Lösung propagiert wird. In diesem Fall wird der Klimawandel einfach geleugnet und man beweist dabei auch bei diesem Thema seinen ganz eigenen, kreativen Umgang mit Zahlen.

„Alles Blödsinn, die wollen euch doch alle nur für dumm verkaufen!“. Aus deren Sicht alles Klima-Hysterie der Altparteien also.

Dass ein großer Teil der Wirtschaft ihr gutes Interesse daran hat, den von Menschen verursachten Anteil des Klimawandels so klein als möglich zu reden, liegt auch irgendwie auf der Hand. Da stecken Arbeitsplätze und Profit dahinter und diese gilt es primär zu schützen. Längerfristiges Denken zählt nicht zu den Stärken der in der Regel betagten Manager. Vor allem dann nicht, wenn ihre Prämie mit der Expansion des Unternehmens zusammenhängt.

Klimawandel in den sozialen Medien

Kein Kommentar. Das löst in mir in der Regel nichts als Frust aus. Die zahlenmäßig zwar nicht  größere, dafür aber viel lautere Leugner-Gruppe – gerne auch mit Alu-Hut unterwegs – gibt hier ganz klar den Ton an und bietet den Zweiflern einen wunderbaren Raum, um über „links-grün-versiffte Idioten und naive Gutmenschen“ herzuziehen.

Nicht den Kopf in den Sand stecken!

Klar könnte man auf Grund dieser Fakten nun den Kopf in den Sand stecken. Resignieren und die Hoffnung aufgeben. Auf die Politik hoffen (hmm, siehe oben), weil der einzelne ja nichts tun kann (oder will). Also einfach so weitermachen wie bisher!

Weiterhin jährlich in den Flieger steigen. Ab in den wohlverdienten Urlaub! Oder am Wochenende nach Malle für 20€ zum Saufen, weil man „bei so einem Schnäppchen echt nicht nein sagen kann!“. Den SUV dem Kleinwagen vorziehen, weil „der braucht ja eh‘ kaum mehr Sprit als mein alter Diesel!“. (SUV weiter im Höhenflug)

Damit sind wir aber um keinen Deut besser als all die Klima-Leugner da draußen! Die tun auch nichts. Wenn auch aus einer anderen Überzeugung heraus.

Nix da!

Gleich vorweg: ich sehe mich nicht in der Gruppe derjenigen, die mit bestem Gewissen den Zeigefinger erheben können, weil sie ja schon so schön nachhaltig wären. Das kann und will ich nicht. Ich bin auch kein Musterknabe in Bezug auf Nachhaltigkeit. Fahre mit dem Auto zur Arbeit, esse nach wie vor viel zu viel Fleisch und hinterfrage noch zu selten den Kauf vieler Dinge.

Trotzdem erlaube ich mir zu sagen: jeder hat die Pflicht, sein Tun im Hinblick auf die Umwelt zu hinterfragen! Niemand – wirklich niemand – soll einfach so weitermachen wie bisher. Zumindest nicht wir in der (ach so) zivilisierten Gesellschaft. Wir leben auf Kosten anderer und auf Kosten zukünftiger Generationen. So kann und darf das nicht weitergehen!

Und darauf werde ich auch in Zukunft in Blog-Artikeln hinweisen. Nicht, ohne natürlich gleichzeitig ständig mein Tun zu hinterfragen. Dabei helfen mir auch meine eigenen Blog-Artikel, so blöd das für manchen auch klingen mag!

Wir sind allesamt verwöhnt

Der Großteil der Menschen in der sogenannten 1. Welt ist verwöhnt. In der Regel leben wir recht gut in einer eigenen Wohnung oder gar einem eigenen Haus mit Garten, fahren ein (zumeist viel zu großes) Auto und können uns auch locker einmal pro Jahr einen Urlaub leisten. Über unser Essen müssen wir uns so oder so keine Gedanken machen, da wird gekauft, was schmeckt.

Verzicht? Was ist das?

Auf etwas zu verzichten haben wir kaum gelernt. Mussten wir auch nicht. Wenn uns etwas anlacht, dann kaufen wir es in der Regel auch, ohne lange darüber nachzudenken. Da wird ein Schnäppchen nach dem anderen wahrgenommen, auch wenn das Zeug dann irgendwo herumliegt.

Der Befriedigung nachzugehen, etwas zu kaufen, ohne uns große Gedanken darüber machen zu müssen, ob wir uns das auch leisten können, ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Ausdrücke wie Fast-Fashion werden geboren, um uns klar zu machen, dass wir jeden neuen shice brauchen und unsere Klamotten alle 6 Monate ausgetauscht werden müssen, um hipp zu sein und nicht ausgelacht zu werden. Neues Handy? Per Vertrag alle 2 Jahre geregelt.

Viel geliebtes Killer-Argument gegenüber Kritikern: „Ich lebe nur einmal, und da lasse ich mir nichts vorschreiben. Den neuen SUV / die Kreuzfahrt / das Wohnmobil (beliebige andere Begehrlichkeit) habe ich mir auch hart genug verdienen müssen!“.

Aber jetzt sollten wir plötzlich aus einem ganz anderen Grund heraus auf etwas verzichten.

Blind geworden & Verlustängste

Wir sind großteils blind geworden. Blind dafür, wie gut es uns in Wirklichkeit geht. Von Beginn unseres Lebens an sind wir mit Privilegien ausgestattet, von denen andere nur träumen können. Das alles ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Und wenn wir dann den Spiegel vorgehalten bekommen und am Ende doch eingestehen müssen, dass es eben doch nicht selbstverständlich ist, in welchem Wohlstand wir leben, dann kommt die Angst. Die Angst, dass uns das jemand wegnehmen könnte.

Lieber lassen wir Europäer mittlerweile Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen, als dass wir auch nur einen Cent unseres Reichtums abgeben würden. Da kommt mir jetzt einmal ganz frei herausgesagt immer mehr die Kotze hoch!

Keinen Bock auf Veränderung – Kopf in den Sand

Den Kopf in den Sand zu stecken, heißt für mich nichts anderes als: „Ich will mich nicht ändern!“.

Dass all die eigenen Bemühungen nichts bringen würden, weil wir ohnehin verloren sind, ist da eine äußerst willkommene Aussage. Nein, nennen wir es schonungslos beim Namen: Ausrede! So kann man dann gleich weiterhin ungeniert herumferkeln und die Natur Natur sein lassen. Damit kann man dann wenigstens unser aller Abgang in vollen Zügen genießen.

Probleme auszublenden ist eine der Stärken des Menschen. So muss man wenigstens die eigene Komfort-Zone nicht verlassen. Oder negativ aufzufallen und als grün versifft bezeichnet zu werden, wenn man den Arbeitskollegen wiederholt darauf hinweist, dass er am Kaffeeautomaten die „Ohne Becher“ Taste nützen sollte, um Plastik zu sparen.

Österreicher und Deutsche verbrauchen nahezu 3 Erden

Österreicher und Deutsche verbrauchen nahezu 3 Erden

Die Österreicher und Deutschen verbrauchen im Durchschnitt Ressourcen für drei Erden pro Jahr! Und trotzdem zeigen wir lieber mit den Fingern auf andere. Die bösen Amis, die bösen Chinesen oder wer auch immer – gegen die wären wir ja allesamt noch echte Engel. Die Welt sollen anderen retten!

Warum ich die Hoffnung (trotzdem) noch nicht aufgebe

Auch wenn mein Blogger-Kollege ein wenig in seinen Aussagen zu schwanken scheint – ich spüre doch auch ein wenig Hoffnung in seinem Artikel – so ist sein Resüme: „Wir glauben nicht, dass der Klimawandel noch gestoppt werden kann. Dafür ist einfach nicht mehr genug Zeit.“

Vielleicht will ich es ja nicht wahrhaben, aber mit so einem Satz würde ich einen Artikel zum Thema Nachhaltigkeit nicht abschließen wollen.

Viel lieber mache ich das mit einer Liste von Gründen, die sehr wohl Hoffnung in mir aufkeimen lassen:

  • Auch wenn Greta Thunberg von manchen auch kritisiert wird und ihr niedere Beweggründe für ihre Schulstreiks unterstellt werden – was dieses Mädl mit ihrer Fridays for Future Bewegung für den Umweltschutz leistet, ist unglaublich! Sie bewegt wie schon lange keiner mehr die Massen, um sich für die Umwelt einzusetzen. Vor allem in Bezug auf die Jugend macht mir das sehr viel Hoffnung!
  • Wenn auch vieles (noch) viel zu langsam geht oder noch gar nicht erst angegangen wird: in der Wirtschaft und in der Politik ist das Thema angekommen und zumindest erste kleine Schritte in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit werden gesetzt. Parteien, die der Umwelt weiterhin im wahrsten Sinne des Wortes den Stinkefinger zeigen, werden früher oder später hart abgestraft werden.
  • Das Thema ist allgegenwärtig, schon lange wurde nicht mehr so viel über die Umwelt diskutiert. Egal, ob im Freundeskreis, im Verein oder unter Arbeitskollegen.
  • Immer mehr Blogger schreiben über das Thema und tragen damit ebenfalls zu einer weiteren Sensibilisierung bei.

Ich sehe das ähnlich wie beim Thema Rauchen. War es zu meiner Kindheit noch völlig normal, im Auto neben den Kindern zu rauchen, verbannen mittlerweile immer mehr Länder den Rauch aus Lokalen und von öffentlichen Plätzen.

Und auf eine ähnliche Entwicklung hoffe ich in Bezug auf die Umwelt: es soll zur Selbstverständlichkeit werden, sein Handeln auch in Bezug auf die Umwelt zu hinterfragen.

Einschränken. Jetzt!

Hör endlich auf damit, Ausreden zu suchen! Fange bei dir selbst an! Noch heute!

Das kann auch weh tun. Muss es aber nicht. Hinterfrage deine Gewohnheiten. Sei ab sofort auch du ein Teil der notwendigen Veränderung! Die Wanderung von Salzburg nach Innsbruck hätte ich nicht gemacht, wenn ich nicht meine Urlaubsgewohnheiten hinterfragt hätte. Und was zu Beginn als kleine Einschränkung erschienen ist (nicht nach Korsika oder Mallorca zum Wandern fliegen), war am Ende ein geniales Erlebnis, welches ich keinesfalls missen möchte.

Ich hoffe sehr, dass sich  mein Blogger-Kollege irrt, und dass es noch nicht zu spät ist!

Hier noch einmal der Link zum Artikel von Tommi: Klimawandel, Nachhaltigkeit – unsere ernüchterte Meinung.

Auch Henning macht sich ausführliche Gedanken über den Klima-Wandel – nein Klima-Krise, wie ihm wichtig ist zu betonen! Klimakrise – wann kommt die Ernsthaftigkeit?

Und Katja widmet sich ausführlich der Frage, ob man nachhaltig reisen kann: Die Illusion vom nachhaltigen Reisen.

Vom Klimawandel und den frustrierenden Umgang der Menschheit damit. Sollen wir alle den Kopf in den Sand stecken oder gibt es noch Hoffnung?