Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2020 um 16:46

Im September 2020 habe ich den Basiskurs zum Salzburger Bergwanderführer in Maria Alm im Salzburger Land absolviert. Es waren wirklich 10 sehr coole und lehrreiche Tage mit absolut klasse Leuten.

Du willst wissen, was dich während eines 10-tägigen Basiskurses zum Salzburger Bergwanderführer so alles erwartet und ob er mir persönlich neben den Leuten auch inhaltlich gefallen hat? Genau darum geht es in diesem Artikel!

Anreise & Start in den Kurs

Anreise am Tag zuvor

Maria Alm ist von mir Zuhause knapp 2 Stunden entfernt und so war für mich klar: selbstverständlich nehme ich mir ein Zimmer! Es wäre zum einen zeitlich ziemlich sinnlos, jeden Tag 3-4 Stunden im Auto zu sitzen und zum anderen würde da auch mein Nachhaltigkeitsherz bluten.

Kurz habe ich drüber nachgedacht, mit dem eBike anzureisen, das wäre aber aufgrund des vielen Zeugs, was ich mitzunehmen habe, nicht wirklich machbar gewesen. Neben der Kleidung und den Schuhen fürs Wandern muss natürlich auch meine Fotoausrüstung mit. Ohne meine Kamera (samt ein paar Objektiven) geht bei mir bei 10 Tagen Aufenthalt gar nicht.

Ich reise auch schon am Vortag an, um stressfrei und entspannt in den ersten Kurstag starten zu können.

Es geht los!

Als Begrüßungsgeschenke gibt es ein Alu-Häferl für Kaffee (um während der 10 Tage Kaffee aus dem eigenen Häferl trinken zu können), eine Landkarte der Umgebung im Maßstab 1:50.000, einen Ordner, der sich langsam mit Unterlagen füllen wird, eine Erste-Hilfe Fibel und ein Hand-Desinfektionsmittel (hallo Corona!).

Ich muss feststellen, dass ich als 66-er Jahrgang zu den Ältesten der Runde gehöre. Wohl auch optisch – so jung ich mir auch sonst immer vorkommen mag. Und es scheint eine extrem bunte Truppe zu sein. Das wird sicher spannend!

Ablauf und Kursinhalte

Zum Start gibt es Infos zum Ablauf des Kurses und den Ausbildungsinhalten der nächsten 10 Tage. Grob erwartet uns einiges an Theorie, gepaart mit sehr viel Praxis und Übungen im Gelände. Insgesamt 80 Unterrichtseinheiten inklusive einer kommissionellen Abschlussprüfung sind am Ende zu absolvieren, um das Zertifikat des Salzburger Bergwanderführers zu erhalten.

Oder richtiger: den ersten Teil dafür abzuschließen. Für das Zertifikat muss auch noch ein 4-tägiger Winterkurs abgelegt werden. Der seit dem Jahr 2020 verpflichtende Winterkurs erlaubt es, als Bergwanderführer Schneeschuhtouren in lawinensicherem Gelände durchzuführen.

80 Stunden Theorie und Praxis

Die Fächer in der Theorie

In insgesamt 11 Fächern wird uns das notwendige Wissen näher gebracht, in 9 davon ist am Ende des Kurses eine mündliche oder schriftliche Prüfung zu absolvieren. Worum es grob in den einzelnen Fächern geht, stelle ich dir kurz vor, damit du einen etwas besseren Eindruck von den Lehrinhalten bekommen kannst.

Berufskunde

Hier geht es hauptsächlich um die gesetzlichen Bestimmungen, in deren Rahmen sich ein Bergwanderführer bewegt. In Salzburg gibt es kein eigenes Gesetz für Bergwanderführer – nur für Bergsportführer.

Ich welchem Gelände dürfen wir uns als Bergwanderführer bewegen? Welche Tätigkeiten dürfen wir ausführen? Welche allgemeinen Pflichten haben wir zu befolgen und welche Gesetze haben sonst noch Einfluss auf uns?

Hervorzuheben für Bergwanderführer sind hier insbesondere das Forstgesetz (→ Wegefreiheit in Österreich), das Jagdgesetz (→ Drachenwand Wintersperre), das Salzburger Naturschutzgesetz und das Salzburger Nationalparkgesetz.

Erste Hilfe

Als Bergwanderführer hast du für die Sicherheit deiner Gäste zu sorgen bzw. diesen im Falle einer Verletzung oder eines Unfalles 1. Hilfe zu leisten. Deshalb hat die Erste Hilfe völlig zurecht einen ganz besonderen Stellenwert in der Ausbildung zum Bergwanderführer.

Erste Hilfe

Naturkunde (Natur- und Umweltschutz)

Wer sich in der Natur aufhält, hat diese auch zu schützen. Müll-Ferkel (→ Saubere Berge – Alpine Littering) haben in den Bergen nichts zu suchen, als Wanderführer muss man stets mit gutem Beispiel vorangehen und sollte auch wissen, welche Pflanzen und Landschaftsgebiete besonders geschützt sind.

Selbstverständlich sollte man nicht nur besonders geschützte Arten kennen und schützen, sondern die Natur generell achten und wertschätzen. Dazu gehören zum Beispiel auch das Vermeiden von Abschneidern oder das Lärmen im Wald / in der Natur.

Sich ein entsprechendes Naturwissen anzueignen, ist auch ein Garant dafür, dass man den Gästen ein entsprechendes Naturerlebnis vermitteln und die Natur anhand spannender Details näherbringen kann.

Gruppenführung

Wie geht man mit schwierigen Teilnehmern um? Wie bindet man Kinder in geführte Wanderungen ein? Tipp: Rucksackspiele vom ÖAV.

Bergrettung & Flugrettung

Wie alarmiert man die Bergrettung? Was ist zu tun, wenn man keinen Empfang hat? Was muss man bei einer Unfallmeldung angeben? Wie sieht ein geeigneter Hubschrauber-Landeplatz aus und wie weist man einen Hubschrauber korrekt ein?

Orientierung

Ein weiterer Kernpunkt der Ausbildung zum Salzburger Bergwanderführer. Auch in Zeiten des nahezu allgegenwertigen GPS ist es unabdingbar, dass man mit Karte und Bussole umgehen kann. Nicht überall hat man (ausreichenden) GPS-Empfang, auch der Akku kann ausgehen.

Gipfelbestimmung und Standortbestimmung (auch mit der Karte) gehören zu den wesentlichen Tätigkeiten, die man als Wanderführer einfach beherrschen muss.

Wetterkunde

Das Wetter spielt eine sehr große Rolle zur Planung und Vorbereitung und natürlich auch während einer Tour. Grundsätzliche Kenntnisse über das Wetter sollten deshalb ebenso zum Rüstzeug eines jeden Bergwanderführers zählen.

Versicherung & Abgabenrecht

Wie ist man als Bergwanderführer versichert? Welche Ausgaben kann man geltend machen? Gibt es für Bergwanderführer eine Registrierkassenpflicht („Kalte Hände-Erleichterung“)?

Alpine Gefahren

Welche alpinen Gefahren gibt es und wie erkenne ich diese? Wie beurteile ich sie richtig und welche Maßnahmen setze ich?

Ausrüstung & Bekleidung im Sommer

Eine zweckmäßige und der Tour angepasste Kleidung/Ausrüstung spielt eine große Rolle zum Gelingen einer jeden Tour bzw. um die Sicherheit der Gäste zu gewährleisten.

Hier werden wir insbesondere auf unsere Vorbildwirkung angesprochen. Auch wenn ich alleine zum Beispiel mit Barfußschuhen unterwegs sein sollte, als Bergwanderführer ist das ein No-Go. Man beobachtet uns und wird nicht verstehen, dass man selber knöchelhohe Wanderschuhe anziehen soll, während wir als Bergwanderführer mit dünnen Barfußschuhen über Stock und Stein hopsen.

Tourenplanung & Tourenführung

Wie wähle ich eine passende Tour aus (je nach Jahreszeit, Alter, Zeitaufwand etc.), wie soll eine Ausschreibung einer geführten Tour aussehen? Wie begrüße ich meine Teilnehmer richtig? Worauf muss ich während der Tour achten? Darf ich Teilnehmer frühzeitig entlassen?

Ablauf des Kurses

Gruppeneinteilung

Corona-bedingt sind etwas weniger Teilnehmer als sonst im Kurs, damit man im Raum, in dem die theoretische Ausbildung stattfindet, jeden der Teilnehmer an einen eigenen Tisch setzen kann.

Wir zählen 21 Leute. Für die praktischen Übungen im Gelände werden wir in 3 Gruppen zu je 7 Leuten eingeteilt. Das ermöglicht, dass jeder der Teilnehmer auch wirklich gut betreut werden kann.

Salzburger Bergwanderführer - Basiskurs - die 3 Gruppen
Gruppeneinteilung – fast alle eingeteilt

Eigentlich wäre anfangs geplant gewesen, dass wir die jeweiligen Ausbildner durchwechseln, damit am Ende jede Gruppe auch einmal mit jedem der Ausbildner unterwegs gewesen wäre. Das ist aber irgendwie schiefgegangen und so sind die Gruppen dann während der Praxis im Gelände überwiegend mit dem gleichen Ausbildner unterwegs gewesen.

Theorie und Praxis

In der Regel haben wir während der gesamten Woche vormittags Theorie und nachmittags Praxis. In der Theorie streut vor allem Ingolf gerne persönliche „Gschichtln“ ein, die etwas Abwechslung in die Vorträge bringen und von denen man auch lernen kann.

Was in der Theorie oft so einfach und logisch aussieht: in der Praxis hat man zumindest am Anfang mehr Fragezeichen im Gesicht, als einem lieb ist. Gerade deshalb halte ich den recht hohen Praxis-Anteil der Ausbildung für ganz besonders wertvoll.

Ein Unfall nach dem anderen!

Als ich Ina (Forchthammer – ja, die Landesmeisterin im Schitourengehen 2020 und mehrfache WM-Medaillengewinnerin in den Jugendklassen 2011) zum ersten Mal einen Verband am Knöchel anlegen muss, weiß ich nicht einmal, wie ich die Fasche halten soll, um den „Zug“ auf der richtigen Seite des Fußes hinzubekommen. Klaus zeigt mir eine Art Eselsbrücke und so wird dieser Verband ab sofort kein Problem mehr für mich sein.

Mit Klaus üben wir täglich im Gelände unterschiedliche Notfälle und Verletzungen und erlangen damit mehr und mehr Sicherheit, was die Bergung und Versorgung der Verletzten anbelangt. In unserer Gruppe sind Ina und Newsha die beiden, die am öftesten als Opfer herhalten müssen und alle möglichen Verbände angelegt bekommen.

Wir lernen nach und nach auch immer mehr Tricks mit der Rettungsdecke (zum Beispiel als Tragehilfe oder als Sonnenbrille) und dem Biwaksack (z.B. Fichtenzapfen oder Äste als Tragehilfe) kennen. Auch der flexible Einsatz des Dreieckstuches geht uns immer besser von der Hand.

Salzburger Bergwanderführer - Basiskurs - UTM Koordinaten bestimmen
UTM Koordinaten bestimmen

Das korrekte Melden eines Unfalles inklusive der Bestimmung der UTM-Koordinaten trainieren wir ebenfalls wieder und wieder. Alles Handgriffe bzw. Tätigkeiten, die im Falle des Falles einfach Routine sein müssen.

Orientierung(slos)

Ist anfangs das Wort Bussole (grob gesagt ein Kompass mit Peilvorrichtung) so etwas wie ein Fremdwort für mich und viele andere der Gruppe, wird das Teil im Laufe der Woche immer vertrauter und wir können mit der Bussole immer besser umgehen.

Salzburger Bergwanderführer - Basiskurs - Umgang mit der Karte
Gipfel bestimmen – „Vorwärtseinschneiden“

Einnorden der Karte oder Gipfelbestimmung? Am Ende wirklich kein Problem mehr! Klaus beweist auch hier sehr viel Geduld mit uns und übt den Umgang damit bei jeder Praxistour im Gelände.

Wandern ist wie Autofahren – man sollte jederzeit wissen, wo man sich gerade befindet.

Wo wir als Bergwanderführer mit unseren Gästen nicht hindürfen

So ein Bergwanderführer darf eigentlich gar nicht einmal so viel mit seinen Gästen tun. Zumindest was das Gelände anbelangt, ist für uns schnell einmal Schluss. Klettersteige, mit einem Seil gesicherte Abschnitte, Leitern oder Stufen – nix für uns!

Ein wenig schwieriger wird es schon, wenn es um die Einschätzung des Geländes in Bezug auf die Absturzgefahr geht. Und so unternehmen wir bewusst auch Touren, die diese Grenze überschreiten, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen.

Wo Bergwanderführer nicht hindürfen

Die Zielgruppe ist in der Regel ein Kreis von Personen, der nicht das Abenteuer sucht sondern Erholung und Entspannung.

Das lebende Naturlexikon

Unglaublich cool ist sowohl der theoretische Teil als auch der praktische Teil im Gelände zum Thema Naturkunde – Natur- & Umweltschutz mit einem ehemaligen Nationalpark-Ranger der Hohen Tauern, namentlich Hans Naglmayr.

So cool, dass mir das einen eigenen Artikel wert ist, der demnächst im Blog zu lesen sein wird!

Ab in die Höhle (oder doch nicht)

Am letzten Praxistag soll es in die Lamprechtshöhlen gehen, damit wir einen Berg auch einmal von innen sehen. Hier macht uns das Wetter aber einen massiven Strich durch die Rechnung. Der Regen lässt die Höhle über Nacht mehr oder weniger absaufen und so ist der Plan dieses Tages durcheinander.

Nachdem alle drei Gruppen vor Ort sind, wird spontan eine Art Großübung angekündigt: es wird beim nahe gelegenen Geo-Lehrpfad in St. Martin bei Lofer einen schweren Unfall mit vielen Verletzten geben. Wir sind auf alles vorbereitet. Wozu sonst haben wir die ganze Woche WM-Medaillen-Gewinner und andere Verunfallte immer professioneller verbunden?

Nachdem dann zum Regen auch noch ein heftiger Wind hinzukommt, sind es am Ende doch nur 3 Verletzte die es zu versorgen gilt. Nach einer allerletzten Praxis-Lektion entlässt man uns dann etwas verfrüht in unsere Unterkünfte zum Lernen auf die anstehenden Prüfungen am Wochenende.

Auch Spaß muss sein

Neben dem Kursprogramm eines jeden Tages haben wir im Laufe der Woche abends immer öfter auch gemeinsam etwas unternommen. Eine kleine Runde nach Kronreit oder völlig entspannt (*räusper* – Insider) auf den Natrun bis zum Speichersee und hinunter über die 5 Rutschen im Waldrutschenpark Maria Alm.

Abendrunde – am Natrun Speichersee

In unserer Pension haben sich bis zum Ende des Kurses echte Freundschaften gebildet.

Die Prüfung

Schriftliche Prüfung

Zur schriftlichen Prüfung kommen 5 Fächer: Ausrüstung, Bergrettung, Berufskunde, Naturkunde und Wetter.

Bei der Berufskunde sind wir uns danach ziemlich einig: das war am Ende fast schon zu einfach, dafür hätten wir am Vorabend nicht 5 Stunden lernen müssen. Dafür war das Wetter dann eher schwierig, obwohl man uns während des Kurses versichert hat, dass wie keine Meteorologen werden und nur die wichtigsten Wetter-Erscheinungsformen bzw. Gefahren kennen müssen.

Mündliche Prüfung

Die mündliche Prüfung ist auch so etwas wie eine praktische Prüfung. So kommen hier Erste Hilfe, Tourenplanung & Tourenführung, Alpine Gefahren und Orientierung zum Zug.

Bei der 1. Hilfe hatte ich einen bewusstlosen unter Corona-Bedingungen zu versorgen und mich um jemand mit einer Bauchverletzung zu kümmern.

Bei der Orientierung gab es einen Ort als Startpunkt sowie Zielkoordinaten im UTM-Format samt Wegbeschreibung, Länge, Höhe und Dauer zu bestimmen. Abgefragt werde ich dann noch nach diversen Zeichen auf der Karte, Geländeformen und Hangausrichtungen.

Bei der Tourenplanung werde ich nach meinem Wohnort gefragt und welche Tour ich dort für eine Gruppe planen würde, deren Teilnehmer ich nicht nicht kenne.

Bei den Alpinen Gefahren fragt mich Ingolf, was ich insbesondere bei den aktuellen Bedingungen (in der Nacht hat es bis ins Tal geschneit) beachten würde und welche alpinen Gefahren ich kenne.

Der Abschluss

Am Ende die Bestätigung über den erfolgreichen Abschluss des 10-tägigen Sommerkurses zum Salzburger Bergwanderführer in den Händen zu halten, fühlt sich schon gut an!

Resüme

Ich habe diese 10 Tage ungemein genossen. Einerseits die Ausbildung selbst, anderseits die ungemein coolen und für mich überdurchschnittlich interessanten Teilnehmer.

So eine bunte Truppe habe ich wirklich noch nie erlebt! Ein Kanadier und ein Tscheche, 2 Holländerinnen, Deutsche und Österreicher, eine Tourenschi-Landesmeisterin und WM-Medaillen-Gewinnerin, der ein oder die andere Trail-Runnerin über ChirurgInnen und Lebenskünstler, von Veganern bis zu Fleischliebhabern. Von Jung bis Alt war alles vertreten.

Bei einem letzten Kaffee im Gastgarten macht sich bei mir fast so etwas wie Wehmut breit. Die Gespräche mit so mancher TeilnehmerIn werde ich wirklich sehr vermissen und so freue ich mich schon am letzten Tag des Sommerkurses auf ein Wiedersehen im Winterkurs.