Zuletzt aktualisiert am 28. Februar 2024 um 7:36

Die Gründung einer EEG (Erneuerbare Energie Gemeinschaft) in Österreich soll sehr einfach (die Optimisten) bis zu extrem schwierig und aufwendig (die Pessimisten) sein. Was stimmt nun? Liegt die Wahrheit dazwischen oder kommt es zusätzlich auf die Rahmenbedingungen an?

In dieser mehrteiligen Serie nehme ich dich mit bei meiner Gründung einer EEG. Die Praxis soll dabei im Mittelpunkt stehen. Alles, womit ich eventuell zu kämpfen habe, kannst du mitlesen.

Aber zuerst klären wir einmal in möglichst einfachen Worten, was eine EEG überhaupt ist. Und ein paar Grundlagen müssen auch sein, bevor es in Teil 2 mit der Praxis und der Gründung losgeht. Hilft nix. Aber alles halb so wild! Folge mir unauffällig …

Was ist eine EEG?

Die Grundlagen

Einfach formuliert ermöglicht eine EEG, dass Privatpersonen (und auch Klein- und Mittelbetriebe sowie Gemeinden) Energie untereinander austauschen können. Dazu braucht es zumindest einen Teilnehmer, der Energie produziert (z.B. mit einer Fotovoltaik-Anlage) und einen Teilnehmer, der Energie abnimmt.

Wer in Österreich Energie produziert, darf den Überschuss (also jene Energie, die er selber nicht verbraucht) ins Netz einspeisen und bekommt dafür eine Vergütung. In der Regel ist diese Vergütung geringer als der Preis, den man bezahlt, wenn man Energie vom Energielieferanten kauft.

Zumeist handelt es sich bei der Energie um Strom, man kann aber auch Wärme untereinander tauschen. Da ich eine EEG für Strom gründe, werde ich in weiterer Folge nur noch davon sprechen.

Weitere Details zu den verschiedenen Arten einer Energiegemeinschaft findest du auf der offiziellen Seite für Energiegemeinschaften: Formen von Energiegemeinschaften.

Die Welt steht kopf – kannst du aber eigentlich ignorieren

Im Jahr 2023 bis Anfang 2024 steht die Welt aufgrund der Strompreisbremse und zeitgleich sehr hoher Einspeisetarife auf dem Kopf. Das hat EEGs in dieser Zeit etwas ausgebremst. Teilweise bekam man durch die Strompreisbremse für die Einspeisung ins Netz mehr, als man für den Bezug bezahlen musste. Damit war eine EEG zumindest bis zu einem Verbrauch von 2.900 kWh (Grenze der Strompreisbremse) mehr oder weniger sinnlos, weil man den Strom dann lieber ins Netz eingespeist hat, anstatt der EEG (billiger) zur Verfügung zu stellen.

Sollte das jetzt zu kompliziert klingen, ignoriere das einfach! Die Lage ändert sich durch stark gesunkene Einspeisetarife bereits wieder (Anfang 2024).

Lokale und regionale Energiegemeinschaft

Über das Stromnetz

Ich will dich nicht mit zu vielen Informationen belasten, aber diese muss noch sein: bei einer EEG unterscheidet man grundlegend zwischen „lokal“ und „regional“.

Der Strom wird netzförmig verteilt, das heißt grob vereinfacht: Von der Erzeugung bzw. Import des Stromes wird dieser über verschiedene Umspannwerke von einer höheren in eine niedrige Spannung transformiert und am Ende über Trafostationen an einzelne Abnehmer geliefert.

Die nachfolgende Grafik stellt das anschaulich dar.

Darstellung der Netzebenen - regionale und lokale EEG
Netzebenen – Lokale EEG vs. Regionale EEG vs. BEG

Lokale EEG

Alle Teilnehmer, die bei einer lokalen EEG mitmachen wollen, müssen hinter der gleichen Trafostation hängen. Wer den Strom von einer anderen Trafostation bezieht, kann somit nicht teilnehmen.

Regionale EEG

Bei einer regionalen EEG müssen alle Teilnehmer den Strom vom gleichen Umspannwerk beziehen. Alle Trafostationen inkl. deren Teilnehmer, die am gleichen Umspannwerk hängen, können an einer regionalen EEG teilnehmen. Damit kannst du den Teilnehmerkreis deiner EEG im Vergleich zur lokalen EEG stark ausdehnen.

Lokale oder regionale EEG gründen?

Um diese Entscheidung treffen zu können, musst du wissen, wer deine potenziellen Teilnehmer sein sollen. Befinden sich alle innerhalb der gleichen Trafostation, ist eine lokale EEG die bessere Wahl.

Die meisten Netzbetreiber in Österreich bieten Services an, die die Netzstruktur übersichtlich in einer Karte anzeigen. Damit kannst du feststellen, welche Teilnehmer sich hinter welchem Umspannwerk und welcher Trafostation befinden.

Für Salzburg rufst du dazu folgende Webseite auf: Erneuerbare Energiegemeinschaften Salzburg-Netz.

Dort gibst du deine Adresse ein und bekommst dann eine Karte angezeigt, die dir genau zeigt, wer innerhalb einer Trafostation liegt und wer innerhalb eines Umspannwerkes.

Gründung einer EEG - Ansicht Umspannwerke
Gleiches Umspannwerk – gleiche Farbe
Alle Teilnehmer innerhalb gleichem, grauen Rahmen – gleicher Trafo

Du kannst in diese Karte bis auf den Gebäudelevel hineinzoomen.

Solltest du für deinen Netzbetreiber kein solches Service finden, dann findest du zumindest bei den Informationen zu deinem Smartmeter im Portal des Netzbetreibers eine sogenannte LocalID und RegionalID. All jene, mit der gleichen LocalID können an einer lokalen Energiegemeinschaft teilnehmen, alle jene mit der gleichen RegionalID an einer regionalen EEG.

Ein Smartmeter ist übrigens Grundvoraussetzung, um eine EEG gründen zu können. Nur so kann der Bezug und das Einspeisen von Strom entsprechend aufgezeichnet werden.

Wichtig: sobald du eine EEG gegründet hast, ist ein Wechsel zwischen lokal und regional nicht mehr möglich, zumindest Stand Dezember 2023. Eine Änderung würde eine Auflösung/Neugründung bedeuten.

Was bedeutet das mit dem Netzentgelt?

Für den Transport von Strom musst du bezahlen. Das nennt sich dann Netzentgelt oder Netznutzungsentgelt. Du findest das auf deiner Stromrechnung. Für jede kWh, die für dich transportiert wird, musst du also zahlen.

Im Falle einer Energiegemeinschaft muss dein Strom bei Bezug aus der EEG weniger weit transportiert werden. Deshalb musst du auch weniger Netzentgelt bezahlen, als wenn du den Strom von deinem Stromanbieter direkt beziehen würdest.

Und genau deshalb ist eine lokale EEG im Vergleich zu einer regionalen ein gewisser Vorteil, weil der Strom weniger weit transportiert werden muss und dadurch das Netznutzungsentgelt geringer ist. Du musst dich darum übrigens nicht kümmern, denn dein Stromanbieter ist dafür zuständig, das Netzentgelt korrekt zu verrechnen.

Und was bringt mir die Gründung einer EEG?

Ja, wir sind von der Wirtschaftswelt quasi so erzogen worden: Was auch immer du tust, es sollte sich finanziell lohnen!

Du musst jetzt ganz stark sein: (Möglichst viel) Geld zu verdienen, ist nicht das primäre Ziel einer Energiegemeinschaft! Das Hauptziel ist, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Eine EEG ist ein Baustein davon.

Wie viel Geld du dir am Ende sparen kannst, kommt ganz darauf an, wie die Energiegemeinschaft ihre Tarife gestaltet. Deshalb wird es in dieser Serie über die Gründung einer EEG zum Thema Tarifgestaltung einen eigenen Artikel geben.

Ich sehe eine EEG auch als Gemeinschaftsprojekt, welches durchaus auch den Zusammenhalt untereinander fördern kann.

Fazit

Das war es schon mit den Grundlagen. Jetzt weißt du, was eine Energiegemeinschaft ist. Ob du eher eine lokale oder regionale EEG gründen sollst, solltest du anhand dieses Artikels nun auch schon entscheiden können.

Ich habe mich nach Ausstieg eines potenziellen Teilnehmers außerhalb „meines“ Trafobereiches für die Gründung einer lokalen Energiegemeinschaft entschieden. Einfach, weil ich und alle anderen in der EEG dadurch noch mehr Netznutzungsentgelt spare.

Alle Artikel dieser Serie

  1. Grundlagen
  2. Organisationsform Verein
  3. Weitere Verträge
  4. Vereinsorgane und Marktpartner
  5. EDA-Portal & Abrechnung
  6. Tarifbestimmung (in Arbeit)
  7. EEG-Faktura (in Planung)
  8. Laufender Betrieb (in Planung)