Nachhaltige Ernährung zählt zu jenen Bereichen deines Lebens, in denen du am meisten für das Klima tun kannst. Je nachdem, was du isst, belastest du unsere Umwelt entweder mehr oder weniger. Weitere wichtige Themenbereiche sind Mobilität, Konsum und Wohnen (Heizung & Strom).

„Ganz ehrlich? Ich hab‘ echt keinen Bock drauf, mir jetzt auch noch in meine Ernährung von grünen Naivlingen reinreden zu lassen! Was ich esse, ist dem Klima doch shice-egal und ist im übrigen ganz alleine meine Sache!“

Gleich vorweg: Dieser Artikel soll dir kein schlechtes Gewissen machen, aber dich zum Nachdenken anregen. Er soll auch kein erhobener Zeigefinger sein, sondern dich in erster Linie dafür sensibilisieren, wie du mit deiner Ernährungsweise etwas zum Klimaschutz beitragen kannst.

Und wenn du dich dann beginnst, intensiver mit deinen Ernährungsgewohnheiten zu befassen, wirst du am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit auch deiner Gesundheit etwas Gutes tun. Denn wer sich bewusst ernährt, ernährt sich auch gesünder. Win-Win also.

Warum soll ich meine Ernährung umstellen?

Unsere Ernährung hat einen sehr großen Einfluss auf unsere Umwelt und unser Klima.

Der Flächenverbrauch für den Anbau von Futtermitteln vor allem für die Fleischindustrie ist immens. Das führt unter anderem dazu, dass immer mehr Regenwälder abgeholzt oder niedergebrannt werden. Eine Katastrophe für unser Klima, weil dadurch eine der wichtigsten CO2 Senken unserer Erde mehr und mehr verschwindet. Das befeuert (im wahrsten Sinne des Wortes) den Treibhauseffekt.

Nachhaltige Ernährung - riesige Monokulturen schaden auch Insekten und Vögeln
Riesige Monokulturen

Auf den Feldern werden auch häufig Pestizide und Düngemittel eingesetzt und der weltweite Transport von Nahrungsmitteln schadet zusätzlich unserem Klima. Die dafür notwendige Verpackung trägt ebenso ihren Teil dazu bei.

Mit der Wahl deiner Ernährung kannst du auf all diese Bereiche Einfluss nehmen. Wie, das kannst du in weiterer Folge lesen. Der Artikel ist recht lang geworden, also bei Interesse in die Bookmarks werfen und später fertig lesen.

Gleich vorweg – es geht nicht (nur) um Verzicht

Das Wort „Verzicht“ ist für viele ausschließlich mit unangenehmen Gefühlen verbunden und so schrecken wir vor allem erst einmal zurück, was auch nur irgendwie danach riecht. Und ganz ehrlich: sich anders zu ernähren bzw. grundsätzlich jede Veränderung bedarf schon einer gewissen Anstrengung. Mist! Noch so ein Wort, welches uns erst einmal abschreckt.

Aber Stopp! Du kannst das auch ganz anders sehen! Dich anders zu ernähren muss nicht (nur) mit Verzicht verbunden sein, sondern kann dir völlig neue Geschmackserlebnisse bieten. Sehe es also einfach von der anderen Seite: freue dich auf das Kennenlernen anderer Gerichte und fokussiere dich nicht nur auf das, was du nun nicht mehr (so oft) essen solltest.

Gehe es vor allem auch langsam an! Niemand muss von einem auf den anderen Tag die Ernährung völlig umstellen! In unserer Familie sind wir es auch langsam angegangen, in dem wir immer mehr Tage ohne Fleisch eingelegt haben. Jetzt (2022), nach etwa 2 Jahren, essen meine Frau und ich im Schnitt nur noch 1x pro Woche Fleisch vom nahegelegenen Bauernmarkt.

Das Gefühl von Verzicht ist dabei nie so wirklich aufgekommen, auch wenn ich zugeben muss, dass es Tage gab und gibt, an denen ich förmlich Heißhunger auf eine Leberkässemmel bekomme. Die gönne ich mir dann aber auch. Noch.

Nachhaltige Ernährung – Fleisch & Tierprodukte

Weniger / kein Fleisch essen

Das Thema Fleisch würde locker einen eigenen Artikel füllen – ich versuche mich trotzdem kurzzuhalten.

Der Durchschnitts-Österreicher isst langsam aber sicher immer weniger Fleisch, was gut ist. Waren es um die Jahrtausendwende noch über 68 kg, so waren es 2021 „nur“ noch 60,6 kg. Im gesamten Leben macht das aber immer noch 1.217 Tiere und 5,9 Tonnen, die der Durchschnittsösterreicher in seine Figur wirft. (Quellen: Artikel in den Salzburger Nachrichten und Fleischkonsum in Österreich | Global 2000).

Zum Wohle der Natur / des Klimas

Man kann den brasilianischen Präsidenten gerne als Umweltsünder und Idiot beschimpfen, nur sollte man dabei bedenken, dass unser übermäßiger Fleischkonsum und der damit einhergehenden Massentierhaltung samt hohem Bedarf an Futtermitteln und somit Anbaufläche, der Grund dafür ist.

Regenwald – sehr wertvoll und wichtig (Bild: Depositphotos)

2021 wurden weltweit über 24 Milliarden (!) Tiere gemästet. Ein Viertel der Festlandoberfläche der Erde wurde bereits in Weideflächen umgewandelt, 90 % der Sojaproduktion werden dabei an Tiere verfüttert. Von wegen „Die Veganer sind schuld!“, weil sie so viel Soja essen würden.

Für Fleisch wird mehr Energie, Platz und Wasser verbraucht, als für jedes andere Lebensmittel. Für 1 kg Schweinefleisch werden zum Beispiel 6000 Liter Wasser verbraucht, für Rindfleisch gar 16.000 Liter (Quelle: Wikipedia – virtuelles Wasser).

Zum Wohle des Tieres

Für die Einschränkung von Fleischkonsum gibt es neben dem Klimaschutz auch mit dem Tierwohl einen sehr gewichtigen Grund.

Wenn sich die Supermärkte aktuell förmlich zu überschlagen scheinen, wie gut es die Tiere denn hätten, die bei ihnen in Plastik verschweißt in der Kühlecke landen: die zu große Menge an Fleisch, die nach wie vor konsumiert wird, lässt sich zu diesem Preis gar nicht so produzieren, dass die Mehrzahl der Tiere ein schönes Leben haben könnte.

Auch wenn wir nur die glücklichen Kühe auf der Alm, die fröhlich vor sich hin quiekenden und sprechenden Schweinchen und von der Bäuerin liebevoll gestreichelte Hühner präsentiert bekommen – in der Realität sieht das zumeist völlig anders aus.

Glückliche Kuh auf der Weide
Muh-Kuh-Kuh

Die Tiere werden insbesondere im Zuge der Massentierhaltung auf engstem Raum und unter zumeist sehr schlechten Bedingungen gehalten. Damit sich möglichst wenig Krankheiten ausbreiten, werden häufig Antibiotika verabreicht. Im Falle von (Massen-)Tierhaltung werden die Tiere in der Regel unter hohen Qualen lebend transportiert, um sie aus Gründen der Frische möglichst nahe am Handel zu schlachten.

„Fair zum Tier“ kann nur heißen, so wenige als möglich davon zu essen!

Auf Fleischalternativen umsteigen

Viele Menschen können (oder wollen) nicht verstehen, wie man nur Vegetarier oder gar Veganer sein kann, und dann unbedingt so etwas wie vegane Schnitzel oder Burger essen will. Wenn du einige Veganer fragst, wirst du für deren Beweggründe unterschiedliche Antworten bekommen.

Fakt ist: Diesen Menschen sind Nachhaltigkeit und/oder Tierwohl sehr wichtig und dafür sind sie auch bereit, ihre Ernährung umzustellen und auf Fleisch und bei Veganern zusätzlich auf Tierprodukte zu verzichten. Logischerweise fallen damit viele Gerichte auf der Speisekarte weg und so sieht man sich nach Ersatz dafür um.

Der Lebensmittelindustrie ist es auf der anderen Seite sehr wichtig, möglichst viel Geschäft damit zu machen. Vegane Fleischersatzprodukte sind im Vergleich zu Fleisch relativ teuer und ich unterstelle an dieser Stelle einmal, dass die Industrie Menschen ausnutzt, denen Umwelt und Tierwohl wichtig sind. Damit kann man aktuell (wir schreiben das Jahr 2022) sehr gut verdienen, weil die Konkurrenz erst nach und nach auf den Plan kommt.

Und so bastelt man eben Produkte, die den Umstieg für jene erleichtern, die nur sehr ungern auf Fleisch verzichten wollen. Genau deshalb gibt es vegane Würstl und vegane Schnitzel. Von einem/r überzeugten Veganer:in wirst du eher selten hören, dass er/sie das Soja unbedingt in Wurstform haben will.

Aber es gibt auch noch sehr viele Menschen, wie mich: (noch) will man auf Fleisch nicht komplett verzichten, aber auf jeden Fall immer weniger davon essen. Und so zähle ich wohl auch zur Zielgruppe der „veganen“ Lebensmittelindustrie, die man wie eine Weihnachtsgans ausnehmen kann (schräges Wortspiel, ich weiß).

Mittlerweile haben wir in unserer Familie zahllose Fleischersatzprodukte durchprobiert, und manche sind schon wirklich sehr gut, wenn es darum geht, ähnliche Geschmackserlebnisse zu bieten, als mit Fleisch.

Greenforce Produktpalette - Alternative für Fleisch / Tierprodukte - nachhaltige Ernährung
Alternative für Fleisch / Tierprodukte

Bisher schmecken uns die Produkte von GreenForce am besten. Diese haben den Vorteil, dass es sie in Pulverform gibt und so auch recht lange haltbar sind. Wenn wir uns nun einen Burger machen, dann braucht es dazu wirklich kein Hackfleisch mehr. Durch die restlichen Zutaten im Burger sowie zusetzen von Zwiebel zum Veggie-Burger merkt man kaum noch einen Unterschied zum „echten“ Burger.

Mein Tipp: sei offen für Neues und probieren, probieren, probieren …

Weniger Tierprodukte essen

Auch Milchprodukte sind aus Sicht der Umweltbelastung sowie aus Sicht des Tierwohls äußerst schlecht. Wusstest du, dass Kühe künstlich dauerschwanger gehalten werden, um Milch zu geben? Dass es sogenannte „Turbokühe“ gibt, die so hochgezüchtet werden, dass sie aufgrund der riesigen Euter kaum noch gehen können?

Dass Jungbullen unerwünscht sind (ähnlich wie bei männlichen Küken, die vergast oder geschreddert werden) und deshalb nach ein paar Wochen Mast auf den Schlachthof müssen? Tiere als Ware. Ja, so is(s)t und trinkt der Mensch! Im Ausblenden von Tierleid sind wir spitze!

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Ganz schlimm auch Butter, denn für ein Stück Butter braucht es 21 bis 25 Liter Milch. Seit ich das weiß, trinke ich weder Kuhmilch, noch esse ich tierische Butter.

Alternativen für Tierprodukte bevorzugen

Für Milch gibt es mittlerweile sehr viele Alternativen, wie Sojamilch, Reismilch, Kokosmilch oder Hafermilch. Jede mit ihren eigenen Vor- und Nachteilen, was die Nachhaltigkeit anbelangt, aber alle schneiden besser ab, als Kuhmilch. In Bezug auf das Tierwohl sind natürlich alle der Kuhmilch klar zu bevorzugen. Eine gute Übersicht findest du bei Utopia: Pflanzenmilch als Milchersatz. Ich verwende Kokosmilch für mein veganes, selbstgemachtes Eis und Hafermilch fürs Müsli.

Für Butter gibt es zum Beispiel mit „Flora“ eine gute, pflanzliche Alternative. Geschmacklich wirklich 1a, mit einem kleinen Haken: sie beinhaltet Palmöl, um die gewünschte Streichfähigkeit zu erreichen. Ich habe vor einiger Zeit deshalb den Hersteller angeschrieben, der meinte, dass es aktuell keine andere Möglichkeit gäbe, um diese Qualität zu erreichen. Dass sie aber so wenig als möglich zusetzen würden, ohne dass die Qualität leidet.

Der weiter oben erwähnte Hersteller bietet auch Veganes Ei an. Geschmacklich ist das wirklich sehr gut und eine Ei-Omelette aus veganem Ei mit Paprika etc. steht dem einer Omelette mit Hühnerei um nichts nach. Was aber echt fies ist: wenn man das Pulver mit Wasser vermischt, stinkt es doch sehr intensiv nach altem Ei.

Nachhaltige Ernährung – saisonal & regional

Regional einkaufen

Wenn du Lebensmittel kaufst, die aus deiner Gegend stammen, dann weißt du, dass diese keine lange Reise hinter sich haben. Gemüse, Obst und Salat aus einem Hofladen ums Eck sind aus Sicht der Umwelt ganz klar besser, als wenn sie von Chile, Peru oder sonst wo stammen. Spanische Tomaten, Frühkartoffel aus Ägypten etc. erzeugen durch ihren Transport nämlich viel CO2.

Saisonal einkaufen

Wenn du das gesamte Jahr über Erdbeeren oder Himbeeren haben willst, muss dir klar sein, dass diese nicht bei uns gewachsen sein können. Zumindest nicht unter freiem Himmel. Und so werden im Winter viele Waren per Container-Schiff oder gar mit dem Flugzeug eingeflogen. Dass das kein Segen für die Umwelt ist, liegt auf der Hand.

Tomaten aus dem Hofladen im Winter? Da solltest du stutzen, denn diese können in unseren Breitengeraden nur aus einem beheizten Gewächshaus stammen, was auch alles andere als ideal ist.

Oder Äpfel im März. Viele Sorten müssen zur Lagerung gekühlt werden, damit sie lange genug halten. So schräg es klingt: manchmal wäre der mit einem Container herangeschipperte Apfel vom Fußabdruck fürs Klima besser, als der regional in einem Kühlhaus gelagerte. (Quelle: Äpfel im Vergleich: Was ist besser für die Umwelt?)

Saisonal vor Regional – Achtung bei Regional!

Kaufe Erdbeeren, Himbeeren und Gemüse nur dann, wenn es in deinem Land gerade Saison hat. Ja, Erdbeeren gibt es dann nicht zu jeder Jahreszeit. Ja und? Dafür kannst du dich dann umso mehr freuen, wenn es dann so weit ist!

Ein wichtiger Merksatz ist also: saisonal vor regional!

In Bauernmärkten einkaufen

In unserer Gegend gibt es immer mehr Bauernmärkte, die scheinen sich gerade wieder so richtig zu etablieren. Was auch gut so ist, denn auch wenn die Supermarktketten nicht müde werden zu betonen, wie regional und wie „Fair zum Tier“ ihr Fleisch wäre – das ist in der Regel in Plastik verschweißt und reist mit dem LKW an.

Wenn also ein Bauernmarkt in deiner Nähe ist, dann kaufe dein Fleisch und Gemüse dort. Regionaler geht es nicht.

Ein Gewächshaus bauen

Diese Gelegenheit hat sicher nicht jeder, denn nicht alle haben das Glück, einen eigenen Garten zu Hause zu haben. Ich habe dieses Glück und habe mir so im April 2021ein erstes, kleines Gewächshaus zugelegt. Davon war ich dermaßen begeistert, dass ich dann im März 2022 ein zweites, noch größeres dazugestellt habe.

Lokaler kann man Salat und Gemüse nicht beziehen. Und man weiß ganz genau, was da gespritzt wurde: nämlich gar nichts!

Gewächshaus - nachhaltige Ernährung
Eigenes Gewächshaus – lokaler als lokal

Artikel zum Aufbau und meinen ersten Erfahrungen mit meinem Gewächshaus findest du hier: Gewächshaus – Austria Insiderinfo.

Neue Gerichte ausprobieren

Hummus

Ich kann mich an meinen ersten Versuch mit Hummus noch sehr gut erinnern: „Oh Mann, das schmeckt ja wirklich fast wie Erde, jetzt weiß ich, warum das so heißt!“. Es war natürlicher Hummus – also ohne Geschmacksrichtung.

Später habe ich dann viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen ausprobiert: Chili, Rote Beete (Rona – das muss Rona heißen!), Karotten-Kren und andere mehr. Manche davon sind wirklich sehr gut! Statt also z.B. Frischkäse oder Liptauer zu essen, kann man durchaus auch Hummus probieren und so statt Aufstrichen aus Tierprodukten pflanzliche Aufstriche essen.

Kichererbsen

Sich überwiegend pflanzlich zu ernähren, kann auch dein Leben verlängern. Hülsenfrüchte, zu denen Kichererbsen (neben z.B. auch Bohnen, Erbsen und Linsen) gehören, sind sehr gut für die Verdauung, weil sie viele Ballaststoffe enthalten.

Kichererbsen liefern viele Nährstoffe, die man sonst über den Verzehr von Fleisch bekommt. Oben erwähnter Hummus wird übrigens auch aus Kichererbsen hergestellt.

Nachhaltige Ernährung – gegen Lebensmittelverschwendung

Weniger Wegwerfen

Ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit und Ressourcen in einem Lebensmittel steckt, das man dann viel zu oft völlig gedankenlos in den Müll wirft. Der Durchschnittsösterreicher wirft ca. 65 kg Lebensmittel pro Jahr weg! Altes Brot, schimmlige Tomaten, saure Milch und vieles mehr.

Das ist nicht nur für die Umwelt eine Katastrophe, sondern auch für den Geldbeutel. So geht man davon aus, dass der Österreicher Lebensmittel im Gegenwert von ca. 800 € im Jahr wegwirft. (Quelle: Lebensmittelverschwendung – WWF Österreich)

Lebensmittel-Verschwendung - ein großer Berg von Gemüse
Lebensmittel-Verschwendung

Lass‘ dich nicht vom Handel übers Ohr hauen! So hasse ich persönlich diese dummen Tricks von Billa, Penny und anderen, dass 2 Packungen Erdbeeren oder was auch immer, sehr viel günstiger sind, als eine. Die wissen ganz genau, dass dir die Hälfte davon ohnehin verschimmelt und du so schneller wieder kaufst.

Kein wirklich neuer Tipp: Nie hungrig einkaufen gehen, denn dann kauft man in der Regel zu viel! Ja, du traust dir dann locker zu, 2 Packungen Erdbeeren auf einmal zu verputzen!

Too Good To Go

TooGoodToGo ist eine App gegen Lebensmittelverschwendung. Sie gibt es für Android und Apple. Du kannst damit ganz einfach Lebensmittel retten, die ansonsten auf dem Müll landen würden.

Keine Sorge – du bekommst keinen Abfall. Du erhältst Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum am aktuellen Tag liegt, oder Produkte mit kleinen Macken, die man im Handel (bei den heute verwöhnten Verbrauchern) nur schwer loswird, wie z.B. Äpfel. Aber auch ganz frische Nahrungsmittel, wie Kartoffel etc., wo das Netz aufgerissen ist.

Der kleine Haken: du bekommst ein Überraschungspaket und weißt so nie genau, was dich erwartet. Wir haben mittlerweile verschiedene Händler ausprobiert und können sagen, dass die in der Regel um ⅔ günstigeren Lebensmittel alles andere als reif für den Müll sind. Wenn du also etwas flexibel bei dem bist, was du isst, dann kannst du viel Geld sparen und tust gleichzeitig der Umwelt etwas Gutes.

Nachteil: du bekommst so auch Dinge, die du nicht kaufen würdest und die dir schlimmstenfalls nicht schmecken. Oder – bisher der absolute Worst Case und damit mein letztes „Spar: vegetarisches Mix“: Nespresso Kaffeekapseln! Wer mich kennt, der weiß, dass ich Kaffee in Kapseln wirklich verabscheue. Und so etwas in so ein Lebensmittel-Rettungspaket zu geben, ist für mich ein Hohn. Denn die meisten besitzen so eine Maschine (zum Glück) gar nicht.

Ich habe mich übrigens by TooGoodToGo darüber beschwert und sie haben mir einen Gutschein in Höhe der Kosten der Bestellung erstattet. Das finde ich super und so werde ich trotz dieser Enttäuschung weiterhin versuchen, Lebensmittel zu retten.

Obst und Gemüse retten

Mit Unverschwendet gibt es ein österreichisches Start-up, welches sich ebenfalls dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung verschrieben hat. Sie retten überschüssiges oder für den Handel ungeeignetes Obst und Gemüse. Ungeeignet heißt zum Beispiel zu klein, zu groß, zu krumm, zu „hässlich“ oder dass es einfach zu spät reif wird.

„Unverschwendet“ holen diese Lebensmittel aus der nahen Umgebung von Betrieben ab und erzeugen daraus Marmeladen, Sirup und mehr. Du kannst deren Produkte Online kaufen oder (nachhaltiger) in manchen regionalen Läden und Kaufhäusern.

Einen anderen Weg gehen Afreshed, die Lebensmittel retten, indem sie vom Handel unerwünschte direkt den Bauern abkaufen oder Rückläufer aus dem Handel übernehmen. Diese Lebensmittel kannst du dann als Gemüsebox, die in einem Mehrwegbehälter geliefert wird, bei ihnen bestellen.

Verpackung

Generell auf Verpackung achten

Während Lebensmittelreste entsorgt werden (entweder bereits im Handel oder von dir Zuhause), können Teile des Verpackungsmülls recycelt werden. Was aber sehr viel besser klingt, als es in Wirklichkeit ist. Die Recycling-Quote ist nämlich sehr viel geringer, als so manche:r annehmen würde (→ Die Probleme beim Recycling von Kunststoff).

Also bitte nicht einfach sagen: „Egal, wird eh recycelt!“. Die Quoten sind wirklich beschämend und auch wenn es recycelt werden kann: Es musste hergestellt und transportiert werden. Das Recycling selbst kostet ebenso wieder einiges an Energie.

Beim verwöhnten Konsumenten werden viele Lebensmittel durch Plastik geschützt, damit sie möglichst makellos aussehen. Obst und Gemüse mit kleinen Macken bliebe nämlich zu oft liegen und es müsste dann nur noch mehr davon weggeworfen werden, als so schon der Fall ist.

Achte also bitte auf die Verpackung und kaufe keine Artikel, die sinnlos in Plastik verpackt sind. Z.B. diese 3-er Paprika oder das 6-er Pack verschweißte Äpfel. Das alles muss nicht sein. Liegen lassen und sich für andere entscheiden, die sehr häufig nur ein Regal nebenan liegen! Oder noch besser: den nächsten Bauernmarkt aufsuchen!

Kein Wasser in Flaschen kaufen

Warum das bei Verpackung steht? Weil jede Flasche, in der sich Wasser befindet, zumindest in unserem Land völlig überflüssig ist. Wir haben eine hervorragende Qualität beim Trinkwasser und es ist absolut nicht notwendig, Wasser in Flaschen zu kaufen.

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Neben der Umweltbelastung wird Wasser von Firmen wie Nestlé auch in Regionen aus dem Grundwasser abgepumpt, in denen die örtliche Bevölkerung dann unter Wassermangel leidet. Denk auch daran, wenn du beim nächsten Mal zu einer Flasche Mineralwasser von Nestlé greifst und lass sie stehen!

Verzichte auf Coffee-to-go

Hast du nicht schon genug Stress im Leben? Na also! Dann setze dich nächstes Mal gemütlich hin, um deinen Kaffee zu trinken. Damit hilfst du deiner Gesundheit und der Umwelt.

Das Problem bei Coffee-to-Go sind wie so oft bei Umweltfragen die riesigen Mengen an Müll, die dadurch anfallen. So werden zum Beispiel alleine in Deutschland 7,6 Millionen Coffee-to-Go Becher verbraucht. Nein, nicht jährlich – täglich! Die Pappbecher sind zudem mit einer dünnen Kunststoffschicht versehen, der Deckel ist generell aus Kunststoff. Also überlege dir, ob du in Zukunft nicht darauf verzichten willst.

Am besten genießt du deinen Kaffee „gesegelt im Empot“ – siehe weiter unten.

Unverpackt-Läden

„Aha, und die Nüsse fallen dann einfach vom Himmel, oder wie?“.

Nein, natürlich nicht! Aber anstatt die Nüsse in unzähligen Plastik-Verpackungen in 250 g oder ähnlichen Kleinmengen extra zu verpacken, kommen sie in großen Gebinden in diese Läden. Dort werden sie dann in sogenannte Spender abgefüllt. Du nimmst also in diese Läden dein eigenes Behältnis mit, welches du natürlich vorher abwiegen musst. Dort füllst du dann direkt die Nüsse, Müsli etc. ein.

So wird am Ende sehr viel Verpackung eingespart, was die Umwelt schont. Weitere Infos zu Unverpacktläden findest du zum Beispiel bei Zero Waste Austria.

Sonstiges

Fairtrade

Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf Ökologie, sondern neben Ökonomie auch auf den Bereich Soziales. Gerade im Bereich Kakao und Kaffee schuften oft Kinder für dein Genuss-Getränk. Schau dir das nachfolgende Video an und greif beim nächsten Mal, wenn möglich, zu Fairtrade-Produkten.

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Und ja, es stimmt, diese sind wirklich oft viel teurer. Aber so ist das halt, wenn man kleinen Kindern lieber eine Schulbildung zubilligt, anstatt sie auf Feldern schuften zu lassen.

Gesegelter Kaffee-Genuss

Dazu habe ich schon einmal einen eigenen Artikel (→ Von Kaffeekapseln zum gesegelten Kaffee im Empot) geschrieben, deshalb hier nur kurz. Zusätzlich zum Fairtrade Ansatz geht Brigantes noch einen Schritt weiter: Der Kaffee wird mit restaurierten Segelschiffen anstatt auf fetten Container-Schiffen transportiert.

Palmöl vermeiden

Palmöl ist in ungemein vielen Produkten enthalten (siehe weiter oben). Aber warum ist das schlecht? Es sind wieder einmal Regenwälder, die dran glauben müssen. Wird im Falle von Futtermitteln Soja angebaut, so braucht es für Palmöl Platz für „Ölpalm-Plantagen“. (Quelle: Warum ist Palmöl schädlich für die Umwelt? Ecosia-Blog)

Der erwähnte Artikel zeigt übrigens auch gut, warum ein Boykott oft nur ökologisch nachhaltig sein mag, aber sozial nicht. Die Zusammenhänge sind oft sehr komplex, was es wirklich schwierig macht, sich so nachhaltig als möglich zu verhalten. Was aber kein Grund sein darf, nichts zu tun.

Fisch aus Dosen

Die Überfischung der Weltmeere ist schon längst im Gang. 33 % der kommerziell genutzten Fischbestände gelten mittlerweile als überfischt. Es braucht immer größere Netze (mit immer mehr Beifang), um noch die gleichen Mengen fangen zu können, also noch vor ein paar Jahren.

Thunfisch ist dabei sehr beliebt, weil er groß und damit ertragreich ist. Er wird auch sehr gerne gegessen und wird in Dosen verpackt. Doppelt schlecht also.

Eigentlich potenziell sogar dreifach, denn Dank der Spezies Mensch enthalten Fische neben allerlei Schadstoffen wie Blei und Quecksilber auch immer mehr Mikroplastik. Wie sich das auf unsere Gesundheit auswirkt, ist noch nicht vollständig erforscht.

Wenn du gerne Fisch isst – vielleicht hast du ja das Glück, dass es in deiner Nähe eine See-Fischerei gibt? Frischer und regionaler kannst du deinen Fisch nicht beziehen.

Tiefkühlprodukte

Ja, es ist erwiesen, dass Tiefkühlprodukte wie z.B. Erbsen oder andere Gemüse tiefgekühlt sogar mehr Vitamine enthält, als frisch gekauftes vom Bauernmarkt. Der Grund ist, dass das Gemüse sofort nach der Ernte tiefgekühlt wird und so möglichst viele Vitamine erhalten bleiben.

Aber keine Sorge: selbst das Gemüse vom Bauernmarkt enthält noch genügend davon, um uns Europäer problemlos mit Vitamine versorgen zu können.

Für die Umwelt ist Tiefkühlgemüse allerdings alles andere als gut. Neben der (wieder einmal) Kunststoffverpackung braucht auch das Aufrechterhalten der Kühlkette sehr viel Energie. Der CO2 Ausstoß für Tiefkühlpommes ist zum Beispiel über 25x höher, als bei selbst zubereiteten Pommes. (Quelle: Öko.de – PDF)

Übersicht CO2 Footprint

Für Fortgeschrittene: Wenn du dir einen Überblick über den Fußabdruck (sehr) vieler Lebensmittel verschaffen willst, dann gibt es unter All You Can Eat Poster zum Bestellen oder als PDF zum kostenlosen Download. Hier ein kleiner Ausschnitt davon.

Ausschnitt aus All-You-Can-Eat Poster

Das Poster ist wirklich sehr übersichtlich aufbereitet und beinhaltet sehr viele Nahrungsmittel- wirf einmal einen Blick drauf!

Fazit

Wie du erkennen kannst, kann man an vielen Stellen ansetzen, um dich nachhaltiger zu ernähren.

  • Lege darauf wert, woher das Lebensmittel kommt und bevorzuge regionale Produkte.
  • Versuche dich zu informieren, wann welche Lebensmittel wo wachsen. Kaufe wenn möglich saisonal.
  • Achte auf die Verpackung.
  • Schränke den Konsum von Fleisch, Fisch und Tierprodukten ein.
  • Sei offen für Neues!

Ja, ich weiß, das war jetzt verdammt viel. Vermutlich hat es eh keine:r bis ans Ende geschafft, wenn doch, schreib mir gerne deine Meinung zu diesem Artikel als Kommentar!

Wichtiger Schlusssatz: Versuche gar nicht erst, perfekt zu sein, das geht einfach nicht. Die Zusammenhänge sind oft zu komplex, um alles vollständig zu durchblicken. Der Weg ist das Ziel. Langsam immer besser werden. Wenn das jede:r tut, dann ist schon sehr viel gewonnen!