Nachhaltiger Konsum zählt zu den wichtigsten Themenbereichen, in denen du selbst etwas zum Schutz des Klimas beitragen kannst. Die anderen, wichtigen Bereiche sind Mobilität, Ernährung und Wohnen (Heizung & Strom). In diesem Artikel geht es nur um nachhaltigen Konsum.

Neben der Politik und der Wirtschaft kannst auch du sehr viel tun, um deinen Konsum nachhaltiger zu gestalten. Unterschätze niemals deine Macht als Verbraucher! Mit dem, was du kaufst und was du nicht kaufst, hast du maßgeblichen Einfluss darauf, was in Zukunft erzeugt und was über kurz oder lang aus dem Handel verschwindet.

Dieser Artikel soll dir als Ideengeber dienen, was du alles tun kannst. Vieles davon lässt sich sehr einfach umsetzen! Ganz nach dem Motto: klein anfangen und langsam immer besser werden.

Nachhaltiger Konsum – Papier einsparen

Zeitschriften Abos

Überdenke deine Zeitschriftenabos. Hast du diese nur noch, weil das Abo irgendwie praktisch ist, weil manchmal ja doch etwas Sinnvolles in den Magazinen steht? Oder landen die meisten Ausgaben gar ungelesen im Altpapier?

Wenn du die Magazine gerne liest, dann prüfe, ob es diese auch in elektronischer Form gibt.

Alte, verstaubte Bücher

Liegen oder stehen bei dir zahllose alte Bücher herum, die du ohnehin nie (wieder) lesen wirst? Dann verhelfe diesen zu einem 2. Leben, indem du sie zur nächsten Bücherei bringst (manche freuen sich wirklich darüber). Solltest du Kinderbücher haben – möglicherweise wären diese ja etwas für den örtlichen Kindergarten?

Aufkleber gegen Werbung

Ein kleiner Aufkleber mit sehr großer Wirkung! Hast du schon einmal darauf geachtet, wie extrem viel Altpapier alleine durch Werbe-Prospekte anfällt? Laut einer Statistik der Stadt Wien sind das knapp 100 kg pro Haushalt im Jahr. 100 kg! Überlege dir also gut, ob du diesen “Werbemüll” wirklich im Postkasten haben musst.

Bereits im Jahr 2018 (ich habe leider keine aktuellere Statistik gefunden) haben fast 50 % der Salzburger Haushalte auf Werbung verzichtet.

Aufkleber kannst du dir zum Beispiel auf den Seiten der Umweltberatung kostenlos herunterladen und selber ausdrucken oder gegen eine Portogebühr bestellen. Bestellen Sie Werbung ab!

Taschentücher aus Recycling-Papier

Altpapier ist im Vergleich zu Papier aus Holz sehr viel umweltfreundlicher, weil dafür keine Bäume abgeholzt werden müssen. Bei der Erzeugung von Altpapier wird auch 60 % weniger Energie und 70 % weniger Wasser benötigt. Recycling-Papier ist also gegenüber herkömmlichem Papier klar der Vorzug zu geben.

Nachhaltiger Konsum - Taschentücher aus Recycling Papier.
Taschentücher aus Recycling Papier

Du solltest also (Vorsicht – Wortspiel) mit hohem Tempo auf Taschentücher aus Recycling-Papier umsteigen. Das spart zusätzlich eine Menge an Plastik, welches sonst sinnloserweise noch zusätzlich um alle 10 Taschentücher gewickelt wird.

Unterhaltung

MP3 oder Streaming statt Audio-CDs

Ich habe über die Jahre (40, räusper) eine sehr große Sammlung an Metal-CDs angelegt. Satte 1600 Stück waren es zu dem Zeitpunkt, als ich schweren Herzens beschlossen habe, meine Sammlung aufzulösen und mir auch keine neuen CDs mehr zu kaufen.

Für MP3 oder Streaming muss keine CD samt Hülle und Inlett erzeugt werden, es werden keine Rohstoffe verbraucht und auch der Transport fällt weg. Und am Ende fällt auch kein Müll an. Hier spart man also auf der einen Seite sehr viel. Aber ist es wirklich nachhaltiger, auf Streaming oder MP3 umzusteigen?

Nachhaltiger Musik-Genuss ohne CDs
1600 CDs waren es einmal

Streaming bzw. das Abspielen von MP3 benötigt nämlich auch Energie. Manchen Berichten zufolge viel zu viel. Für die Erzeugung der notwendigen Server werden ebenfalls Ressourcen benötigt und der Betrieb verbraucht ebenfalls Energie. Laut einem Artikel von National Geographic ist Streaming sogar schlimmer, wenn die Energie aus Kohlestrom erzeugt wird. Je nach Streaming Dienst ist der Strommix unterschiedlich und so erzeugst du je nach Streaming Dienst mit dem Abspielen direkt vom Server einmal mehr und einmal weniger CO2.

Was also nun? In Wirklichkeit alles nicht so einfach, da hier einige Faktoren zusammenspielen.

Folgendes solltest du beachten:

  • MP3 lokal abspielen und nicht über Cloud (Dateien im Netz wie z.B. OneDrive)
  • Bei Streaming Diensten Download-Funktion nutzen
  • Auf Musik-Videos verzichten

Meine alten CDs habe ich anfangs über Momox verkauft, mittlerweile verkaufe ich sie aber über Discogs, weil man dort Sammler erreicht, die in der Regel sehr viel Freude mit deinen ausgemusterten CDs haben. So bekommen deine alten Tonträger dann noch ein glückliches, neues Leben. Und im Gegensatz zu Momox fühlt man sich bei Discogs nicht ausgenutzt, wegen der extrem niedrigen Preis, die von Momox (oder ähnlichen Diensten) geboten werden.

MP3 – wo kaufen?

Nachhaltiger Konsum bedeutet nicht nur, sich in Bezug auf die Umwelt möglichst nachhaltig zu verhalten. Nachhaltigkeit ruht viel mehr auf 3 Säulen: Ökologie, Ökonomie und Soziales.

Und zumindest in Bezug auf Soziales ist der Ruf von Amazon nicht gerade der Beste. Zum Glück gibt es für Musik eine nahezu perfekte Alternative. Nahezu deshalb, weil nicht alle Bands dort zu finden sind. Dafür findet man dort auch sehr viele neue Bands, die nicht bei Amazon zu finden sind. Und der Hauptvorteil von Bandcamp: die Bands bekommen sehr viel mehr Anteile am Verkaufspreis. So gehen laut der Fair Trade Policy (Bandcamp) 80-85 % an den Verlag bzw. direkt an die Band.

Für mich also klar: immer zuerst auf Bandcamp stöbern und wenn es gar nicht anders geht, weil man unbedingt ein bestimmtes Album haben will, kann man immer noch beim Online-Riesen reinschauen.

Kleidung

Besser Qualität statt Billig-Klamotten

Wenn du dir Kleidung kaufst, verzichte auf “billig um jeden Preis”. T-Shirts unter 10 €? Finger weg! Da verdient am Ende maximal der Handel, der Rest der Lieferkette und die Erzeuger leiden in der Regel für dein ach so klasse Schnäppchen (→ Profit über alles – zum Leidwesen der Natur).

Kaufe lieber weniger, dafür aber Qualität! Du nutzt diese Kleidung sehr viel länger und in der Regel verdienen hier auch die Erzeuger besser und arbeiten unter besseren Bedingungen. Achtung: teuer muss aber trotzdem nicht gleichzeitig heißen, dass alles gut ist. Nicht umsonst wehrt sich der Handel jahrelang mit Händen und Füßen gegen ein Lieferkettengesetz.

Achte also auch darauf, woher der Hersteller seine Kleidung bezieht. Das ist nicht immer einfach, aber immer mehr Händlern ist es auch wichtig, dass ihre Kleidung unter fairen Bedingungen erzeugt wird und machen das auch zu ihrem Geschäftsmodell. Diese gilt es zu unterstützen! Das Fairtrade-Siegel kann dir dabei eine Hilfestellung geben.

Vergiss Fast-Fashion!

Die Kleidungsindustrie will nur eines: dir so viel als möglich zu verkaufen. Deshalb ist Fast-Fashion entstanden. Es gibt schon lange keine Jahreskollektionen mehr, der tüchtige Geschäftsmann / die tüchtige Geschäftsfrau denkt in Wochenabschnitten. Man will dir glauben machen, dass du mit dem Teil von vor einem Monat ein:e ewig-gestrige:r und damit völlig außer Mode bist.

Mache bei diesem Wahnsinn nicht mit! Niemand muss sich jede Woche völlig neu einkleiden. Das ist völlig lächerlich. Kaufe nur das, was du wirklich brauchst!

Vielleicht werde / wurde ich dafür schon belächelt, aber beim Wandern brauche ich nicht ständig neues T-Shirts. Ein Faden steht weg? Wayne?

Nachhaltigkeit und Wandern - T-Shirt kaputt?
Nachhaltigkeit und Wandern – T-Shirt kaputt? Ach was!

Flohmarkt & Altkleider

Wenn du Kleidung nicht mehr tragen willst oder wegen ein paar Kilogramm mehr um die Hüften nicht mehr kannst, dann wirf diese nicht einfach in den Müll! Wie so vieles kann auch deine Kleidung ein sinnvolles, 2. Leben bekommen. Und du tust Menschen damit einen Gefallen, die sich neue Kleidung kaum leisten können. Ja ich weiß, für viele von uns ist das nur schwer vorstellbar, aber es ist leider eine Tatsache.

Es gibt in den sozialen Medien auch zahllose Tauschbörsen, vor allem auch für Baby- und Kinder-Kleidung. Die Kiddies wachsen einfach schneller, als die Kleidung kaputtgehen kann.

Völlig abgetragene und zerfetzte Kleidung solltest du logischerweise nicht über diesen Weg “entsorgen”.

Secondhand-Kleidung kaufen

Neben dem Umstand, dass du deine Kleidung auch anderen Menschen zur Verfügung stellen kannst, kannst du auch selber Kleidung in Secondhand Geschäften kaufen. Und nein, das ist keine Schande – auch das ist nachhaltiger Konsum.

In manchen Ländern, wie zum Beispiel Schweden, ist Secondhand-Ware völlig normal.

Verschiedenes

Gesegelter Kaffee aus dem Empot

Eigentlich etwas, das vielleicht besser zum Bereich Ernährung passen würde. Allerdings spielen im konkreten Fall die Bereiche Konsum & Ernährung sehr stark zusammen.

Denn statt Kaffeekapseln (für mich ein absolutes No-Go) braucht es nur eine spezielle Kaffeekanne für die Zubereitung deines Kaffees. Auch auf einen Kaffeeautomaten kannst du damit sehr gut verzichten und damit eine Menge an Ressourcen sparen. Da ich das alles schon sehr ausführlich einmal beschrieben habe, verweise ich dich dazu auf meinen Artikel: Von Kaffeekapseln zum gesegelten Kaffee im Empot.

Keine Spontankäufe

Online einkaufen ist so einfach. Man muss sich nicht in den Bus oder das Auto setzen, keinen Parkplatz suchen und ist in Null-Komma-Nix im Geschäft. Mit nur wenigen Klicks kannst du dir den neuesten Shice (sry) ins Haus holen.

Die Werbung weiß schon sehr gut, wie sie uns mit möglichst emotionalen Bildern anfixt! Da macht dich jede Lampe oder jedes Küchenmesser umgehend zu einem glücklicheren Menschen. Emotionen sind das 1×1 des Werbegeschäfts. Und so lässt man sich immer wieder einmal zu einem Spontankauf verleiten. Tu es nicht!

Mein Tipp: niemals einen Spontankauf starten. Lass’ deinen Wunsch (den du vor der Werbung ja oft gar nicht hattest) einfach sacken. Schlafe eine Nacht oder besser eine Woche darüber. Gehe in dich und überlege, ob du das Teil auch wirklich brauchst. In der Regel wird die Antwort nein sein.

Upcycling statt Neukauf (oder wegwerfen)

Aus alt mach neu oder etwas ganz anderes. Bevor du etwas kaufst, denk darüber nach, ob da nicht etwas im Keller oder am Dachboden liegt, was du entsprechend umbauen könntest.

Pergola abgebaut - Hocker / Blumenständer Upcycling
Blumenständer aus Teilen einer Pergola

Das klingt dir jetzt zu abstrakt? Dann wirf einfach einen Blick in: Was ist Upcycling – Ideen und Beispiele. Nur als Beispiel an dieser Stelle: aus Euro-Paletten kannst du ungemein viel bauen, anstatt diese einfach zu verheizen.

Refurbed oder Refurbished

Refurbed? Was das sein soll? Eigentlich genau das, was die Übersetzung aus dem Englischen bedeutet: überarbeitet.

Häufig sind das Geräte, die schon eine Weile im Einsatz waren (z.B. über einen Leasing-Vertrag, Demo-Geräte von Messen etc.) und dann erneut verkauft werden, nachdem sie überprüft und nötigenfalls überarbeitet wurden. Zumeist sind diese auch sehr viel günstiger.

Du kannst überarbeitete Produkte zum Beispiel bei refurbed.at kaufen.

Repair-Cafe

Defekte Dinge zu reparieren ist heutzutage völlig außer Mode gekommen. Das hat mehrere Gründe. So ist Arbeitszeit bei uns im Verhältnis zu den Neupreisen vieler Gegenstände einfach viel zu teuer geworden. Gegenstände, die in hoch automatisierten Fertigungsstraßen und in Billiglohn-Ländern produziert werden.

Zum anderen sind die Hersteller sehr darauf bedacht, dass du deine Gegenstände nur ja nicht selber reparieren oder defekte Teile selber austauschen kannst. So werden Spezialschrauben verwendet oder Akkus fix verbaut. Alles nur mit dem einen Sinn, dass du kaum eine andere Wahl hast, als dir ein neues Teil zu kaufen.

Hier kommen Repair-Cafes ins Spiel. Diese werden in der Regel von Freiwilligen betrieben, die sich nachhaltigen Konsum auf die Fahnen geschrieben haben und ihre Freizeit dafür opfern, um deine kaputten Geräte zu reparieren. Gehe mit offenen Augen durch deine Umgebung oder google einfach danach. Du wirst sehen, auch in deiner Nähe wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das ein oder andere Repair-Cafe geben.

Nachhaltiger Konsum und Smartphones

Auf Smartphones extra hinzuweisen, ist mir ein persönliches Anliegen. Im Jahr 2020 wurden weltweit 1,28 Milliarden (!!) Smartphones verkauft. Quelle: Statista. Über 1 Milliarde innerhalb eines Jahres! Kannst du dir diese Menge auch nur annähernd vorstellen?

Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn wir weiterhin denken, immer den neuesten shice zu brauchen und uns spätestens alle 2 Jahre ein neues Smartphone gönnen, weil es im Rahmen des Mobilfunk-Vertrages ja “eh gratis” ist. Nein, ist es nicht – du zahlst das sehr wohl durch eine überhöhte Monatsgebühr und eine völlig sinnlose “Service-Pauschale”, die die wahre Höhe der monatlichen Kosten verschleiern soll.

Was du tun kannst:

  • Dein Smartphone so lange als möglich nutzen
  • Mobilfunk-Anbieter wechseln – es gibt auch welche ohne Service-Pauschale und “geschenkte Handies”
  • Beim nächsten Kauf evtl. an den Kauf eines Fairphone denken
    Fairphone achtet besonders auf die Lieferkette und die Möglichkeit, einzelne Teile selber austauschen zu können.
  • Nach dem Ende des Lebens deines Smartphones dieses z.B. über die Ö3-Wundertüte einer Wiederverwertung / Wiederverwendung zuführen.

Online bestellen – ja oder nein?

Ein schwieriges Thema. Warum? Weil es auch hier keine eindeutige Regel gibt, ob online bestellen oder selber einkaufen immer die bessere Option ist. Ich bestelle selber relativ viel online, was mir vor einiger Zeit ein ziemlich schlechtes Gefühl gegeben hat. Gefühlt passte das für mich einfach nicht mit meinen immer stärker werdenden Nachhaltigkeitsbestrebungen zusammen.

Und so habe ich dann etwas recherchiert und habe für mich folgendes mitgenommen:

  • Die Entfernung zum (offline) Shop spielt eine große Rolle
    Je weiter dieser entfernt ist, desto besser steigt eine Online-Bestellung aus. Natürlich auch abhängig vom Verkehrsmittel.
  • Keine Rücksendungen
    Kleidung oder Schuhe halte ich für sehr bedenklich, weil viele leider die Unart haben, sich mehrere Größen schicken zu lassen, damit sicher die passende Größe dabei ist – der Rest wird zurückgeschickt.
  • Keine Express-Lieferung
    Unbedingt Standard-Versand wählen! Grund: Express-Lieferungen werden oft auch mit halbleeren Lieferwägen durchgeführt, um die schnelle Lieferung gewährleisten zu können.

Versuche, wenn immer möglich, regional in einem Geschäft in deiner Nähe zu kaufen und überdenke jede Online-Bestellung. Und bitte unterlasse Kleidungs- oder Schuhkäufe gänzlich, wenn du davon ausgehen musst, dass du einen Teil oder alles dann wieder zurückschicken wirst, weil das Zeug nicht passt.

Verzicht auf Plastik

Plastik ist ein unglaublich großer Bereich, in dem du deinen Konsum nachhaltiger gestalten kannst. An dieser Stelle auch noch darauf einzugehen, würde die Erträglichkeit in Bezug auf die Länge dieses Artikels wohl endgültig sprengen.

Rechne als damit, dass es irgendwann in meinem Blog einen ausführlichen Artikel dazu geben wird.

Nachhaltiger Konsum – Fazit

Wie du siehst, gibt es ungemein viele Ansatzpunkte, wie du deinen Konsum nachhaltiger gestalten kannst. Dabei sind obige Punkte nur einige wenige Beispiele von vielen. Sobald du mit offenen Augen durchs Leben zu gehen beginnst, wirst du über immer mehr Ansatzpunkte stolpern.

Und nein, niemand muss deshalb gleich zurück auf den Baum, wie es Nachhaltigkeit-Kritiker gerne behaupten. Vieles lässt sich sehr einfach und völlig ohne Verlust von Lebensqualität umsetzen. Zudem kann es auch sehr befriedigend wirken, etwas für die Umwelt und unsere Nachkommen zu tun.

Lass’ dir die Freude nicht nehmen, auch wenn Ignoranten dir auch das vorwerfen werden: “Du tust das ja nur, um dich besser zu fühlen!” Meine Antwort darauf: “Na und? Was ist schlimmes daran, sich gut zu fühlen?”