Zuletzt aktualisiert am 1. September 2020 um 16:40

Ich habe ein neues Spielzeug für meine Kamera: das Makroobjektiv Canon EF 100mm F2.8L IS.

„Wozu sollte ich mir teure High-End Objektive (über 1.000 €) kaufen, wenn ich auch mit Objektiven im mittleren Preissegment sehr gute Ergebnisse erzielen kann?“ Diese Frage habe ich für mich sehr lange wie folgt beantwortet: „Brauche ich nicht! Da ist mir das Geld zu schade, denn so viel besser können die gar nicht sein!“.

Elftes Gebot: „Du sollst dich nicht täuschen!“

Grenzen durch Objektive

Das Spiel mit der Schärfentiefe

Objektive haben je nach Bauart ihre optischen Grenzen. Das Spiel mit der Schärfentiefe (der scharfe Bereich in einem Bild) kannst du zum Beispiel nicht immer so umsetzen, wie du es dir vor deinem geistigen Auge vorstellst. Mit einer zu geringen Offenblende, klappt das oft einfach nicht in dem Umfang, den du dir wünschen würdest.

Ich will näher ran!

Der minimal mögliche Abstand zwischen Motiv und Linse hängt ebenfalls vom Objektiv ab. Nicht alle Objektive lassen dich nah genug ran, um zum Beispiel ein Insekt bildfüllend auf den Sensor zu bannen. Zwar kann man mit entsprechenden Teleobjektiven auch bei einer größeren Entfernung Kleines relativ „groß machen“, aber dem sind Grenzen gesetzt.

Canon EF 100mm F2.8L IS – ein High End Makroobjektiv

Mein erstes Objektiv im oberen Preissegment, welches ich mir zugelegt habe, ist das Canon EF 100mm F2.8L IS Werbung. Knapp 1.000 € waren dafür zu berappen. Es ist ein Objektiv der L-Serie, was bei Canon ein Synonym für hochwertig (und teuer) ist. Zum 1. Mal bin ich bei so einer Canon Promo-Tour (Canon Testdays, oder wie das heißt) auf dieses Makroobjektiv gestoßen. Schon genial, aber viel zu speziell und viel zu teuer! So meine Überzeugung damals.

Warum ich mir das Teil dann nun doch zugelegt habe? Corona bedingt habe ich eine Weile sehr viel Zeit in meinem Garten verbracht. Man glaubt gar nicht, wie vielfältig die Tierwelt in so einem Garten sein kann! Und so ist in mir der Wunsch, diese kleine Welt ganz groß abbilden zu können, immer mehr gestiegen. Urlaubsgeld und einer sparsamen Lebensweise sei Dank, habe ich dann am Ende doch für meine Verhältnisse relativ spontan zugeschlagen.

Aber zurück zum Objektiv. Mit einer Offenblende von F2.8 spielt es ebenfalls ganz weit vorne mit. Und man kommt bis auf 31 cm an das Motiv heran. Da streift dann schon fast die im Paket enthaltene Gegenlichtblende am Motiv. Bei voller Offenblende liegt der Schärfebereich um einen Millimeter (!!!), ein Fotografieren aus freier Hand wird hier zur Glückssache. Das Scharfstellen mit dem Autofokus ebenso.

Ich persönlich verwende bei extremen Nahaufnahmen gerne den manuellen Fokus und die Serienbild-Funktion, wenn ich kein Stativ dabei habe. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass man bei leichtem Wackeln trotzdem eine Aufnahme erhält, die exakt jenen Bereich scharf abbildet, den man auch scharf haben will. Wie z.B. die Augen einer Spinne.

Faszinierende Spinne in der Thujenhecke

Faszinierende Spinne in der Thujenhecke

Wenn du ein Stativ dabei hast, kannst du mit dem manuellen Fokus natürlich viel exakter arbeiten. Vorausgesetzt, das Motiv hält lange genug still. Für bewegte Motive hilft nur eins: sehr viel Geduld und auch eine gewisse Portion Glück.

Das Bokeh (der unscharfe Bereich) finde ich bei diesem Objektiv einfach nur genial! Da können günstige Motive einfach nicht mithalten. Und so nahe ran kommt man eben auch nur mit einem Makroobjektiv – siehe das nachfolgende Beispiel eines Schmetterlings.

Schmtterling Nahaufnahme mit Makroobjektiv

Gelbwürfeliger Dickkopffalter im Portrait

Ja, es war schon wirklich teuer im Vergleich zu den vielen anderen Objektiven, die ich mittlerweile mein Eigen nenne. Aber ich habe ungemein viel Freude damit und bereue den Kauf deshalb keinesfalls. Ist schon ein geiles Teil!