Zuletzt aktualisiert am 7. April 2021 um 21:53

Eine Festbrennweite war für mich relativ lange so etwas wie ein rotes Tuch. Warum sollte ich mir ein Objektiv mit Festbrennweite anschaffen, wenn ich mit Zoom-Objektiven so viel flexibler unterwegs bin?

Ich bin ständig dabei, meine Kenntnisse über die Fotografie zu verbessern. Schließlich muss man immer härter daran arbeiten, sich von der unglaublichen Masse an Bildern abzuheben. Und so habe ich mich dann auch immer öfter mit Festbrennweite-Objektiven auseinandergesetzt.

Mittlerweile besitze ich mehrere davon. Warum das so ist, welche das sind und ob ich auch alle regelmäßig davon einsetze, erfährst du in diesem Artikel. Und solltest du noch keine Festbrennweite haben, so wage ich fast zu behaupten, dass du am Ende des Artikels zumindest damit liebäugelst. Wetten?

Was bedeutet Festbrennweite?

Scherzhaft sage ich immer: „Eine Festbrennweite ist ein Objektiv mit Turnschuh-Zoom!“.

Im Gegensatz zu einem Zoom-Objektiv kannst du bei so einem Objektiv die Brennweite nicht verstellen. Sie ist fix / fest. Also sehr einfach zu merken – der Name liefert dir schon die Erklärung!

Willst du einen anderen Bildausschnitt haben, musst du dich selber bewegen und nicht einfach am Zoom deines Objektives drehen. Daher der Name Turnschuh-Zoom! Achtung: das ist natürlich kein offiziell verwendeter Name für Objektive mit Festbrennweite!

Was sind die Vorteile einer Festbrennweite?

Sie sind lichtstark (alle)

Eine Festbrennweite ist in der Regel sehr lichtstark. Sie hat also eine große Blendenöffnung – was einer kleinen Blendenzahl entspricht.

Mit einer großen Blendenöffnung kannst du je nach Abstand zum Motiv einen sehr kurzen Bereich haben, der scharf ist. Der Rest ist unscharf. Das nennt man „geringe Schärfentiefe“. Das ist besonders gut, wenn du bestimmte Teile des Bildes gegenüber dem Rest hervorheben willst.

Die Kaffeetasse im Fokus des Geschehens
Die Kaffeetasse im Fokus des Geschehens

Weiterer Vorteil eines lichtstarken Objektives: auch bei wenig Licht kannst du ohne Stativ Landschaften (oder was auch immer) fotografieren, ohne das Bild zu sehr zu verwackeln.

Sie sind kompakt und leicht (nicht alle)

Festbrennweiten waren für mich immer auch jene, die sehr leicht sind und sich deshalb auch gut dafür eignen, auf Wanderungen und Reisen eingepackt zu werden. So habe ich mir extra für meine Weitwanderung von Salzburg nach Innsbruck mit einer 40 mm Pancake Festbrennweite noch ein echtes Leichtgewicht zugelegt.

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Dass eine Festbrennweite aber auch schwer sein kann, habe ich dann an der 135 mm Festbrennweite erfahren müssen.

Trotzdem: da Festbrennweiten weniger Mechanik benötigen, sind sie in der Regel leichter und kompakter als Zoom-Objektive. Das Argument zieht also sehr wohl.

Haben sie auch Nachteile?

Festbrennweiten im Telebereich mit einer Offenblende von F/2.0 können sehr teuer werden. Zumindest wenn man ein Original-Objektiv der Kamera-Hersteller verwendet. Was den Preisunterschied sehr häufig ausmacht, ist der fehlende Autofokus bei Fremdherstellern. Ob du diesen wirklich brauchst, musst du selber entscheiden.

Ich muss zugeben: der manuelle Fokus bereitet mir schon auch seine Schwierigkeiten, wenn es schnell gehen soll. Möglicherweise fehlt mir dazu auch einfach noch die Übung, das kann durchaus sein. Wenn man (zu) lange durch den Autofokus verwöhnt wird, dann scheint der manuelle Fokus wirklich recht umständlich zu sein.

Bei der Astrofotografie ist mir das aber total egal, denn im Dunklen könnte man ohnehin nur mit Tricks den Autofokus nutzen. Und Zeit hat man bei der Fotografie von Milchstraße und Co in der Regel auch, denn so rasch huschen die Sterne auch nicht an einem vorbei.

Zum Thema „sie sind so schön leicht“: im Telebereich können wie weiter oben erwähnt auch Festbrennweiten sehr schwer sein. 800 g und mehr sind dann keine Seltenheit.

Welche Festbrennweiten braucht man wirklich?

Welche du dir persönlich anschaffen willst, hängt ganz davon ab, welche Bilder du am häufigsten machst. Also bist du eher der Landschaftsfotograf, fotografierst du gerne Menschen oder hat es dir der Sternenhimmel angetan? Fotografierst du oft in der Dämmerung oder bei eher schlechten Lichtverhältnissen, wie zum Beispiel im Wald?

Überlege dir also, wo dein Schwerpunkt liegt. Du kannst notfalls auch deine bereits bestehenden Bilder durchgehen und prüfen, in welchem Brennweiten-Bereich du diese hauptsächlich aufgenommen hast. In jenem Bereich, in dem die meisten deiner Bilder liegen, könnte auch deine erste Festbrennweite Sinn machen.

Also fange mit einer an, die du dann auch gerne und oft benutzen wirst. Später kannst du dir dann ja je nach Geldbeutel und Lust noch weitere Festbrennweiten zulegen.

Ich finde es auf jeden Fall besser, sich nur langsam neue Objektive zuzulegen. Frühestens dann, wenn du deine neueste Errungenschaft gut beherrschst und die Stärken, Schwächen und idealen Einsatzgebiete kennst, solltest du erneut zuschlagen.

Welche Festbrennweiten eignen sich für Anfänger?

Das lässt sich kurz und knapp beantworten: deine erste Festbrennweite sollte einen Autofokus haben und sie sollte wirklich leicht sein.

In der Regel also entweder so etwas wie ein 24 mm Objektiv für Landschaftsfotografie oder ein 50 mm, wenn du gerne Details aufnimmst oder dich mit Portraitfotografie beschäftigst. Mit so einem Leichtgewicht hast du von Beginn an sehr viel Freude und die Ergebnisse werden in dir das Gefühl wecken, dass so eine Festbrennweite schon wirklich Spaß macht!

Für Landschaften unter Tag wirst du an einer Festbrennweite am ehesten schätzen, dass sie ungemein leicht ist. So wiegt mein 24 mm Canon gerade einmal 125 g. Verglichen mit meinem 18-135 mm Reisezoom ein echtes Leichtgewicht! Die Offenblende von F/2.8 wirst du bei eher mauen Lichtverhältnissen wie bei Schlechtwetter oder im Wald ebenfalls sehr schnell zu schätzen wissen.

Welches Objektiv für welchen Zweck?

Landschaftsfotografie und Städte

In der Landschaftsfotografie hat eine Festbrennweite den Vorteil, dass man durch die bei F/2.0 oder F/2.8 sehr viele geringere Belichtungszeit auch problemlos aus der Hand fotografieren kann, ohne zu verwackeln. Auch dann, wenn die Sonne nicht gerade die gesamte Landschaft hell erleuchtet und man ein 135-er Tele montiert hat, weil man einen Berggipfel aus weiterer Entfernung einfangen will.

Sehr oft will man aber möglichst viel der Landschaft auf dem Bild haben und da finde ich mit meiner 25 mm Festbrennweite oft nicht das Auslangen und es fehlt mir dann einfach der Weitwinkel. Gerade bei APS-C Kameras ist ein gewisses Manko, dass zum Beispiel eine 25 mm Brennweite ja einer 40 mm (25 * 1,6) Brennweite im Vollformat entspricht.

In der Landschaftsfotografie will man normalerweise einen möglichst großen Bereich scharf haben und deshalb wirst du in der Regel eher mehr abblenden wollen (F/8 bis F/13). Die Offenblende ist also hier kein Argument für eine Festbrennweite, sehr wohl aber das geringe Gewicht.

In Städten ist eher noch mehr Weitwinkel gefragt, weshalb ich dort immer auch gerne mein 10-18 mm Weitwinkel-Zoom-Objektiv dabei habe.

Portraitfotografie

Je größer die Blendenöffnung, desto geringer wird die Schärfentiefe. Bei Portraits ist so etwas sehr förderlich, weil so der Hintergrund verschwommen und unscharf wird. Und je undeutlicher der Hintergrund, desto weniger lenkt vom Hauptmotiv – dem Gesicht – ab. Man nennt das auch „freistellen“.

Welche Brennweite für ein Portrait ideal ist, darüber scheiden sich ein wenig die Geister. Auf jeden Fall sollten sie nicht zu viel Weitwinkel haben, außer, man strebt einen hohen Comic-Faktor an ;-).

Mit meiner APS-C Kamera bevorzuge ich das 50 mm Objektiv, was 80 mm im Vollformat entspricht. Aus diesem Grund empfehlen Besitzer von Vollformat-Kameras gerne eine 85 mm Festbrennweite. Das schmeichelt der oder dem Portraitierten ein wenig, indem es das Gesicht durch einen leichten Tele-Effekt ein wenig schlanker erscheinen lässt.

Makrofotografie

Die Makrofotografie ist ein ganz besonderer Bereich der Fotografie, in dem es ganz spezielle Objektive mit Festbrennweite gibt. So besitze ich zum Beispiel ein Canon Macro Objektiv. Diese Objektive lassen dich besonders nahe an das Motiv heran. Die Ergebnisse damit sind wirklich der Knaller! Details dazu findest du im Artikel Canon EF 100 mm Macro F/2.8L IS – Erfahrungsbericht.

Was auch gut klappt: du kannst zum Beispiel eine 135 mm Festbrennweite mit Zwischenringen verwenden. Mit Hilfe der Zwischenringe, die recht günstig in der Anschaffung sind, kannst du dann auch sehr viel näher an zum Beispiel eine Spinne, anderes Krabbelgetier oder Insekten heran. An die Qualität eines echten (und in der Regel wirklich teuren) Makroobjektives kommt du dabei aber nicht heran.

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Astrofotografie – Milchstraße und Deep-Sky

Grundvoraussetzung für die Astrofotografie ist, dass man ein Objektiv mit möglichst großer Offenblende verwendet. Denn nur so kommt in einer relativ kurzen Zeit genügend Licht auf den Sensor.

Eine kurze Belichtungszeit ist im Rahmen der Astrofotografie deshalb so wichtig, weil sich unsere Erde bekanntlich dreht. Und das führt am Ende zu Lichtspuren, wenn man zu lange belichtet. Damit habe ich mich im Rahmen meiner Milchstraßen-Serie schon einmal näher beschäftigt: Milchstraße fotografieren – Lokalisierung und Belichtung.

Wenn man an die Milchstraße denkt, ist in der Regel ein Weitwinkel-Objektiv interessant. Man will idealerweise mit einem Einzelbild möglichst viel des Nachthimmels bzw. der Milchstraße auf das Bild bekommen. Damals habe ich mir das Samyang 16 mm F/2.0 zugelegt.

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Völlig anders verhält es sich, wenn man an andere Himmelsobjekte denkt. Sogenannte Deep-Sky Objekte wie zum Beispiel den Orionnebel oder die Plejaden. Wer eine Kamera mit APS-C Sensor sein eigen nennt, hat in Bezug auf Deep-Sky Objekte einen klaren Vorteil gegenüber dem Vollformat. Durch den Crop-Faktor wird aus einer 135 mm Festbrennweite ein 216 mm Tele (135 * Cropfaktor 1,6).

Und auch wenn es hier nicht so ganz passt: mittlerweile habe ich mir auch noch ein ziemlich teures Zoom-Objektiv von Canon zugelegt. Ein 70 – 200 mm mit durchgehend F/2.8. Sauteuer – aber es wirkt. Spitze für Landschafts-Details aus der Hand und auch für Deep-Skye geeignet!

Meine Festbrennweiten im Überblick

So skeptisch ich zu Beginn auch war – mittlerweile besitze ich eine ganze Armada von Objektiven mit Festbrennweite. Im Bild 4 meiner Festbrennweiten und ganz rechts zum Vergleich mein 18 – 135 mm Reisezoom.

Objektive im Vergleich - Festbrennweite
Objektive im Vergleich – die 135 mm Festbrennweite (2. v. r.) ist groß und schwer

Punkten meine 24 mm, 40 mm und 50 mm Festbrennweiten vor allem auch durch ihre Größe und Gewicht, so punktet das 135 mm Festbrennweite nur durch seine Offenblende. Auf das 135-er würde ich nun wohl verzichten, nachdem ich das – zugegebenermaßen noch schwerere – 70 – 200 mm Zoom Objektiv mein eigen nenne. Alle anderen würde ich sofort wieder kaufen.

HerstellerBrennweiteBlendeGewichtAnwendungszweck
Samyang16 mmF/2.0580 gAstrofotografie, Milchstraße
Canon24 mmF/2.8125 gLandschaft, z.B. im Wald bei wenig Licht
Canon40 mmF/2.8130 gLeichtgewicht für Landschaft und Portraits
Canon50 mmF/1.8160 gPortraits? Klar! Lichtstark, super Schärfeverlauf!
Samyang135 mmF/2.0800 gDeep-Sky und Landschafts-Details
Meine Festbrennweiten im Vergleich

Fotografierst du bereits mit Festbrennweiten oder überlegst du dir, eine zuzulegen? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Schreib es mir sehr gerne als Kommentar!