Zuletzt aktualisiert am 26. September 2019 um 8:25

Meine Frau und ich wandern für unser Leben gern, sind aber bisher noch nie auf die Idee gekommen, ein Wanderhotel zu buchen. Warum auch? Unsere Touren haben wir immer selbst geplant. Sei es durch den Kauf von gedruckten Wanderführern oder durch das Internet und wir waren bisher mit unserer Planung recht zufrieden.

Deshalb waren wir schon sehr gespannt, was uns während einer Woche im Wanderhotel erwarten wird. Werden wir in Zukunft unsere Wanderurlaube lieber in einem Wanderhotel verbringen wollen oder doch weiterhin lieber selber planen?

Spoiler: wir haben in dieser Woche ungemein viel gelernt und auch erlebt. Einige dieser Erlebnisse und Erfahrungen findest du in diesem 2-teiligen Artikel!

Anmerkung / Transparenz: meine Frau und ich wurden vom Wanderhotel Hotel Gratz in Großarl zu einer Woche Almsommer-Wanderpauschale eingeladen. Für die Anreise und weitere Kosten sind wir selbst aufgekommen. An der Qualität und den Aussagen innerhalb dieses Artikels ändert sich dadurch selbstverständlich nichts. Es gab keinerlei Vorgaben des Hotels zum Inhalt und es ist kein Geld für den Artikel selbst geflossen.

Vorbereitung, Anreise nach Großarl und Empfang

Als Salzburger, die in der Nähe vom Fuschlsee wohnen, haben wir bis ins Großarltal nicht weit. Trotzdem ist uns das Tal der Almen, wie sich das Großarltal auch nennt, bisher nur vom Namen her bekannt. Das soll sich aber in dieser Woche in Großarl ändern.

Meine Frau stöbert wie gewohnt im Internet nach interessanten Touren in der Gegend um Großarl. Ich tue rein gar nichts dergleichen. Wieso sollte ich? Schließlich fahren wir in ein Wanderhotel mit geführten Touren, da kümmere ich mich diesmal ganz bewusst um rein gar nichts.

Samstag am frühen Nachmittag geht’s dann los und wir schlagen gegen 16 Uhr im Hotel Gratz auf. Sepp – den Namen des Chefs kannte ich schon vorher durch die Einladung – begrüßt mich mit einem Handschlag und spricht mich gleich mit dem Vornamen an. Einladungsbonus oder Sonderbehandlung? Ganz und gar nicht, wie ich sehr schnell von anderen Gästen auch erfahren werde.

Nach einer kurzen Runde im sehr schön gestalteten Wellness-Bereich (Bilder dazu zeige ich dir im 2. Teil des Artikels) holen wir uns den ersten Tipp ab. Was können wir heute noch tun, wenn wir etwas ganz Kleines zum aufwärmen machen wollen? „Zum Ötzlsee“ meint Sepp. Christine, die sich bei solchen Dingen oft als etwas ungeduldiger oder offensiver als ich erweist, will auch gleich wissen, was wir morgen am Sonntag tun können. Sepp bremst Christine ein: „Geht’s heit amoi an Ötzlsee und zum Essn sog i eich, wos morgen toa kinnts! Do find ma scho wos Gscheits!“.

Ötzlsee zum Aufwärmen

Die Tour zum Ötzlsee startet direkt am Parkplatz des Talmuseums Hüttschlag. Etwa 15 Kilometer und nicht ganz 20 Minuten mit dem Auto sind von Großarl aus zum Ausgangspunkt zurückzulegen.

Gleich zu Beginn des Weges befindet sich der Stockhamwasserfall, ein 5 Minuten Abstecher, den wir gerne mitnehmen. Das Tal präsentiert sich im Abendlicht von seiner besten Seite, der See selbst befindet sich aber bereits im Schatten. Ein wenig größer haben wir uns den See schon vorgestellt, trotzdem war diese erste lockere Tour (oder besser Spaziergang) ein guter Start in die Wanderwoche.

Am Ötzlsee -Talschluss Hüttschlag

Erstes Abendessen und Tourvorschlag für Sonntag

„Servus Horst, i bin de Moni! Servus Christine!“. So begrüßt uns Moni, die Kellnerin, als sie zum ersten Mal beim Abendessen zu uns an den Tisch kommt. Und streckt uns mit einem breiten Lächeln ihre Hand entgegen. Moni ist der absolute Hammer, wie sich schon direkt beim Erstkontakt feststellen lässt. Sie kennt scheinbar jeden der Gäste schon am Anreisetag nach dem Vornamen – zumindest auch unsere Linzer Tischnachbarn hat sie sofort mit deren Vornamen angesprochen und per Handschlag begrüßt.

Zum Abendessen gibt es auch den versprochenen Tipp von Sepp. Mit einer Karte bewaffnet kommt er zu uns an den Tisch und zeigt uns nach ein paar Scherzen mit unseren Linzer Tischnachbarn, was wir morgen tun können: Schuhflicker und wenn wir etwas mehr machen wollen, sollten wir die Paarseen noch mitnehmen. Sepp bemüht sich um weitere Vorschläge, während Christine den Schuhflicker schon als gesetzt sieht. Auf den wollte sie nämlich schon immer einmal gehen.

Sonntagsprogramm – vor dem Start der Wanderwoche

Schuhflicker samt Schuhflickersee – noch ohne Guide

Sonntag ist wie Samstag offiziell noch Anreisetag zur Wanderwoche und so sind wir auch heute ohne Guide unterwegs. Der Schuhflicker stellt unser erstes Tagesziel dar, welches wir von der Aualm aus (bis dahin führt eine etwas abenteuerliche Schotterstraße) schon in etwa einer Stunde erreicht haben. Am Gipfel raten uns gleich mehrere Leute vom Weitermarsch zu den Paarseen ab, denn das Wetter soll heute schon recht früh schlechter werden.

Direkt unterhalb des Gipfels liegt der Schuhflickersee, herrlich eingebettet in einem Bergkessel, zu dem wir nach einer kurzen Rast absteigen.

Schuhflicker mit Schuhflickerse

Abstecher zu den Paarseen

Wir lassen uns den Spaß nicht nehmen und nehmen auch den „kleinen Abstecher“ (ca. 3-4 Stunden vom Schuhflicker) zu den Paarseen noch mit. Notfalls kehren wir auf halber Strecke um. Regenkleidung haben wir vorsorglich dabei.

Der kleine Paarsee

Am kleinen Paarsee fallen uns zwei Kids auf, die gelangweilt am Ufer sitzen.

Wir machen am See eine etwas längere Rast, unter anderem auch zum Fotografieren. Als Fotografie-Fanatiker genieße ich längere Pausen an einer Stelle, um die Umgebung in mich aufzusaugen. Es dauert bei mir immer etwas, bis ich die ganz besonderen Details erkenne um sie entsprechend fotografisch ins richtige Licht rücken zu können. Zudem ist der manuelle Zoom (auch Turnschuh – oder in unserem Fall wohl richtiger Wanderschuh-Zoom genannt) sehr wichtig. Also das Erkunden der Umgebung von verschiedenen Positionen und Winkeln aus.

Nach etwa 10 Minuten hören wir jemanden rufen und vom Hügel oberhalb des Sees wie wild winken. Die zwei Kids ändern ihre gelangweilte Haltung kein bisschen. Christine winkt aus Mitleid den „Winkern“ zurück.

Ich frage die Kids, ob die beiden Winker da oben zu ihnen gehören würden und das ihre Eltern sind. „Jo. Oba de san so longsom!“. Die Mutter der Kids bedankt sich dann bei Christine fürs Zurückwinken, denn sonst würde es ja niemand tun. Wir machen uns auf den Weg und sehen bei einem Blick zurück, wie die Kids im See schwimmen gehen, während ihre Begleiter am Ufer stehen bleiben. Diese Weicheier!

Rückweg über das Hochegg

Der Rückweg zieht sich dann etwas, vor allem der Anstieg hinauf zum Hochegg hat es in sich. Auf dem Hinweg bergab war es auf jeden Fall nicht so steil, da bin ich mir ganz sicher! Wir bekommen fast etwas Angst, dass uns die zwei Kids überholen könnten, denn schnell sind wir jetzt wirklich nicht mehr unterwegs.

Der Rückweg von den Paarseen zieht sich etwas

Das Wetter hat übrigens gehalten, nur ein paar kleine Tropfen haben die immer müder werdenden Wanderer getroffen.

An der Aualm angekommen kommt dann sogar noch die Sonne heraus und wir teilen uns den letzten Heidelbeerkuchen, den die Hütte heute noch zu bieten hat. Und gebackene Mäuse kommen noch oben drauf. Man gönnt sich ja sonst nichts!

Auch hier findet man wie bei fast allen Almhütten einen großen und abwechslungsreichen Spielbereich. Sepp erzählt uns dann später bei einer unserer geführten Touren, dass das eine geschickte Taktik ist, um Familien länger an der Hütte halten zu können. Denn während die Kinder spielen und so nicht quengeln, konsumieren die Eltern an der Hütte auch mehr.

Abendessen und Vorstellung der ersten Touren

Nach dem Abendessen um 20:30 werden uns die Touren für Montag, den ersten offiziellen Tag der Wanderwoche, vorgestellt. Mit einem Beamer und Karte der leichten, mittleren und anspruchsvollen Tour.

Die Touren am ersten Tag sind dabei so angelegt, dass sie alle den gleichen Startpunkt haben, um einen einfacheren Wechsel zu ermöglichen, falls sich jemand nach den ersten Metern doch besser in einer anderen Gruppe aufgehoben fühlen sollte. Und es erleichtert auch die Einschätzung für die Guides. Maria und Sepp, die Chefs des Hauses und Leo, der manchmal aushilft.

Wir wählen natürlich (*räusper*) die anspruchsvolle Tour auf das Heukareck. Unser Guide wird Leo sein. 81 Jahre alt! Nach den ersten Erzählungen sind wir sehr gespannt auf den Wanderer aus Leidenschaft, der ohne Berge nicht mehr auskommt. Ja, da wollen wir auch gerne hin, wenn wir einmal in diesem Alter sind!

Der erste Wandertag mit Guide

Die drei Wandergruppen (Genuss-, Bergfex- und Gipfelwanderung)

Alle 3 Gruppen starten beim Parkplatz Holzlehen. Sinnvollerweise haben wir beim Start am Hotel Fahrgemeinschaften gebildet, um mit möglichst wenigen Fahrzeugen zum Ausgangspunkt zu fahren. Als Nachhaltigkeits-Fanatiker finde ich das super.

Während wir mit Leo auf das Heukareck gehen (1.150 Höhenmeter), erklimmt Maria mit der mittleren Gruppe den Schober (immerhin auch 950 Höhenmeter) und Sepp geht mit der „Krabbelgruppe“, wie er die Genusswanderer-Gruppe scherzvoll nennt, eine Almenrunde über die NiggeltalalmViehhausalm.

Auf das Heukareck mit Leo

Wir sind neben 3 anderen Wanderern in unserer Gruppe wie erwähnt mit dem 81 Jahre alten Leo unterwegs. Der Mann ist eine Wucht! Leo startet gefühlt recht gemütlich los und ändert seine Geschwindigkeit in weiterer Folge aber so gut wie gar nicht, nachdem er sich in den ersten Minuten durch Blicke zurück und kurzes Nachfragen versichert hat, ob das Tempo alle mitgehen können. Egal wie steil oder flach der Weg ist, Leo behält sein Tempo. Nach Leo könnte man eine Uhr stellen, so regelmäßig ist sein Schritt.

Das ist zum Gehen sehr angenehm, das Fotografieren wird dadurch für mich aber etwas stressig. Denn schon ein kurzer Fotohalt heißt für mich, die Gruppe dann wieder einholen zu müssen. Für den perfekten Bildausschnitt lange in der Gegend herumzulaufen, geht so natürlich nicht. Hier heißt es etwas vorausschauend zu Handeln und die Umgebung versuchen, im Vorhinein abzuschätzen. Wo sind schöne Kuppen oder Gelände-Übergänge, bei denen ich meine Kamera schon während des Gehens „schussbereit“ machen sollte? Wenn man eine Tour zum ersten Mal geht, gar nicht so einfach.

Auf dem Weg zum Heukareck mit Leo (81 Jahre!)

Ich sehe das aber als gute Übung, um spontaner eine ansprechende Aufnahme machen zu können. Ein Objektiv-Wechsel ist natürlich nicht drinnen. Das geht nur während der 2 kurzen Pausen während des Aufstieges und am Gipfel, auf dem wir nach zweieinhalb Stunden Wanderzeit eine etwas längere Rast einlegen.

Leo meint zwar, dass ich nur etwas sagen müsste, dann würde er gerne warten, aber ich schätze, er kennt meine Ausdauer beim Stehenbleiben nicht ;-). Mir wäre es auf jeden Fall peinlich, wenn die gesamte Gruppe in relativ kurzen Abständen immer wieder einmal ein paar Minuten auf mich warten müsste.

Heukareck am Gipfel

Am Gipfel erfahren wir einiges über die umliegenden Berge und die vom Gipfel einsehbaren Täler und Orte. Auch die möglichen Tour-Varianten, wie man unsere Tour noch erweitern könnte, zeigt uns Leo. Man hat das Gefühl, dass er am liebsten noch einen kleinen Schlenkerer über den Schuhflicker eingebaut hätte. „Derf i oba ned!“ meint er.

Rückweg über den Jägersteig

Auf dem Rückweg gehen wir dann über den Jägersteig, der offiziell nicht ausgeschildert ist und dessen Einstieg auch nur Insider kennen. Die Wanderguides sehen den Jägersteig als perfekten Weg, um die Trittsicherheit der Wanderer abschätzen zu können. Der Weg ist einfach nur herrlich und führt in teilweise völliger Stille durch den Wald und nahe an einer Felswand vorbei. So einen Weg würde man ohne Guide niemals finden. Ein klares Plus für eine geführte Tour!

Leo schießt auch immer wieder Bilder. Wir sind verwundert, wie viele Bilder er am Ende gemacht hat. Aufgefallen ist uns das nämlich immer nur dann, wenn uns Leo als Gruppe aufstellen lässt und meint: „Des muaß i tuan, des wü da Chef so!“.

Leo unser 81-jähriger Wanderguide: „Des muass i tuan!“

Die Bilder (aller Touren) sind schon am Ende des Tages auf der Webseite des Hotels zu finden. Hier geht es zu den Bildern unserer Tour mit Leo: Gipfelwanderung Heukareck – Viehhausalm.

Aus dem Leben von Leo

Während der Tour erzählt uns Leo auch einiges aus seinem Leben. So war er bis zu seinem 51. Lebensjahr LKW-Fahrer, bis sein Körper nicht mehr mitgespielt hat. Das viele Sitzen hätte ihn umgebracht, sein Rücken und seine Organe waren angeschlagen. So hat er beschlossen, Forstarbeiter zu werden. Die Bewegung hat ihn wieder aufgebaut. Seit er 61 und in Pension ist, wandert er wann immer es geht. Mittlerweile seit 20 Jahren. Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich mit 81 Jahren auch gerne noch so fit wäre? Leo ist für mich auf jeden Fall ab sofort ein großes Vorbild!

Was erwartet dich im 2. Teil?

Weitere geführte Touren

Natürlich war die Tour mit Leo nicht unsere einzige, geführte Wanderung. Schließlich sind wir nach Großarl gefahren, um möglichst viele Erfahrungen mit geführten Touren zu sammeln. So sind wir dann noch mit Sepp auf das Kreuzeck und den Sonntagskogel gegangen, mit Leo eine herrliche Sonnenaufgangswanderung.

Eine weitere Tour ohne Guide

Um uns die Unterschiede zwischen einer geführten Tour gemeinsam mit anderen Wanderern und einer „Solo-Tour“ nur mit meiner Frau noch einmal selbst richtig klar zu machen, haben wir am letzten Tag unseres Aufenthaltes im Hotel Gratz noch eine Almwanderung unternommen. Allerdings schon nach einem Tipp von Sepp und nicht selbst geplant.

Ein Herz für Modellflieger

Einen wirklich ganz besonderen Service bietet das Hotel für Modellflieger. Dazu mehr im zweiten Teil!

Wellnessbereich und Maria’s Keramikshop

Auch wenn wir selbst keine wirklichen Wellnesser sind, so hat uns der wunderschön gestaltete Wellnessbereich sehr gut gefallen und so habe ich ein paar Fotos geschossen. Natürlich außerhalb der Betriebszeiten :-) .

Dass Maria eine wahre Künstlerin ist, sollte am Ende auch noch erwähnt werden.

Selbstverständlich werde ich dir auch im 2. Teil wieder mit einigen Landschaftsbildern, unter anderem dem atemberaubenden Blick auf den Tappenkarsee, den Mund wässrig machen.

Meine Frau und ich wandern für unser Leben gern, sind aber bisher noch nie auf die Idee gekommen, ein Wanderhotel zu buchen. Warum auch?

Meine Frau und ich wandern für unser Leben gern, sind aber bisher noch nie auf die Idee gekommen, ein Wanderhotel zu buchen. Warum auch?