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Nachhaltigkeit auf Reisen – ein Thema, welches immer öfter diskutiert wird, vor allem im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Darf man einfach wegschauen und sich darauf berufen, dass man ja nur dieses eine Leben hat und dieses verdammt noch einmal auch genießen will? Ist man als Reiseblogger per Definition böse? Schließlich reist man selbst sehr viel und animiert am Ende auch noch andere.

Wie so oft im Leben gilt es auch beim Thema Reisen einen Kompromiss einzugehen. Einen Kompromiss zwischen Genuss und Rücksicht auf Folgegenerationen und eine möglichst intakte Umwelt.

Ziele in der Nähe bevorzugen

Anstatt vorwiegend auf Interkontinental-Reisen zu setzen, solltest du Ziele in deiner Nähe bevorzugen.

Klar sind Reisen in ferne Länder oft auch aufgrund der unterschiedlichen Kulturen interessant. Dem ist nichts entgegenzusetzen. Du kannst von anderen Kulturen sehr viel lernen und es erhöht auch deine Toleranz gegenüber Fremden – was vielen Zeitgenossen heutzutage leider immer mehr zu fehlen scheint.

Aber selbst innerhalb des eigenen Landes kannst du auf sehr verschiedene Charaktere stoßen. Das gilt für Deutschland wie auch Österreich. Für mich als Österreicher gilt: der Wiener, der Kärntner, der Tiroler oder Vorarlberger unterscheiden sich stark voneinander – manchen Dialekt versteht man dabei selbst als gestandener Österreicher nicht 😉 .

Wien

Wien ist auch schön – es muss nicht unbedingt New York sein

Bevor du nach New York fliegst, überlege dir, ob nicht eine Bahnfahrt in eine der europäischen Hauptstädte wie Berlin, Wien, Prag oder Brüssel nicht ebenso interessant sein könnte. Unternehme Fernreisen in jedem Fall immer sehr bewusst, nutze wenn geht den Zug und beschäftige dich auch wirklich mit der fremden Kultur und den Besonderheiten des Landes.

Für einen Touristen-Bespaßungs-Club musst du nicht um die halbe Welt fliegen, und wenn es noch so billig ist (schon gesehen: Mallorca um 20€). Wenn du ohnehin nur Alkohol und Frauen / Männer im Sinn hast, dann wähle einen möglichst nahe gelegenen Club. Der Weg vom Flughafen zum Hotel zählt übrigens noch nicht zum Kennenlernen des Landes! 😉

Vermeide Kreuzfahrten

Solltest du tatsächlich eine Kreuzfahrt machen wollen, dann achte auf den Antrieb des Schiffes. Die meisten Schiffe fahren auf hoher See nach wie vor mit Schweröl und verpesten die Umwelt so extrem, wie kein anderes Verkehrsmittel.

Manche Reedereien beginnen langsam umzudenken und stellen die Flotte wenigstens auf Erdgas um. Trotzdem bleibt am Ende, dass der Footprint einer Kreuzfahrt immens hoch ist.

Fährschiffe - auf hoher See fährt man mit Schweröl

Fährschiffe – auf hoher See fährt man in der Regel mit Schweröl

Den lokalen Tourismus unterstützt du mit einer Kreuzfahrt ebenfalls kaum. In der Regel wird an Board gegessen und geschlafen, auch die Ausflüge werden sehr häufig von global agierenden Unternehmen organisiert. Ganz davon abgesehen, dass die Schiffsbesatzung in der Regel ausgenutzt wird. So werden Schiffe zum Beispiel nicht in Deutschland angemeldet, sondern in Billig-Lohnländern, um so an billigere Arbeitskräfte zu kommen. Es gilt dann nämlich nicht der (teure) Kollektivvertrag von Deutschland.

Unterkunft

Bei der Wahl deiner Unterkunft solltest du bedenken, dass du mit einer Übernachtung in einer Hütte einen um Längen geringeren CO2 Fußabdruck hinterlässt, als dies in einem 5-Stern Hotel der Fall wäre. Sauna, Swimming-Pool & Co – all das will beheizt werden, all das belastet die Umwelt. Egal, ob du persönlich das nutzt oder nicht.

Auch in der Unterkunft selbst kannst du die Umwelt schonen, indem du nicht minutenlang das Wasser laufen lässt, nur weil es „eh schon bezahlt“ ist. Du brauchst auch nicht jeden Tag ein frisches Handtuch. Hänge es also auf und wirf es nicht gedankenlos auf den Boden.

Ausflüge vor Ort

Wenn möglich, nutze für Ausflüge vor Ort öffentliche Verkehrsmittel. Das schont die Umwelt und ist zumeist auch viel stressfreier, als wenn du den Mietwagen nimmst. Zudem kommst du so näher in Kontakt mit den Einheimischen.

Verzichte auf (manche) Souvenirs

Du kannst gerne etwas aus einem fremden Land mitbringen, aber dann kauf bitte bei lokalen Künstlern oder Handwerkern und keinen China-Ramsch aus Plastik. Das Zeug ist zumeist nichts wert, aus Plastik und reist um die halbe Welt. Schön schräg, wenn Chinesen in Hallstatt dann Souvenirs kaufen, die in China hergestellt wurden!

Meine Blogger-Kollegin Michaela hat dazu einen eignen Artikel geschrieben: Souvenirs und die Frage der Nachhaltigkeit.

CO2 Kompensation

Wenn du Urlaub machst, verbrauchst du mehr CO2 als wenn du Zuhause bleiben würdest. Hier kommt die CO2 Kompensation ins Spiel. Da ich mich diesem Thema schon einmal näher gewidmet habe, an dieser Stelle nur so viel: abhängig vom Verbrauch zum Beispiel durch einen Flug oder eine Schiffsreise bezahlst du eine gewisse Summe an Organisationen, die das Geld bewiesenermaßen für umweltschützende Maßnahmen einsetzen.

Details zu diesem aus meiner Sicht sehr guten Ansatz findest du in meinem Artikel Freiwillige CO2 Kompensation – was ist das?

Buchtipp zum Schluss

Ein sehr gutes Buch zum Thema Reisen und Nachhaltigkeit ist FAIRreisen – das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen (Rezension).

„Nachhaltigkeit und Umweltschutz gehen uns alle etwas an.“ sagt auch Paul von Adventureluap und ruft damit zu einer Blogparade zum Thema Nachhaltiges Reisen auf. Solltest du also an weiteren Artikeln zu diesem Thema interessiert sein – hier geht’s lang.

Darf man einfach wegschauen und sich darauf berufen, dass man ja nur dieses eine Leben hat und dieses verdammt noch einmal auch genießen will?