Zuletzt aktualisiert am 20. Dezember 2019 um 11:24

Fotografieren im Winter stellt dich als Fotograf vor ganz besondere Herausforderungen. Du stapfst durch eine herrlich verschneite Landschaft und freust dich gleichzeitig schon auf das Sichten der geschossenen Bilder. Nur um dann enttäuscht am PC festzustellen, dass das Ergebnis weit weg von deiner emotionalen Wahrnehmung entfernt ist. Flaue Bilder, ausgefressene Bereiche oder gar ein komplett milchiges Bild. Mist!

Diese Frusterlebnisse kannst du verhindern, indem du den ein oder anderen Fehler vermeidest. Welche das sind und wie du damit umgehen kannst, erfährst du in diesem Artikel, der dir 5 Tipps für bessere Winterbilder in die Hand gibt.

1. Nicht auf Kameraautomatik verlassen

Durch die besonderen Lichtverhältnisse bzw. den hohen Weißanteil im Bild funktioniert die Kameraautomatik im Winter nicht wirklich gut. Sie führt in der Regel zu flauen und eher zu dunklen Bildern. Der eigentlich weiße Schnee wird so zu einem Grauton oder das Bild neigt bei blauem Himmel zusätzlich zu einem eher unschönen Blaustich.

1.1. Die korrekte Belichtung

Die Kamera-Automatik versucht eine ausgewogene Belichtung aller Bildbereiche zu erzielen. Dadurch übernehmen weder zu helle noch zu dunkle Bereiche im Bild die Oberhand. Was aber, wenn sich überdurchschnittlich viele helle Elemente, wie es im Winter der Fall ist, im Bild befinden?

Dieser Überfluss an Licht bringt die Kamera-Automatik dazu, das Bild unterzubelichten. Denn durchschnittlich ist ein Bild nicht weiß, sondern eher grau – und genau das strebt die Kamera-Automatik auch an.

So unlogisch es auch klingen mag, bei vielen hellen Bereichen im Bild musst du ganz gezielt überbelichten. Drehe also die Belichtungskorrektur nach oben. Nur so wird der Schnee am Ende auch wirklich weiß im Bild dargestellt.

Filbling - genialer Bergrücken

Filbling – genialer Bergrücken

Aber Achtung: wenn du es übertreibst, führt das zu einem „ausgefressenen“ Bild – es verliert an Zeichnung. Eine große Hilfe bietet dir dabei das Histogramm sowie auch das Vorschaubild. Im Vorschaubild blinken ausgefressene Bereiche, in denen keine Farbinformationen mehr festgestellt werden kann. Im Histogramm kannst du eine Überbelichtung daran erkennen, dass die Balken ganz rechts relativ hoch sind.

Histogramm überbelichtet

Histogramm überbelichtet

Auch eine Belichtungsreihe kann Sinn machen, um Zuhause ein korrekt belichtetes Bild zur Hand zu haben. Du kannst diese Funktion bei den meisten Kameras aktivieren und auch entsprechend einstellen. Die Kamera schießt dann 3 (oder mehr) Bilder automatisch mit unterschiedlich eingestellten Blendenwerten.

1.2. Der richtige Weißabgleich

Auch der korrekte Weißabgleich ist für die Kameraautomatik im Winter schwierig. Der blaue Himmel wird im Schnee reflektiert, was zu einem Blaustich im Bild führen kann.

Das kannst du verhindern, indem du einen manuellen Weißabgleich durchführst. Dabei visierst du einen Referenzpunkt an, der als Weiß dargestellt werden soll. Ich persönlich habe zugegebenermaßen in der Praxis meine Probleme damit, da das Beurteilen des korrekten Weißabgleiches am Display insbesondere bei heller Umgebung sehr schwierig ist.

2. RAW Format nutzen

Wenn du vor Ort nicht mühsam einen manuellen Weißabgleich durchführen willst, so kannst du das durch das Fotografieren im RAW Format vermeiden. Grund: du kannst den Weißabgleich dann am PC im Nachhinein beim Bearbeiten des RAW-Bildes festlegen. Das bietet dir im Nachhinein noch die volle Flexibilität beim Festlegen der Lichtstimmung, ohne einen Qualitätsverlust des Bildes hinnehmen zu müssen.

Auch die Belichtung kannst du beim Ausarbeiten im RAW Format in einem gewissen Bereich noch recht gut korrigieren. Das Bild im RAW Format enthält nämlich noch viel mehr Bildinformation, als dies beim bereits mit Verlusten komprimierten Bild im JPG Format der Fall ist. Solltest du noch nie bei einem zu dunklen Bild die Belichtung korrigiert haben, so wirst du ziemlich erstaunt sein, was man so aus einem Bild noch alles herausholen kann.

Tipp: bei der Aufnahme lieber unterbelichten, als überbelichten! Überbelichtete Bereiche im Bild lassen sich nicht mehr retten, unterbelichtete Bereiche lassen sich aber in der Nachbearbeitung in der Regel sehr gut wiederherstellen. Gut für dich: in der Regel neigen Kameras bei einem hohen Weiß-Anteil im Bild im Automatik-Mode zur Unterbelichtung!

Neben einem nachträglichen Weißabgleich und dem Anpassen der Belichtung, kannst du auch sämtliche andere Einstellungen wie zum Beispiel die Sättigung auch nur bestimmter Farben verlustfrei anpassen. Ich habe viel zu lange dem RAW-Format den Rücken zugekehrt. Tue es nicht! Man lernt das mit der Ausarbeitung eines Bildes recht schnell und es macht auch Spaß, das beste aus einer Aufnahme herauskitzeln zu können.

3. Motive / Bildgestaltung

Grundsätzlich gelten im Winter die gleichen Regeln für die Motivgestaltung, wie zu allen anderen Jahreszeiten auch (Goldener Schnitt oder Drittelregelung, Linien oder Diagonale suchen etc.).

Im Winter befindet sich naturgemäß aber sehr viel Weiß auf deinem Bild und so solltest du ganz besonders darauf achten, dass am Ende kein Weiß-Auf-Weiß Bild dein eher langweiliges Ergebnis ist. Achte also in der kalten Jahreszeit ganz besonders auf Lichtkontraste und Farbpunkte im Motiv. Nutze den frühen Morgen oder Abend, um interessante Schatten oder auch Lichtstimmungen ins Bild zu bekommen.

Und natürlich solltest du dich auch auf für den Winter typische Bildelemente konzentrieren. Wie zum Beispiel Spuren im Schnee (Mensch oder Tier), Eiszapfen, unter der Schneelast gebeugte Bäume oder Schneeverwehungen gehen immer! Lasse die Landschaft auf dich wirken!

Nahaufnahmen von Eis- oder Schneekristallen können ebenfalls sehr schöne Motive liefern.

Nahaufnahmen können ebenfalls sehr gut funktionieren

Nahaufnahmen können ebenfalls sehr gut funktionieren

Aber auch Action-Bilder von Schneeballschlachten sowie Bilder von Wintersport (wie Rodel- oder Schifahrer) stellen perfekte Motive dar. Konzentriere dich also auf alles, was typisch für den Winter ist.

4. Kleidung und Schuhe

Ja, ich weiß, du bist kein kleines Kind und weißt ganz genau, dass man sich im Winter warm anziehen sollte. Das gilt selbstverständlich auch für das Schuhwerk, logo.

Warum ich das extra erwähne, ist deshalb, weil ich persönlich immer dazu neige, eher zu wenig anzuziehen. Als Bergwanderer wird einem recht schnell eher zu warm als zu kalt. Zumindest, solange man sich bewegt. Wenn man dann aber aufgrund zu schöner Motive länger stehen bleiben muss oder will, vielleicht auch noch auf einem Gipfelgrat mit eisigem Wind, dann schadet eine warme (Zusatz)Kleidung ganz und gar nicht.

Erst recht, wenn man auch noch meint, eine winterliche Zeitrafferaufnahme durchziehen zu müssen. Und dann steht man schnell einmal 1-2 Stunden sinnlos voller Freude in der Gegend herum. Wie gut, wenn man für diesen Fall an die Thermohose gedacht hat, die man sonst nur am Schihang nutzen will!

Auch eine Thermoskanne mit heißem Tee Werbung halte ich für eine gute Idee für ausgedehnte Fototouren.

Ich gehe auch sehr gern mit Schneeschuhen, auch wenn auf manchen Gipfeln bei uns die Wege oft recht gut ausgetreten sind und man auch mit Wanderschuhen und Gamaschen das Auslangen finden könnte. 15 Tipps zu Schneeschuhtouren findest du übrigens hier.

Grund: gerade wenn ich fotografieren will (wann will ich das eigentlich nicht?), dann will ich mich etwas freier bewegen können. Also auch quer über ein Feld stapfen können, ohne bis zu den Knien im Schnee zu versinken und/oder mir die Schuhe bis zum Rand mit Schnee anzufüllen. Da sind Schneeschuhe dann wirklich Gold wert.

Einen Artikel, wie du den perfekten Schneeschuh findest, findest du hier: 5 essentielle Tipps zum Kauf von Schneeschuhen.

5. Umgang mit der Ausrüstung

5. 1. Akkus

Mit der eisigen Kälte haben insbesondere die Akkus wenig Freude und machen überdurchschnittlich schnell schlapp. Achte also darauf, dass diese voll aufgeladen sind. Ich verwende auch gerne einen Batteriegriff, um mit der doppelten Akkuleistung unterwegs mit eventuell schon kalten Händen weniger bis gar nicht die Akkus austauschen zu müssen.

Ersatzakkus solltest du übrigens besser nahe am Körper tragen. Also entweder direkt am Körper in einer Tasche deiner (Thermo)Hose oder sonst im Fotorucksack so einpacken, dass die Akkus nahe am Körper zu liegen kommen und nicht in einer Außentasche. In der Kälte lässt die Leistung der Akkus sonst überdurchschnittlich schnell nach.

5.2. Objektivwechsel

Ich versuche im Winter Objektivwechsel so gut als möglich zu vermeiden. Die Gefahr einer Kondenswasserbildung im Kamerainneren ist im Winter nicht zu unterschätzen, hier riskiere ich lieber nichts. Überlege dir also schon vor dem Start deiner Tour, welche Motive du anstrebst und welches deiner Objektive am besten dafür geeignet ist.

5.3. Zuhause angekommen

Und wenn du mit deiner Kameraausrüstung aus der eisigen Kälte in die gute warme Stube kommst, so solltest du die Kamera besser 1-2 Stunden in der Fototasche belassen, damit sich deine Ausrüstung langsam wieder aufwärmen kann. Übe dich also lieber in Geduld und warte etwas mit dem Übertragen der Bilder.

Wenn du nämlich die eisgekühlte Ausrüstung der warmen Luft aussetzt, so kühlt die warme und feuchte Umgebungsluft an der kalten Kamera bzw. dem Objektiv spontan ab, was unweigerlich zur Kondenswasserbildung führt. Und wie wir alle wissen, sind Kamera samt Ausrüstung und Wasser keine guten Freunde.

Tipp für den Profi

Solltest du auch in der Nacht unterwegs sein, dann könnte die Anschaffung einer Heizmanschette, auch Objektivheizung genannt, interessant für dich sein.

Da in der Nacht die Luft weiter abkühlt und kalte Luft bekanntlich weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen kann, kann sich diese auf dem Objektiv niederschlagen. Und genau dem kannst du mit einer Objektivheizung entgegenwirken. Ich habe mir eine solche beim Astroshop gekauft, als ich mich mit der Fotografie der Milchstraße etwas näher beschäftigt habe.

Du brauchst dafür dann auch eine entsprechende Power Bank Werbung zur Stromversorgung. Achte dabei auf die Ausgangsleistung, denn die 6W Heizmanschette benötigt 1,2A bei 5V. Die meisten der aktuellen Power-Packs liefern das aber bereits.

Umsonst frieren, weil deine Nachtaufnahmen aufgrund eines beschlagenen Objektivs in einem milchigen Dunstschleier verschwinden, ist mit der Anschaffung einer Heizmanschette damit Geschichte.

 

Fotografieren im Winter stellt den Fotografen vor besondere Herausforderungen. 5 wertvolle Tipps dazu liefert dir dieser Artikel.

Hast du noch weitere Tipps, die dir hier fehlen? Schreib sie mir sehr gerne in den Kommentarbereich!