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Kann man zu viel Fotoausrüstung haben? Ja, man kann! Bei mir hat sich im letzten Jahr, seit ich meine Fotografie und meine Artikel auf einen höheren Level heben will, doch so einiges angesammelt. Mittlerweile einfach zu viel, um auf jede Tour oder jeden Urlaub alles davon mitzunehmen.

Zu allem Überfluss (nein, ich finde das super!) bin ich nun auch noch tiefer in das Thema Video eingestiegen und habe mir eine GoPro zugelegt. Selbstverständlich auch mit Unmengen an Zubehör.

Aber es fällt mir ungemein schwer, etwas zurückzulassen. Immerhin könnte es ja passieren, dass ich ausgerechnet jenes Objektiv, welches mir in dem Moment am geeignetsten erscheint, nicht zur Hand habe. Oder noch schlimmer: ich habe meine GoPro oder meine Fotokugel nicht dabei und für die aktuelle Situation wäre genau das in dem Moment das am besten geeignete Equipment.

Alle Optionen freihalten

Immer alles dabei zu haben, ist ein Fluch und ein Segen zugleich. Wenn du alles mit dir herumschleppst, hast du jederzeit alle Optionen frei.

  • Du kannst eine Nahaufnahme der wunderschönen Struktur eines Blattes festhalten.
  • Du kannst mit dem Weitwinkel-Objektiv die Weite der Landschaft einfangen.
    Natürlich mit Polfilter, um Spiegelungen im See oder das Blau des Himmels bewusst zu steuern.
  • Mit dem Tele das Gipfelkreuz schon von unten aufs Bild bannen.
  • Oder mit der GoPro eine Zeitrafferaufnahme der ziehenden Wolken aufnehmen.
    Sicherheitshalber nimmst du natürlich das große Akku Powerpack mit, damit der Saft nicht ausgeht.
  • Mit Hilfe der GoPro und des Gimbals Teile des Weges während des Gehens verwackelungsfrei aufnehmen.
  • Mit der Fotokugel das ganz besondere Bild eines Gebäudes in Szene setzen.
  • Anhand der verschiedenen Graufilter und des stabilen (und nicht ganz leichten) Statives das Fließen eines Wasserfalles sichtbar machen.

„Schleppen“ trifft es dabei schon recht gut auf den Punkt. Die Kamera mit 3-4 Objektiven, die Filter, Ersatzakkus, ein stabiles Stativ, die GoPro samt Gimbal und allerlei Montagezubehör – das alles füllt locker einen großen Fotorucksack. Und ja, selbst damit muss dann schon einiges Zuhause bleiben. Ich bräuchte wohl so etwas wie einen Sherpa.

Weniger kann viel mehr sein

Alle Optionen offen zu halten, mag auf den 1. Blick ja super sein. Aber neben der Tatsache, dass es eher wenig Spaß macht, insbesondere auf einer Wanderung immer alles mitzuschleppen, habe ich auch kopftechnisch ein Problem.

Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber bei zu vielen Optionen fühle ich mich dann teilweise doch etwas überfordert. Wirklich gute Ergebnisse erreiche ich in der Regel dann, wenn ich mich auf eine Sache konzentrieren kann.

Wenn ich also nur meine 50er Fixbrennweite dabei habe, dann achte ich zum Beispiel ganz besonders auf Details. Auf das, was sich direkt neben dem Weg befindet. Auf Einzelheiten, wie die Struktur einer Baumrinde oder der Blätter. Auf Spinnfäden. Auf Krabbelvieh am Boden. Kein Blick zum Himmel, den kann ich mit dem 50er ohnehin kaum sinnvoll festhalten.

Spinnennetz im Gegenlicht

Spinnennetz im Gegenlicht

Gleichzeitig den Himmel oder die umgebende Landschaft beobachten zu müssen: das fühlt sich dann fast schon wie Stress an.

Ganz davon abgesehen, dass du es wohl kaum schaffen kannst, dich auf das alles zu konzentrieren, spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle. Zumindest dann, wenn du nicht alleine auf Tour bist. Einem Mitwanderer, sofern dieser nicht ebenfalls ein durchgeknallter Fotografie Junkie sein sollte, kannst du es auf jeden Fall nicht antun, alle paar Meter länger stehen zu bleiben, um all deine Ideen festzuhalten.

Fotoprojekte als Lösung?

Schon öfter einmal habe ich mich darin versucht, mich einzuschränken. So habe ich hin- und wieder wirklich nur ein einziges Objektiv mitgenommen. Zumindest dann, wenn ich mir dieses gerade neu angeschafft habe. In dem Fall fällt es mir dann viel leichter, auf den Rest zu verzichten.

In der Regel habe ich aber viel zuviel Equipment dabei. Zwar schleppe ich nicht immer das gesamte Foto- und neuerdings GoPro Equipment mit, da ich weiß, dass Fotografieren und Filmen gleichzeitig wirklich in puren Stress ausartet, aber 2-3 Objektive müssen es in der Regel schon sein. Und wenn ich eher filmen will, dann kommen zur an sich sehr kleinen GroPro noch verschiedenste Halterungen, ein stabileres Stativ (da ich aktuell gerne mit Zeitraffern spiele) und das Gimbal mit. Und schon wieder füllt sich zumindest der kleine Foto-Rucksack.

Wenigstens die Fotokugel bleibt sehr oft Zuhause. Denn auch wenn ich mir mit einer nur 8cm großen Kugel eine eher kleine zugelegt habe, so wiegt diese doch fast 1kg (genau genommen sind es 800g).

Mit der Fotokugel - das etwas andere Bild

Mit der Fotokugel – das etwas andere Bild

Und die Graufilter habe ich bisher auch viel zu sehr vernachlässigt. Und wenn du mich schon fragst: klar nicht nur für meine Spiegelreflex, sondern auch für die GoPro habe ich mir ND-Filter besorgt.

Warum ich mich bisher gegen Fotoprojekte so gewehrt habe: ich fühle mich dann einfach extrem eingeschränkt! Denn wenn ich so ein Projekt machen würde, dann zumindest für den Zeitraum von einem Monat. Nur dann denke ich, kann man sich intensiv genug mit dem entsprechenden Equipment beschäftigen und im Umgang mit demselben wirklich auch besser werden.

Mein Kopf wehrt sich

Selbst jetzt beim Schreiben wehre ich mich gegen diesen Gedanken der Fotoprojekte. Gleichzeitig habe ich aber sehr wohl auch das Gefühl, dass mich diese gezielter vorwärts bringen könnten, wenn es um meine Fotografie und langsam auch Video-Skills geht. Irgendwie ein Dilemma in meinem Kopf.

Eines ist klar: wenn ich so etwas wie ein Fotoprojekt starten sollte, dann will ich das nicht allzu streng sehen. Wenn es also im Sommer nach Norwegen geht, dann selbstverständlich nur mit dem kompletten Equipment! Auch bei kurzen Wochenend-Touren wird vieles so gut wie alles mit auf die Reise gehen.

Wenn ich aber zum 435x auf den Nockstein gehe, der auch mehr oder weniger fast vor meiner Haustür liegt – da ließe sich so etwas schon super umsetzen. Auch die Plötz scheint mir als „Spielwiese“ für Fotoprojekte für sehr gut geeignet. Liegt auch recht nahe und so ist ein erneuter Besuch völlig problemlos mit wenig Aufwand möglich.

Stichwortsammlung

Um eine Orientierung dafür zu bekommen, welche Projekte ich generell angehen könnte, ist es sicher hilfreich, erst einmal Stichwörter zu sammeln. Einige Gedanken zu Zielen im Rahmen der Fotografie habe ich mir auch schon im Zusammenhang mit meiner ultimativen Lebens-Checklist gemacht.

Die Stichwörter direkt vom Hirn in die Tastatur, unsortiert und ungefiltert: Panoramafotografie, Zeitraffer (Gaisberg über Salzburg bei Nacht, Menschen in Salzburg Stadt, aufgehende Blüte, ziehende Wolken über dem Nockstein), Fotokugel, mein Angeber-Tele (150-600mm), Details mit der 50er Fixbrennweite, Erfahrungen mit ND-Filtern sammeln (Spiegelreflex und auch GoPro, evtl. am Gollinger Wasserfall), Video only, nur ein einziges Objektiv mitnehmen.

Kein Wunder, dass es in meinem Kopf rund geht, wenn ich mit dem Großteil meines Equipments unterwegs bin! Da spuken all diese Möglichkeiten drin herum.

Also gut – überredet! Ich werde so etwas wie Fotoprojekte starten! Wie ich das genau angehe, muss ich mir aber erst noch überlegen. Ich werde also so etwas wie ein Projekt für Fotoprojekte starten. Schmarrn! (für meine deutschen Leser: Blödsinn!).

Ein Plan muss her, klar! Am besten in Form eines weiteren Artikels, dann kannst du mir dabei über die Schultern schauen. Und drüber lächeln oder besser – für dich selbst Anregungen holen. Für mich ist diese „Öffentlichkeit“ auf jeden Fall ein gewisser Ansporn, das Ganze auch mit dem notwendigen Ernst anzugehen.

Kann man zu viel Fotoausrüstung haben? Ja, man kann! Aber es fällt mir ungemein schwer, etwas zurückzulassen. Immerhin könnte es ja passieren, dass ich ausgerechnet jenes Objektiv, welches mir in dem Moment am geeignetsten erscheint, nicht zur Hand habe.