Zwar stand das GreenTourismCamp zu Beginn des Jahres auf meiner Wunschliste der Barcamps, aber eigentlich wollte ich nach dem REDcamp, meinem 4. Blogger-Event in diesem Jahr (nach  ABCstar, Castlecamp und Almcampkein weiteres Barcamp mehr besuchen. Kostet am Ende ja doch auch einiges an Zeit und Geld.

Und dann habe ich Brita und Tommi beim REDcamp getroffen. Beides sehr engagierte Leute und so konnte mich Tommi dann doch noch überzeugen, zum GreenTourismCamp zu kommen. Vom Thema her war es ja schon immer ganz meins: Nachhaltigkeit im Tourismus.

Spoiler: ich habe es nicht bereut!

Buchung mit kleinen Hindernissen

Nachdem ich mein Ticket für das GreenTourismCamp gelöst hatte (der Normalpreis war 219€), habe ich leider kein Hotelzimmer mehr für den gesamten Zeitraum des Barcamps von Donnerstag bis Samstag bekommen. Donnerstag auf Freitag war bereits ausgebucht. Blöd irgendwie!

Aber selber schuld: das reservierte Kontingent war zum Zeitpunkt meiner Buchung schon abgelaufen, ich war also einfach zu spät dran. Nach kurzer Rücksprache mit meinen Reisepartnern, haben wir uns dann entschieden, erst am Freitag am frühen Morgen anzureisen.

Zwar schade, weil ich insbesondere das Networking bei diesen Events liebe, aber ein Hotel außerhalb des Veranstaltungsortes zu buchen, wäre uns zu umständlich gewesen. Und so ist es dann am Ende doch noch das Schloss Hohenkammer – der Austragungsort – geworden. Aber einen Tag später, denn da war noch frei.

Der erste Tag – für uns Freitag

Wir sind drei Salzburger, die gemeinsam als Fahrgemeinschaft anreisen. Neben mir sind noch Harald Köhler (Thermenhotels Gastein) und Stephan Obenaus (unter anderem IONICA) am sehr frühen Morgen unterwegs nach München.

Check-In. Schöner Kork-Block als Goodie und schon an dieser Stelle die Möglichkeit eine Session vorzuschlagen. Nach einem dringend notwendigen Kaffee und ersten, kurzen Gesprächen geht es dann offiziell los. Begrüßungsworte, vorstellen des Teams, Dank an die Sponsoren und die Teilnehmer.

GreenTourismCamp #GTC19 - es geht los!

GreenTourismCamp – es geht los!

Expertenrunde

Für mich neu bei so einem Barcamp: wir starten mit einer Expertenrunde in den Tag. Quasi als Einführung in das Thema. Vier Experten erzählen über ihren Hintergrund und ihre Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit.

Drei Aussagen haben es dabei in meine Notizen geschafft:

  • „Wir werden nie fertig werden, müssen aber trotzdem damit anfangen.“
  • „Nachhaltigkeit muss ehrlich gelebt werden, und darf keine Show sein.“
  • „Nachhaltigkeit wir oft mit Verzicht und höheren Kosten gleichgesetzt – das muss aber nicht zwangsläufig immer der Fall sein.“

Sessionsplanung – the modern way

Wir planen die Sessions unter Verwendung von weframe. Grob gesagt einem sehr modernen White-Board (86“ Multitouch 4K Display) mit der Möglichkeit, sich anhand einer App damit zu verbinden. Coole Sache zur Planung. Keine Post-It’s, sondern einfaches verschieben der vorgeschlagenen Sessions innerhalb der Zeit-Slots in den verschiedenen Räumen.

GreenTourismCamp - Sessionplanung mit weframe

Sessionplanung mit weframe

1. Session – GreenPricing

Wie so oft bei einem Barcamp wird ein Thema nicht zu 100% verfolgt. Etwas, das mich ganz und gar nicht stört, solange es nicht ausartet und der rote Faden immer wieder einmal gesucht wird. Das Schöne an einem Barcamp: jeder der Teilnehmer kann jederzeit korrigierend eingreifen und auf den Kern des Themas zurückführen, ohne befürchten zu müssen, dafür schräg angesehen zu werden.

Mehr Geld vom Gast?

Ist der Gast wirklich bereit, für Nachhaltigkeit mehr zu bezahlen, oder behauptet er das nur, bis es wirklich um die Buchung geht? Einer der Teilnehmer merkt an, dass laut einer Studie der deutschen Zentrale für Tourismus der Gast nur dazu bereit wäre, durchschnittlich einen EUR (1€ !) pro Nacht mehr zu bezahlen. Leider habe ich diese Studie jetzt nicht gefunden, sonst hätte ich sie verlinkt.

Grundsätzlich ist man sich einig, dass der Gast etwas davon haben muss, wenn er mehr bezahlt.

Kommunikation – Story-Telling

Es geht auch sehr stark darum, wie man dem Gast das Thema Nachhaltigkeit näher bringt. Story-Telling ist hier das Schlagwort. So kann man beim Frühstücksbuffet zum Beispiel darauf hinweisen, dass die Speisen nur aus regionalem Anbau stammen – inklusive Bild des Bauernhofes, woher man das Fleisch hat. Und das auch mit der Bitte verknüpfen, nur so viel auf den Teller zu legen, was man auch wirklich essen kann.

Man sollte sich intensive Gedanken machen, was man wo am besten kommunizieren kann. Als weiteres Beispiel könnte man in der Dusche oder Badewanne auf den Einsatz von Putzmitteln ohne Chemie hinweisen.

Eine interessante Aussage dabei: man sollte zuerst längere Zeit praktische Erfahrungen mit Nachhaltigkeit sammeln, bevor man daran denkt, Preise zu erhöhen. Nur dann kann man gegenüber dem Gast Nachhaltigkeit auch glaubwürdig kommunizieren.

Mitarbeiter spielen zentrale Rolle

Auch sehr wichtig: die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen und in Bezug auf Nachhaltigkeit sensibilisieren. Das Team muss überzeugt sein, damit das Thema auch beim Gast ankommt. Das Thema Nachhaltigkeit und die Ausbildung in diese Richtung kann auch als Benefit für die Mitarbeiter selbst gesehen werden.

GreenTourismCamp - 1.Session Green Pricing

Session Green Pricing

Kurz erwähnt wurde, dass es auch schon in frühen Phasen sehr sinnvoll sein kann, eine Zertifizierung anzustreben. Dabei muss man nicht das Ziel haben, diese auch zu erreichen. Alleine schon die vorgegebene Struktur und die Anleitungen können einen sehr wertvollen Input liefern, wo es am meisten hapert.

Mittagspause / Buffet

Wir werden kulinarisch bestens bedient. Sei es durch Kaffee / Tee und Kuchen, der durchgehend bereit steht, oder durch ein wirklich sehr gutes Mittagsbuffet.

Die Kaffeepausen und das gemeinsame Essen bieten wie immer während eines Barcamps eine hervorragende Möglichkeit, um ganz einfach mit den anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Das ist bei Barcamps wirklich sehr einfach, auch für etwas introvertiertere Menschen. Denn eines der Ziele eines Barcamps sind ja gerade auch die Gespräche und das Kennenlernen der anderen Teilnehmer, wodurch eine ganz besondere Offenheit gelebt wird. Das obligatorische Duzen hilft hier natürlich auch sehr, um von Beginn an Gespräche auf Augenhöhe führen zu  können.

2. Session – Anreize für klimafreundliche Anreise

Hoteliers haben eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist eine der Kernaussagen dieser Session. Deshalb sollte man dem Gast Anreize bieten, um klimafreundlich anzureisen.

Sehr oft gibt es dabei das First- und Last-Mile Problem. Also wie kommt der Gast zum Beispiel von Zuhause zum Zugbahnhof bzw. dann vom Bahnhof zum Hotel? Das Last-Mile Problem ist dabei durch Abholdienste in der Region häufig schon gut gelöst. Wobei angemerkt wird, dass Gäste sich oft erst dann melden, wenn sie schon am Bahnhof stehen. Als besonderen Dienst am Kunden könnte der Hotelier den Kunden am Anreisetag vorher anrufen, um die Ankunftszeit zu erfragen.

Vielleicht sollte man auch die Customer Journey überdenken. So hat (oder hatte – es ist nicht bekannt, ob es diese Services noch gibt) der Frankfurter Flughafen folgende Zusatzdienste angeboten:

  • Gepäck Zuhause abholen
  • Duty-Free online bestellbar und Waren direkt beim Check-In übergeben
  • während der Rückreise Möglichkeit der Lebensmittel-Bestellung, beim Check-Out abholbar

Möglicherweise kann man dem Gast ja noch sehr viel mehr bieten, wenn man sich überlegt, auf welche Probleme er stößt, wenn er öffentliche Verkehrsmittel zur An-/Abreise nutzen will.

3. Session – Doppelsession Gast & Nachhaltigkeit

„Gäste-Erwartung vs. Nachhaltigkeit“ und „Wie kann man Gäste auf Nachhaltigkeit vorbereiten und mitnehmen“ werden zu einer Doppelsession zusammengelegt. Statt der üblichen 45 Minuten sollen es also 90 Minuten werden.

Nicht jeder will Nachhaltigkeit

Gleich zu Beginn wird angemerkt, dass es durchaus vorkommen kann, dass nicht jeder Gast etwas von Nachhaltigkeit hält. Viele Gäste wollen im Urlaub einfach nur Genuss – quasi ohne Rücksicht auf Natur und Nachhaltigkeit. Als Gastgeber muss man sich dann überlegen, ob man solche Gäste im Haus überhaupt haben will. „Ent-Scheidung“ wird als Wort in den Raum geworfen: im Sinne von „Scheidung“ kann man sich durchaus von bestimmten Gästen trennen.

Ein Gast, der sich lautstark über die fehlende „Haselnuss-Creme“ als kleine Plastik-Portion beschwert, könnte durchaus einer sein, auf den man in Zukunft verzichten will. Also nicht Nutella Packerl (oder ähnliches) am  nächsten Tag mit auf das Buffet packen, sondern sich bewusst aus Gründen authentischer Nachhaltigkeit dagegen entscheiden.

Wenn der Gast spart, will er dafür Rabatt

Manche Gäste fordern Rabatt, wenn sie zum Beispiel Wasser sparen. Schließlich habe man ja voll bezahlt und so erwartet man auch volle Bedienung. Als Argumentation könnte man an dieser Stelle vorbringen, dass man mit dem so gesparten Geld in weitere Maßnahmen in Bezug auf Nachhaltigkeit investieren will.

Gast mitnehmen

Der Gast soll sich durch Bemühungen zur Nachhaltigkeit möglichst nicht eingeschränkt fühlen. Wer seine Sauna nur auf Anforderung einschaltet, muss mit Unmut seitens des Gastes rechnen. Das Frühstücksbuffet nicht bis zum Ende voll zu bestücken, dafür aber mit einem Schild darauf hinweisen, dass man auf Wunsch sehr gerne für den Gast etwas nachbringt, wird zu keinen großen Problemen führen. Zumindest dann nicht, wenn man beim Buffet einen entsprechenden Hinweis auf die sonstige Verschwendung  von Nahrungsmitteln hinweist.

Eine entsprechende Visualisierung der Effekte (zum Beispiel könnte man eine Grafik zeigen, wie viel weniger Nahrungsmittel man dadurch wegwerfen muss) hilft, dem Gast die Wichtigkeit einer solchen Vorgehensweise verständlich zu machen.

Unruhe kehrt ein

Nach ca. einer Stunde wird es zunehmend unruhig. Es sind (fast zu) viele Leute im Session-Raum im 3. Stock und es wird sehr warm. Für Insider: nicht nur mir. Die Rufe nach einer Pause werden lauter. Man will dann nur noch zusammenfassen, was dann am Ende aber so lange dauert, dass es dann doch zu keiner Pause mehr kommt.

Auch mir ist diese Session einfach zu lang! Sollte es bei einem meiner zukünftigen Barcamps den Vorschlag geben, zwei Sessions zusammenzulegen, werde ich ein Veto einlegen :-) .

Weitere Sessions

Es hätte dann noch einige Sessions gegeben, die mich auch sehr interessiert hätten. Zum Beispiel „Nachhaltiges wording“, „Zero Waste in der Branche“ oder „Low hanging fruits“. Letztere habe ich nur zum Teil gesehen und so auch viel zu wenig davon mitbekommen – auch aufgrund einer nicht gerade perfekten Akustik im großen Saal.

Abendmenü / Networking am Abend

Das Menü, welches uns am Abend angeboten wird, ist für mich das Beste, was ich bisher bei einem Barcamp erlebt habe. Und das GreenTourismCamp ist immerhin schon mein 9. Barcamp.

GreenTourismCamp - Abendessen

Ein wirklich hervorragendes Abendessen

Ich habe das Glück, keinen Platz mehr am Tisch jener Leute zu finden, die ich schon kenne. Glück deshalb, weil ich so gezwungen werde, mich zu mir bis dahin fremden Leuten zu setzen.

Zum Beispiel Peter Grett, der sich schon vor 20 Jahren sehr intensiv mit Elektro-Mobilität beschäftigt hat. Mit einem elektrisch betriebenen Fahrrad-Anhänger gemeinsam mit 2 Kindern im Anhänger „Radfahrer ärgern“ um am Ende eine Anhänger für die Post daraus zu machen. Oder Peter Kowalski, dem Gründer der Bionade. Eine unglaublich spannende und ereignisreiche Lebensgeschichte!

Auch Martin Kirsch (der Hoteldirektor) und Mareike Reis (Beraterin/Expertin Housekeeping) sitzen noch am gleichen Tisch und so ist es im Nu Mitternacht. An der Bar mache ich einen Bogen vorbei. Vom Castlecamp weiß ich, dass es da ganz schnell zu spät werden kann, um am 2. Tag noch mit annehmbarer Konzentration teilnehmen zu können.

Der 2. Tag

(Keine) Transfersession

Im Gegensatz zu anderen Barcamps ist dieser Tag beim GreenTourismCamp nicht als weiterer Session Tag eingeplant. Stattdessen soll es sogenannte Transfersessions geben. Das sind Sessions des Vortages, die man an diesem Tag weiter vertiefen will. Nach einer Vorstellung der vom Team vorgeschlagenen Themen hält sich die Begeisterung dafür sehr in Grenzen. Bei der Abstimmung gehen nur sehr wenige Hände in die Höhe.

Erfahrungen zum Thema Nachhaltigkeit

Die Dynamik eines Barcamps sorgt immer wieder für Überraschungen und so macht einer der Teilnehmer (Michael König) den Vorschlag, dass jeder seine Erfahrungen in Bezug auf Nachhaltigkeit teilen könnte. Dieser Vorschlag kommt sehr gut an und so bleiben wir alle im gleichen Raum sitzen, wo dann jeder der Reihe nach das Mikro in die Hand gedrückt bekommt.

Ich habe das sehr spannend gefunden, denn so hat man jeden der Teilnehmer wieder ein wenig besser kennengelernt. Und zusätzlich einige Anregungen bekommen, wo man an sich selber noch arbeiten kann.

In dieser Runde habe ich dann auch den perfekten Leitsatz gehört, der sich auch im Titel dieses Artikels wiederfindet: man muss Nachhaltigkeit mit Begeisterung leben! Tut  man das, so reißt man seine Umgebung damit sehr viel leichter mit und kann sehr viel mehr bewirken.

The End

Diese Runde hat am Ende den gesamten Plan des 2. Tages umgeworfen und so gibt es nach einer weiteren Kaffeepause auch die geplanten Abschluss-Präsentationen nicht mehr.

Für mich persönlich kein Verlust, zumal ohnehin geplant ist, dass wir die Zusammenfassungen einer jeder Session noch bekommen werden. Bei diesem Barcamp hat man nämlich dafür gesorgt, dass in jedem Session-Raum jemand sitzt und mitprotokolliert. Eine wirklich ausgezeichnete Idee!

Stattdessen kommt es direkt nach der Kaffeepause zur Feedback-Runde, in der jeder der etwa 50 Teilnehmer die Möglichkeit bekommt, seine/ihre Eindrücke der letzten 2 Tage zu teilen. Mit einem Ausblick, was man in den nächsten 72 Stunden angehen will. Bei mir war das das Schreiben dieses Blog-Artikels. Mission erfüllt!