Das MedienCamp Vienna 2018 ist nach dem legendären Revival des AlmCamps, dem für mich zur schönen Pflicht gewordenen CastleCamp in Kaprun und dem ganz neuen FotoCamp HerbstlichT in der sächsischen Schweiz mein viertes Barcamp in diesem Jahr.

Ich habe diese Form der Veranstaltung einfach lieb gewonnen. Gleichgesinnte treffen sich zu einem bestimmten Themenbereich wie Tourismus, Fotografie oder was auch immer und tauschen sich in lockerer Atmosphäre auf Augenhöhe aus. Über Themen, die sie gemeinsam zu Beginn eines solchen Barcamps festlegen.

In diesem Artikel findest du eine Zusammenfassung meines ersten MedienCamps und soviel gleich vorweg: es wird nicht mein letztes gewesen sein. Die Anzahl der „Pflicht-Barcamps“ hat sich damit für mich wieder um eins erhöht 🙂 .

Anreise und Unterkunft

Anreise mit dem Zug

Ich entscheide mich diesmal für eine Anreise mit dem Zug. Mit der Westbahn zahle ich für Hin- und Rückfahrt gerade einmal 58€. Das bräuchte ich fast schon für den Treibstoff. Wenn ich dann noch die Autobahnvignette und die Parkgebühren für Wien hinzurechne, ist der Zug neben dem Umweltaspekt ganz klar auch finanziell die bessere Alternative. Und nachdem ich ja immer wieder Nachhaltigkeit predige, sollte alleine schon dieser Aspekt ausreichen, um das Auto Zuhause stehen zu lassen.

Zum Hotel geht es dann nach 2 ¼ Stunden Fahrt mit dem Zug von Salzburg nach Wien-Westbahnhof noch etwa 10 Minuten zu Fuß.

Das Hotel

Das Hotel, welches gleichzeitig ein Hostel ist, ist dann alles andere als das A&O, auch wenn es ein a&o im Namen trägt.

Mein Zimmer ist dermaßen verdreckt, dass ich nach einer Beschwerde ein neues Zimmer bekomme. Es wäre wohl das Housekeeping nicht im Zimmer vorbeigekommen, heißt es an der (freundlichen) Rezeption.

Vorbeigekommen ist das Housekeeping im 2. Zimmer schon, aber Bock hatte es offensichtlich keinen, denn auch hier ist der Boden wirklich sehr schmutzig – sowohl im Zimmer als auch im Mini-Bad. Auch das Waschbecken und der Klodeckel haben keinen Putzlappen gesehen. Schrägerweise fällt das Hotel bei einer sehr bekannten Booking Plattform durch seine „außerordentliche Sauberkeit“ auf.

Medientechnisch liegt hier auch einiges im Argen. Das WLAN ist ungeschützt und es gibt keine österreichischen Sender im TV. „Wir sind eine deutsche Hotelkette“ heißt es dazu an der Rezeption.

Naja, ist ja nur für eine Nacht. Diese Unterkunft wird mich aber definitiv nicht wieder sehen. Ich erspare mir an dieser Stelle Bilder, denn du willst in einem Rückblick zu einem Barcamp bestimmt keine Bilder von Spuren in der Kloschüssel und am Handtuch sehen.

So genug gesudert, jetzt zum schönen Teil dieses Wochenendes 🙂 .

Das MedienCamp

Knappe 1 ½ km und ca. 15 Minuten sind des bis zum Veranstaltungsort des MedienCamps, dem Impact Hub Vienna. Ich verlasse mein Hotel gerne etwas früher und bin so schon ein paar Minuten vor 9 Uhr, dem offiziellen Start mit CheckIn und Frühstück am Veranstaltungsort.

Frühstück und CheckIn

Es gibt ein kleines Frühstücksbuffet und Kaffee, ähnlich wie ich es von anderen Barcamps schon kenne.

Eher langsam füllt sich der Empfangsbereich und ich fühle mich dann in etwa so, wie bei meiner ersten Blogger-Konferenz, der ABCstar 2017 . Ein wenig deplatziert, weil ich niemanden kenne, während sich andere zur Begrüßung in die Arme fallen. Was mir aber nichts ausmacht, weil ich das Treiben gerne auch etwas von außen beobachte.

Sessionplanung und Vorstellungsrunde

Etwas abgewandelt zu anderen Barcamps baut man hier die Session-Vorschläge gleich in die Vorstellungsrunde mit ein. Wer einen Session-Vorschlag hat, tut dies umgehend mit seiner für Barcamps üblichen Vorstellung (Name und 3 Hashtags) kund. Das halte ich für eine sehr gute Vorgehensweise.

Meine Hashtags sind wie immer #wandern #fotografie und #nachhaltigkeit. Mit einem Session-Vorschlag halte ich mich diesmal zurück.

Die Sessions zum MedienCamp Vienna 2018

Die Sessions zum MedienCamp Vienna 2018

Die Vorschläge werden gleich vom Team mitgeschrieben und am Ende der Vorstellungsrunde kann es so direkt an die Raumplanung gehen.

Die Sessions am Vormittag

Wie schon bei allen anderen Barcamps finde ich auch beim MedienCamp völlig problemlos durchgehend Sessions, die mich interessieren. Bei 3 parallelen Slots ist es auch hier so, dass man sich manchmal gerne zerteilen können würde.

Amtsgeheimnis

Eine sehr interessante Session von Mathias Huter, der erklärt, wann der Staat Auskunft geben muss und wann nicht (Amtsgeheimnis). Dabei stellt er uns unter anderem das Forum Informationsfreiheit vor, sowie Frag den Staat, eine Plattform, die Bürger dabei unterstützt Auskünfte vom Staat zu erhalten.

Das Amtsgeheimnis in Österreich, Artikel 20, Absatz 3, stellt insofern ein Problem dar, dass Behörden für die Weitergabe von Informationen strafrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben, wenn sie damit das Amtsgeheimnis verletzen würden. Aus diesem Grund sind sie besonders vorsichtig und geben deshalb oft auch so wenig Informationen als möglich weiter oder berufen sich auf das Amtsgeheimnis. Und genau hier hilft eben die oben erwähnte Plattform Frag den Staat. Für Fragen an die EU gibt es im Übrigen AsktheEU.

Im Gegensatz zum Amtsgeheimnis existiert das Auskunftspflichtgesetz, welches grob besagt, dass der Bürger das Recht hat, Auskünfte zu den Tätigkeiten des Staates innerhalb 8 Wochen verpflichtend zu erhalten. Einen besonderen Rang nehmen dabei Umweltanfragen (geregelt durch das Umweltinformationsgesetz) ein, welche innerhalb 4 Wochen beantwortet werden müssen.

Blogger und Influencer mit großer Reichweite sind Journalisten gleichzustellen (Stichwort: öffentliches Interesse).

Kommt der Staat dieser Auskunftspflicht nicht nach, kann man ihn auch verklagen. „Kostet nur 30€ und kann Spaß machen.“

Eine super Zusammenfassung bieten auch die Sketch-Notes von Jana ( @jasowies_o ). In ihrem Twitter-Feed findest du auch Sketch-Notes zu anderen Sessions.

Amtsgeheimnis-SketchNotes-Jana

Amtsgeheimnis SketchNotes © Jana Wiese, Zuckerbäckerei

Panoramafotografie

Ein wirklich sehr guter Vortrag von Ernst Michalek (pano.egm.at) mit vielen, sehr guten Tipps zum Aufnehmen professioneller Panoramen. Ernst hat über 10 Jahre Erfahrung mit der Panoramafotografie und ist mit Begeisterung bei der Sache. Und diese Begeisterung spürt man im Vortrag auch.

Was  ich mir mitgenommen habe ist eine ganz bestimmte Vorgehensweise, die mir persönlich sehr gut gefallen hat. Auf Basics zur Panoramafotografie verzichte ich an dieser Stelle.

  • Ernst verwendet eine APS-C Kamera (ist wichtig zu wissen wegen des Crop-Faktors im Vergleich zur Vollformat-Kamera)
  • Einbeinstativ (erfordert etwas Übung, macht aber sehr flexibel)
  • Objektiv 8 mm Fisheye
  • Kamera 45 Grad montieren (damit nutzt man maximal mögliche Höhe)
  • 4 Bilder aufnehmen, dabei um die Kameraachse drehen (Nodalpunkt-Adapter hilft!)
  • Bodenbild aufnehmen
  • bei Personen im Bild auf deren Bewegungsrichtung achten
  • PtGUI und Pano2VR zur Nachbearbeitung / Montage der Bilder
Session Panoramafotografie

Session Panoramafotografie

Einen Buchtipp gibt es am Ende auch noch: Thomas Bredenfeld gilt als DER Panorama-Spezialist und führt in das Thema sehr ausführlich ein. Digitale Fotopraxis Panoramafotografie: das Standardwerk in dritter Auflage Werbung

Mittagspause / Verpflegung

Wie bei allen Barcamps ist auch hier dank Sponsoren bestens für das leibliche Wohl gesorgt. Kaffee und Getränke gibt es durchgehend, für ein Frühstück und Mittagessen ist ebenfalls gesorgt. Und Nachmittag kommen auch noch die Naschkatzen (und Naschkater? 😉 ) auf ihre Rechnung.

Naschereien

Naschereien

Die Sessions am Nachmittag

YouTube Channel Optimierung

Ich habe diesen Vortrag schon beim CastleCamp gesehen, wollte ihn mir aber trotzdem noch einmal ansehen. Mein YouTube Channel dümpelt nämlich trotz der Umsetzung einiger der Tipps nach fast einem Jahr bei nur eher peinlichen 26 Subscribern. Das liegt wohl sehr stark an der viel zu geringen Upload-Rate meinerseits.

YouTube Channel Optimierung

YouTube Channel Optimierung

Hier noch einmal kurz die Tipps zusammengefasst:

  • Keyword-Triple
    in Überschrift, Beschreibung und in Tags verwenden
  • Regelmäßigkeit und Aktivität ist Trumpf
    zumindest 1x pro Woche und zur besten Zeit ein neues Video hochladen (die beste Zeit ist für jeden Kanal anders, kann man über Analytics herausfinden)
  • Gutes Thumbnail für bessere Klickrate
    sehr wichtig ist auch ein ansprechendes Thumbnail, automatische Auswahl durch ein selbst ausgewähltes ersetzen, wenn sinnvoll – (Gesichter von) Menschen funktionieren besser als Gegenstände / Landschaften
  • Lange Watch-Time ist Trumpf
    auf jeden Fall die Watch-Time der einzelnen Videos analysieren und auf Absprünge achten (springen Leute schon beim Intro ab?). Lange Watch-Times werden belohnt, weisen auf guten Content hin
  • Top-Down Listen ziehen immer
    Achtung: das beste erst am Schluss, aber auch keine „Allerwelt-Tipps“ zu Beginn
  • Playlists verwenden
    durch Play-Lists führst du deine Follower gezielt durch dein Angebot
  • Übersetzungen und Untertitel
    Auch wenn das eigene Angebot nur auf Deutsch sein sollte, können anderssprachige Untertitel Sinn machen. Damit kannst du die Watch-Time erhöhen und verbesserst damit das Ranking des Kanals. Untertitel sind auch sinnvoll für Barriere-Freiheit oder um Videos lautlos ansehen zu können und die Umgebung nicht zu stören.

Monetarisierung von Online Inhalten

„… und niemand kennt sich aus.“. Das schöne am Barcamp: am Ende waren dann (von mir fast schon wie erwartet) doch ein paar Wissende im Raum und so wurde auch diese Session sehr interessant und informativ.

Ritchi Pettauer @datenschmutz nennt uns 5 Möglichkeiten, die aktuell gerne verfolgt werden:

  • Werbung (View & Click)
    wie z.B. AdSense oder ähnliches
  • Affiliate
    Partnerprogramme wie z.B. Amazon
  • Linkverkauf
  • Native Advertising
    Zum Beispiel über einen eigenen, werbenden Artikel.
  • Umweg
    Andere Aufträge durch Aufmerksamkeit erreichen

Beim Schreiben fällt mir jetzt ein, dass man die VGWort noch ins Spiel hätte bringen können. Zumindest für Blogger, die auch ein deutsches Publikum erreichen, kann das eine Einnahme-Quelle darstellen. Blöd, dass ich vor Ort nicht daran gedacht habe.

Bei Zeitungen besteht scheinbar eine große Angst vor Paywalls. Die Angst vor einem massiven Besucher-Schwund. Und so wagen kaum Zeitschriften „harte Paywalls“ (zahlen oder bestenfalls Teaser lesen).

Ein positives Beispiel findet sich aber trotzdem: das Online Magazin zum Prenzlauer Berg in Berlin. Das lokal ausgerichtete Magazin läuft angeblich gut und kann sich auch den ein oder anderen Mitarbeiter leisten.

Einige Zeitungen arbeiten aktuell mit „zahlen oder Werbung akzeptieren“, wiederum andere versuchen sich mit erweiterten Online Inhalten wie Videos gegen Bezahlung. Das Problem: Exklusivität von Content ist kaum möglich, weil unter anderem auch die APA dazu beiträgt, dass Informationen sehr schnell auch anderswo im Netz zu finden sind.

Eine Teilnehmerin ruft zu einem generellen Umdenken und dem Verlassen bekannter Bahnen auf.

Nachhaltigkeit in digitalen Medien

Nachhaltigkeit – genau mein Thema! Im Rahmen des MedienCamps geht es dabei insbesondere um die Kommunikation von Nachhaltigkeit. Wie kann man Nachhaltigkeit an den Mann oder die Frau bringen, ohne zu langweilen („Thema ist abgelutscht“) oder zu nerven?

Es entsteht eine sehr interessante Diskussion mit sehr vielen, interessanten Wortmeldungen. Der Moderator war auf jeden Fall gefordert 🙂 .

Hier meine Stichwortliste, die ich mir während dieser Session gemacht habe:

  • Politik ist gefragt
    auch jeder einzelne kann etwas tun, aber man stößt auch an Grenzen
  • Gewohnheiten werden nicht gern geändert
  • @IvyCathe schreibt an einer Bachelor Arbeit zu diesem Thema
  • Es ist schwierig gut informierte Entscheidungen zu treffen
    • das Thema ist sehr komplex
    • ganz klein beginnen
  • Schleichende Veränderung wird schlecht wahrgenommen
    • das Problem Plastikmüll gibt es schon lange, erst jetzt wird es ernst genommen
    • weiteres Beispiel Insektensterben – wird noch immer zu wenig ernst genommen
  • Manche Sachverhalte sind Menschen nicht bewusst (Insekten)
    Autoscheibe nicht mehr versaut? Super! Manche Pflanzen können ohne Insekten nicht existieren. Mist!
  • Emotionen sind wichtig
  • Negative Emotionen haben kurzfristiger Effekt
  • Positive Emotionen zu wecken ist besser für Langfristige Lösungen
  • Sich gut fühlen, wenn man gutes tut, ist völlig in Ordnung!
  • „Companies will stop making grab if you stop buying grab“
  • Don’t educate motivate
    Nicht belehren, das führt schnell zu Abwehrreaktionen

Was jeder einzelne tun kann, ohne sich großartig einschränken zu müssen, habe ich kürzlich in einem eigenen Blog-Artikel beschrieben: Wie du die Welt retten kannst.

Einen Buchtipp habe ich am Ende auch noch (bin ich in der Session nicht mehr losgeworden): Nichtstun ist keine Lösung: Politische Verantwortung in Zeiten des Umbruchs Werbung.

Was mir persönlich an diesem Buch sehr gut gefällt, ist eine Art „Leitfaden“, wie man mit Gegenwind umgeht. Wenn man als „Gutmensch“ bezeichnet wird. Oder als „Naivling“ oder jemand, der ja nur deshalb hilfsbereit ist, um selber besser dazustehen.

Andere Sessions

Infos zu anderen Sessions kannst du zum Teil via Twitter unter dem Hashtag #mcvie finden. Eine Auswahl an Tweets habe ich zusätzlich zu einem Twitter-Moment zusammengefasst: MedienCamp Vienna #mcvie.

Location und Räumlichkeiten

Das Impact Hub Vienna bietet genügend Räume unterschiedlicher Größe und auch gemütliche Sitzecken, die zum gemeinsamen Austausch zwischen den Sessions und am Ende der Veranstaltung einladen. So kann man schnell Kontakte knüpfen oder sich aber auch etwas in eine Ecke zurückziehen, wenn man das will.

Gemütliche Ecke

Gemütliche Ecke

Mein Fazit

Auch das MedienCamp Vienna war in jedem Fall eine (Zug-)Reise wert! Wie bei jedem der anderen von mir besuchten Barcamps war der Umgang untereinander sehr gut. Von den Themen war auch für jeden Medien-Begeisterten etwas dabei.

Etwas vermisst habe ich beim MedienCamp Vienna eine vorabendliche Kennenlern-Veranstaltung, wie ich sie von den anderen Barcamps kenne. Insbesondere für Neulinge finde ich so etwas immer sehr gut, weil man damit schon vor der eigentlichen Veranstaltung Kontakte knüpfen kann. Aja – und eine Feedback-Runde am Ende wäre evtl. auch eine Chance, Vorschläge zu Verbesserungen von allen Teilnehmern/TeilgeberInnen am Ende einzuholen.

Den Aufruf „You do speak about a Barcamp!“ habe ich nicht gehört (oder evtl. überhört?), denn ich liebe es, nach einem Barcamp verschiedene Artikel und damit verschiedene Sichtweisen zu lesen. Es wäre schön, neben meiner Zusammenfassung auch noch weitere Artikel zu finden, die ich dann sehr gerne hier verlinke!

Wie auch immer – ich werde auch im nächsten Jahr wieder dabei sein und freue mich schon jetzt auf das MedienCamp Vienna2019, welches am 16. November stattfinden wird!

Das MedienCamp Vienna ist ein BarCamp zum Thema Medien. Was es beim MedienCamp 2018 spannendes diskutiert wurde, erfährst du in diesem Artikel.