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Grob gesagt ist Panoramafreiheit das Recht, den öffentlichen Raum – also Landschaften, Städte und Ortschaften – fotografieren oder filmen und anschließend diese Aufnahmen kommerziell verwerten zu dürfen. Und zwar ohne die jeweiligen Architekten der abgebildeten Gebäude oder den Bildhauer einer Statue fragen zu müssen.

Ansonsten wäre Fotografen das Verwerten von Bildern, auf denen sich Städte befinden, nahezu unmöglich. Die Gefahr, dass sich auf dem Bild ein zu schützendes Gebäude oder Kunstwerk befindet, wäre einfach zu groß.

Panoramafreiheit in Österreich

In Österreich ist die Panoramafreiheit Teil des Urheberrechtsgesetzes (UrhG). Hier der (wie üblich) eher schwer zu verstehende Gesetzestext.

§54, UrhG, Freie Werknutzungen an Werken der bildenden Künste (Ausschnitte):

„Werke der bildenden Künste nach bleibend zu einer öffentlichen Sammlung gehörenden Werkstücken in den vom Eigentümer der Sammlung für ihre Besucher herausgegebenen Verzeichnissen zu vervielfältigen, zu verbreiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, soweit dies zur Förderung des Besuchs der Sammlung erforderlich ist; jede andere kommerzielle Nutzung ist ausgeschlossen“

Sind alle Kuppeln alt genug, gibt es sichtbare Kunstwerke? Die Panoramafreiheit erspart dir solche Fragen.

Sind alle Kuppeln alt genug, gibt es sichtbare Kunstwerke? Die Panoramafreiheit erspart dir solche Fragen.

Werke der Baukunst nach einem ausgeführten Bau oder andere Werke der bildenden Künste nach Werkstücken, die dazu angefertigt wurden, sich bleibend an einem öffentlichen Ort zu befinden, zu vervielfältigen, zu verbreiten, durch optische Einrichtungen öffentlich vorzuführen, durch Rundfunk zu senden und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen; ausgenommen sind das Nachbauen von Werken der Baukunst, die Vervielfältigung eines Werkes der Malkunst oder der graphischen Künste zur bleibenden Anbringung an einem Orte der genannten Art sowie die Vervielfältigung von Werken der Plastik durch die Plastik.“

Einschränkungen der Panoramafreiheit

Dauer

Die Panoramafreiheit gilt nur, wenn sich das Werk auf Dauer an seinem Ort befindet, wie aus den oben zitierten Ausschnitten zu erkennen ist.

Ein vorübergehendes Werk, wie zum Beispiel die Seebühne der Bregenzer Festspiele, ist demgemäß von der Panoramafreiheit ausgenommen.

Einen Artikel zum Fall der Seebühne findest du unter Seebühnenfotos sind auf Wikipedia verboten.

Das klingt auf den ersten Blick relativ klar und einfach, ist es im konkreten Fall aber nicht wirklich. Als Fotograf kann man nicht immer auf den ersten Blick erkennen, ob sich eine Skulptur permanent oder nur vorübergehend an einem öffentlich zugänglichen Platz befindet. Eine Skulptur im Rahmen einer Sonderausstellung wird sicher nicht permanent installiert sein. Aber evtl. ist es gar nicht so einfach, zu erkennen, dass es sich überhaupt um eine Sonderausstellung handelt.

Ort der Aufnahme

In Österreich gilt die Panoramafreiheit grundsätzlich für Bilder, welche von einem öffentlich erreichbaren Ort aus aufgenommen werden. Auch Fotos von öffentlich zugänglichem Gebäudeinneren sind bei uns in Österreich erlaubt (Quelle: Wikimedia Commons, öffentliche Orte).

Vorsicht: mit einer Drohne erreichbar hat nichts mit „öffentlich erreichbar“ zu tun! Ganz davon abgesehen, dass für Aufnahmen mit Drohnen ohnehin ganz andere Regeln gelten. Diese habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst: Fotografieren mit Drohnen.

Auch Hilfsmittel wie zum Beispiel Leitern sind nicht erlaubt. Zu Beachten ist in dem Zusammenhang auch, dass andere Rechte mit berücksichtigt werden müssen, wie zum Beispiel das Persönlichkeitsrecht oder das Recht am eigenen Bild, sofern Personen auf den Bildern zu sehen sind.

Die Panoramafreiheit in anderen Ländern

Derzeit bestehen in der gesamten EU unterschiedliche Regelungen. So gibt es zum Beispiel in Frankreich oder Italien keine Panoramafreiheit. Das heißt also, dass du Fotos, auf denen zum Beispiel bestimmte Werke der Baukunst abgebildet sind, nicht kommerziell nutzen darfst. Du würdest damit eine Urheberrechtsverletzung begehen.

Die Regelungen zur Panoramafreiheit sind auch ständig Änderungen unterworfen. Wenn du das Atomium in Brüssel vor der Gesetzesänderung am 29. Juni 2016 (Quelle: Wikipedia) abgelichtet und dieses in deinem Blog veröffentlicht hast, hattest du eine Urheberrechtsverletzung begangen. Auch die allseits beliebten Selfies mit anschließendem veröffentlichen in Facebook hätten dich bis dahin in Schwierigkeiten bringen können.

Die Ablichtung des Eiffelturmes in Paris, dessen Architekt bereits 1923 verstorben ist und das Urheberrecht demnach abgelaufen wäre (70 Jahre nach dem Tod), ist zumindest in der Nacht nach wie vor eine Verletzung des Urheberrechts. Begründung: die Beleuchtung ist durch den Lichtarchitekten geschützt. Quelle: Nachtfotos vom Eiffelturm können teuer werden.

Du hast den Eiffelturm in der Nacht fotografiert? Das kann teuer werden! Klick um zu Tweeten

In dem Zusammenhang auch sehr bekannt wurde der verhüllte Reichstag in Berlin. Christo darf zum Beispiel auf sein Urheberrecht pochen, wenn jemand Postkarten oder Fotos des verhüllten Reichstages in Berlin verbreiten will (siehe LG Berlin: Christo darf Fotos verbieten).

In manchen Ländern gilt die Panoramafreiheit nur für Außenräume (wie zum Beispiel in Deutschland), in manchen auch für Innenräume (Österreich), die von der Allgemeinheit betreten werden dürfen. Doch auch hier kann es Sonderregelungen geben. So kann ein Museum per Hausrecht die Aufnahme von Fotos verbieten. Sicherheitshalber immer fragen, bevor man Bilder veröffentlicht, bei denen man sich nicht sicher ist!

Skulptur im Heller Garden

Skulptur im Heller Garden, hier habe ich sicherheitshalber per Email angefragt

Eine gute Übersicht über länderspezifische Regelungen findest du unter Panoramafreiheit – Wikimedia Commons. Auch Michael Mantke von Erkunde die Welt hat sich näher mit der Panoramafreiheit in einigen Ländern beschäftigt.

Es soll allerdings Bestrebungen geben, dass man die Panoramafreiheit zumindest EU-weit harmonisieren will (Quelle: Salzburger Wirtschaft Nr. 12, 24.3.2017).

Disclaimer: ich bin kein Rechtsexperte! Alle Infos habe ich nach bestem Wissen und Gewissen aus dem Internet, Büchern oder entsprechenden Zeitschriftenartikeln zusammengetragen.

Panoramafreiheit ist grob gesagt das Recht, den öffentlichen Raum abzulichten und anschließend diese Aufnahmen kommerziell verwerten zu dürfen.