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Was für den Salzburger Radfahrer die Bezwingung des Gaisberges ist, ist für einen Fotografen nicht selten der Wunsch, einmal im Leben die Milchstraße zu fotografieren. Aber natürlich nicht irgendwie, sondern so, dass allen der Mund offen stehen bleibt, wenn sie das Bild sehen! Welche Ausrüstung brauchst du dafür?

Da ich den Gaisberg schon einmal mit dem Rad bezwungen habe, ist nun die Milchstraße dran. Nicht mit dem Fahrrad, sondern dem Fotoapparat.

Ein wirklich gutes Bild der Milchstraße aus dem Himmel zu stanzen, ist aber gar nicht so einfach. Deshalb werde ich mich diesem Thema in den nächsten Wochen intensiver widmen und du kannst mir dabei über die Schulter schauen. Auf dem Weg zu meinem ersten Foto der Milchstraße. Von der Ausrüstung über die Planung bis zur Nachbearbeitung wird in dieser mehrteiligen Reihe am Ende alles zu lesen sein.

In diesem ersten Teil geht es um die Ausrüstung.

Faszination pur – die Milchstraße

Es ist schon eine Weile her, aber als ich zum ersten Mal eines dieser genialen Milchstraßenbilder gesehen habe, so ähnlich wie im Beitragsbild, blieb mir fast der Mund offen. Schon atemberaubend, diese Bilder! Damals hatte ich noch nicht die Ausrüstung, überhaupt daran zu denken, auch nur ein annähernd brauchbares Bild der Milchstraße selber zu schießen. Ganz davon zu schweigen, eines wie im Beitragsbild. Oder gar dieses zoombare 9 Gigapixel Bild :).

Irgendwann um 2005 legte ich mir eine etwas bessere Kompaktkamera (Canon Powershot S2) zu. Und so flammte das Bedürfnis, selber eines dieser faszinierenden Bilder zu schießen, erneut in mir auf. Das alles erschien mir aber bei etwas näherer Betrachtung dann doch gar nicht so einfach und so verstaubte das Vorhaben wieder in einer abgelegenen Ecke meines Gehirns. Zumal mir eine Kompaktkamera nach den ersten Recherchen im Internet dann doch nicht wirklich gut geeignet zu sein schien, denn in der Nacht haben diese bekanntlich generell ihre Schwächen.

Nachtaufnahmen wären mit dem Material undenkbar bzw. wäre die Qualität eher als unterirdisch denn als himmlisch zu bezeichnen gewesen.

Die richtige Kamera

Essentiell für ein wirklich gutes Bild der Milchstraße ist eine entsprechende Ausrüstung. Mit dem Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera (kurz DSLR für digital single lens reflex) im Februar 2014 (eine Canon EOS 700D mit 18 Megapixel und APS-C Sensor) rückte ich diesem Ziel wieder einen sehr großen Schritt näher. In einer lauen Sommernacht bei herrlichem Nachthimmel im Jahr 2016 wurde das verstaubte Vorhaben am Rande meiner Gehirnrinde reaktiviert. Ich will die Milchstraße fotografieren!

Und nach einer kurzen Recherche durfte ich mit Freude feststellen, dass man mit einer APS-C Kamera, wie ich eine besitze, durchaus gute Ergebnisse erzielen kann. Bisher wurde mir immer erzählt, dass man für so ein Vorhaben auf jeden Fall eine Vollformat Kamera brauchen würde. Denn nur mit einer (viel teureren) Vollformat-Kamera ist das Bildrauschen bei hohen ISO Zahlen erträglich. Weshalb man viel bessere Ergebnisse beim Fotografieren des Sternenhimmels erzielen kann. Also solche, bei denen sich beim Betrachten der Mund unbemerkt zu öffnen beginnt.

Mit dem Fahrrad am Gaisberg - von da kann man gut die Milchstraße fotografieren

Mit dem Fahrrad am Gaisberg – von da kann man gut die Milchstraße fotografieren

Wie auch immer. Ich war auf jeden Fall wieder angefixt. Wie der Radfahrer, der gerade mit dem Auto auf den Gipfel des Gaisberges nach oben gekommen ist und einen Radfahrkollegen mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht am Berg stehen gesehen hat. Ob ich es mit meiner aktuellen Ausrüstung wirklich schaffen kann, ein gutes Bild zu schießen?

Vorbild

Lukas Schnider, ein Fotograf, den ich über Google+ kennengelernt habe, hat schon etwas Erfahrung mit dem Fotografieren des Sternenhimmels gesammelt. Mit einer Nikon D5100, einer Kamera mit APS-C Sensor, also grob vergleichbar mit meiner Canon EOS 700D. Und auch das Objektiv mit F3.5 Offenblende stimmt mit meinen Objektiven fast überein. Da will ich hin!

Nikon D5100, AF-S DX Nikkor 10-24mm f/3.5-4.5G ED, f/3.5, 10 mm, 30 s, ISO 6400, (c) Lukas Schnider

Nikon D5100, AF-S DX Nikkor 10-24mm f/3.5-4.5G ED, f/3.5, 10 mm, 30 s, ISO 6400, (c) Lukas Schnider

Im Bild ist die Milchstraße sehr schön erkennbar. Mit so einem Bild zum Start wäre ich schon recht zufrieden! Danke an Lukas für die Genehmigung, sein Bild hier verwenden zu dürfen!

Weitere Ausrüstung

Das Objektiv

Die Kamera allein reicht aber natürlich noch nicht aus, um gelungene Fotos der Milchstraße zu schießen. Es braucht noch ein möglichst lichtstarkes Objektiv. Die Nacht ist finster (es gibt allerdings „verschiedene Arten von finster“ – dazu mehr in einem späteren Artikel) und die Sterne leuchten mit einer eher geringen Lichtstärke. Lichtstarkes Objektiv heißt, dass man mit möglichst offener Blende fotografieren können soll. Offene Blende heißt kleine Blendenzahl wie z.B. F3.5 oder noch sehr viel besser F1.4.

Je größer die Blendenzahl, desto mehr wird abgeblendet. Das heißt, dass umso weniger Licht zum Sensor gelangt. Bei einer Verdopplung der Blende benötigt man die 4-fache Belichtungszeit – das Verhältnis ist also quadratisch. So muss man mit einer Blendenzahl von 5.6 vier mal länger belichten, als mit einer von 2.8, um die gleiche Lichtmenge auf den Sensor zu bekommen.

Meine Objektive

Ich hatte zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Artikels drei Objektive, die zur Aufnahme der Milchstraße Sinn gemacht hätten. Nicht berücksichtigt habe ich meine zwei Zoom Objektive (55-250mm und 150-600mm), denn damit könnte ich bestenfalls einen Ausschnitt der Milchstraße aufnehmen, was klar nicht Ziel dieses Artikels ist.

Hier meine drei in Frage kommenden Objektive:

  • Canon EF-S 10-18mm 1:4.5-5.6
  • Canon EF-S 18-55mm 1:3,5-5,6
  • Walimex Pro 8 mm 1:3,5 DSLR Fish-Eye II

In Bezug auf den Bildausschnitt wäre das Fischauge sicher zu bevorzugen, aber ob ich mit der Verzerrung glücklich werde? Ich weiß es (noch) nicht! Mit einer Offenblende von 3.5 zählte es auf jeden Fall zu meinen besseren Objektiven.

Vom Bildausschnitt käme dann das 10-18mm an zweiter Stelle. Allerdings hat dieses bei 10mm eine geringere Lichtstärke als das 18-55mm bei 18mm. Blöde Geschichte. Das muss ich mir dann wohl in der Praxis gemeinsam mit dem Bildrauschen näher ansehen. Aktuell fehlt mir noch einiges an Theorie und im Moment auch noch komplett die Praxis. Aber das wird sich sehr bald ändern!

Alle Objektive zu lichtschwach?

Nachdem ich mir meine Objektive und deren Eignung im Rahmen des Schreibens dieses Artikels näher angesehen hatte, wurde mir klar: große Sprünge mache ich damit vermutlich nicht. Ich will mehr erreichen! Und das geht nur mit einem noch besseren Objektiv. Mist! Soll ich? Preislich haut es einen wirklich vom Stuhl, vor allem wenn man sich lichtstarke Canon Original Objektive ansieht.

Vier Objektive, die sich von der Brennweite in etwa vergleichen lassen (Stand März 2017):

  • Canon 18-55mm F3,5-5,6 – ca. 140€ (habe ich)
  • Samyang 16mm F2.0 – ca. 400€ (oha – was sehe ich da?)
  • Canon 17-55mm F2,8 – ca. 750€ (zu teuer, zu nahe an meinem 18-55mm)
  • Canon 14mm F2,8/ L USM II – ca. 2.000€ (viel zu teuer, nicht mit mir)

Ich mache es kurz: die Bestellung für das Samyang 16mm F2.0 Werbung ging noch während des Schreibens dieser Zeilen raus. Für eine Offenblende von F2.0 ist es mit 400€ fast schon als Geschenk zu bezeichnen. Und wer macht sich nicht gerne Geschenke? Einziger Nachteil: es besitzt keinen Auto-Fokus. Laut Tests soll der manuelle Fokus dieses Objektives aber sehr gut zu bedienen sein. Und beim Fotografieren in der Nacht funktioniert der Autofokus in der Regel ohnehin nicht oder zumindest sehr schlecht.

So werde ich meine Bilder der Milchstraße mit diesem neuen Objektiv machen! Zu Testzwecken werde ich mit den anderen Objektiven auf jeden Fall auch Bilder schießen, um die Unterschiede zu verdeutlichen. Diese werde ich dann in einem späteren Artikel gegenüberstellen.

Stativ und Fernauslöser

Weiters brauchen wir noch ein möglichst standfestes Stativ und einen Fernauslöser. Statt des Fernauslösers könnte man alternativ auch die Selbstauslösefunktion der Kamera verwenden. Diese ist aber nicht so gut geeignet, als der Fernauslöser. Zumindest nicht für den ungeduldigen Fotografen, denn zwei Sekunden sind zumeist zu gering, um die durch den Druck auf den Auslöser verursachten Vibrationen komplett zum Stillstand zu bringen. Und 10 Sekunden können schon verdammt lang erscheinen :).

Stirnlampe, Taschenlampe und Sternenkarte

Um nicht über die erstbeste Wurzel zu stolpern und die Bedienelemente deiner Kamera zu sehen (nicht jeder kann seine Kamera blind nur durch ertasten bedienen), ist eine Taschenlampe ratsam. Noch besser ist evtl. eine Stirnlampe, damit man beide Hände frei hat. Gut wäre eine Lampe mit rotem Licht, da dieses für die Augen in der Dunkelheit besser geeignet ist.

Wenn man vor Ort Himmelsobjekte lokalisieren will, so kann man das entweder anhand einer App (viele bieten auch einen Nachtmodus mit Rottönen an) oder einer Sternenkarte tun. Das ist Geschmackssache. Wer sich Zuhause vorbereiten will (was mehr als ratsam ist), kann das auch sehr gut mit Stellarium am PC tun. Dazu im nächsten Artikel mehr!

Sonstiges

Ersatzakkus nicht vergessen! Wäre blöd, wenn man bei perfektem Wetter mit herrlicher Sicht auf die Milchstraße plötzlich ohne Akku dasteht. Und wer leicht friert, sollte sich auch warme Kleidung mitnehmen. In der Nacht kann es ja recht kühl werden und wenn man dann länger vor der Kamera steht, kann das unangenehm werden. Gutes Schuhwerk kann auch nicht schaden, denn evtl. muss man über feuchtes Gras gehen, um einen guten Bildausschnitt zu erhalten. Ich bevorzuge Wanderschuhe, damit bleiben die Füße trocken.

Und dann war da noch die Heizmanschette, auch Objektivheizung, auf die ich während meiner weiteren Recherchen gestoßen bin. Da in der Nacht die Luft abkühlt und kalte Luft bekanntlich weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen kann, kann sich diese auch auf dem Objektiv niederschlagen. Dem kann man mit einer Objektivheizung entgegenwirken. Ich habe diese beim Astroshop gekauft. Samt Power Bank zur Stromversorgung.

Mein nächstes Foto-Projekt: die Milchstraße fotografieren! Klick um zu Tweeten

Wie geht es weiter?

Es bleibt kompliziert oder alles gar nicht so schwierig, wenn man sich einmal näher damit beschäftigt. Im zweiten Teil geht es um die Lokalisierung der Milchstraße und um das Thema Belichtung.

Alle Artikel zum Thema Milchstraße fotografieren

Testbilder

Im Rahmen dieser Artikelreihe entstehen auch immer wieder einmal Testbilder. Diese werde ich regelmäßig zeigen und über meine Erkenntnisse dazu schreiben.

  • Erste Testbilder und Erkenntnisse
    Unter anderem lokalisieren der Milchstraße, Lichtverschmutzung einschätzen, Kamera in der Dunkelheit bedienen, Sternspuren und Test 2er Objektive

Begleitest du mich auf meinem Weg zum ersten Bild der Milchstraße und willst am Ende selber eines schießen? Vielleicht hast du ja auch schon Erfahrungen gemacht und willst dazu etwas loswerden? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar – ich freue mich darauf!

Fotografen haben nicht selten den Wunsch, die Milchstraße zu fotografieren. Im Teil 1 dieser Reihe geht es um die notwendige Ausrüstung.