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Nachdem wir uns im ersten Teil dieser Artikelreihe mit der notwendigen Ausrüstung, im zweiten Teil mit der Lokalisierung der Milchstraße beschäftigt und uns Gedanken zur Belichtung gemacht haben, geht es dieses mal um das Problem der Lichtverschmutzung sowie den idealen Aufnahmeort.

Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung – das ist irgendwie ein komisches Wort. Wie kann Licht schmutzig sein? Im Rahmen der Astrofotografie ist das allerdings sehr einfach erklärt: es ist jenes ungewollte Licht, welches den Himmel zum Leuchten bringt und manche Sterne damit förmlich verschluckt. Je nach Lichtverhältnissen in einem grau-gelblichen bis rötlichen Schimmer.

Straßenbeleuchtung & Co

Wenn Straßenbeleuchtungen oder Fassadenbeleuchtungen Licht in Richtung Himmel strahlen und damit aufhellen, so ist das in der Regel sehr störend,  wenn man Sterne oder die Milchstraße fotografieren will. Denn Sterne leuchten sehr schwach. Deshalb muss man sehr lange belichten, was heißt, dass auch das „verschmutzte Licht“ auf diesen Fotos sehr gut als graugelber Schleier sichtbar wird.

Milchstraße fotografieren - Lichtverschmutzung

Milchstraße fotografieren – Lichtverschmutzung – F/2.0, 15 Sekunden, ISO 1600, 21:34

Obiges Bild habe ich im Rahmen erster Testbilder vom hauseigenen Balkon aus aufgenommen. Auch wenn ich in einer ländlichen Gegend wohne und es eigentlich hier schon recht dunkel sein sollte, beweist obiges Bild, dass dem gar nicht so ist. Links unten die Beleuchtung eines Schildes eines Unternehmers, rechts oben das helle Leuchten von der Stadt Salzburg, welche ca. 8km Luftlinie entfernt liegt.

Um also Sterne möglichst ohne lästiges Hintergrundlicht ablichten zu können, sollten wir uns an einen Ort begeben, wo es so dunkel als möglich ist. Also weg aus den Ballungszentren oder in der Nacht stark beleuchteten Objekten. Raus aufs Land! Um einen möglichst guten Ort zu finden, ist die Light Pollution Map sehr hilfreich, welche in einer Karte den Grad der Lichtverschmutzung anzeigt.

Wenn du in Deutschland wohnen solltest – evtl. hast du ja das Glück, in der Nähe eines Sternenparks zu leben. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass die Lichtverschmutzung dort sehr gering ist. Eine Liste findest du auf den Seiten der Dark Sky – Initiative gegen Lichtverschmutzung.

Der Mond

Der Mond zählt für Milchstraßenfotografen ebenfalls zu den Schmutzfinken, was das Licht anbelangt. Deshalb sollte man sich nicht über einen hellen Mond freuen, der einem in der Dunkelheit den Weg weist. Nein, man sollte ihn sogar meiden! Der Neumond ist dein Freund. Auch hier kann Stellarium helfen, auf welches ich im zweiten Teil der Milchstraßen Artikelserie schon näher eingegangen bin. Oder aber eine von vielen Smartphone-Apps, die die Mondphasen anzeigen. Zur Not sogar so ein Kalender, wie man ihn früher einmal hatte. So einen aus Papier. Oder eine Webseite mit unter anderem den Mondphasen.

Der Neumond zeigt sich (bzw. zeigt sich nicht 😉 ) in Salzburg im Jahr 2017 zu folgenden Terminen: 28.3, 26.4, 25.5, 24.6, 23.7, 21.8, 20.9, 19.10, 18.11, 18.12.

Milchstraße fotografieren - ist der Mond Freund oder Feind? Klick um zu Tweeten

Du kannst den Mond auch zu deinen Gunsten verwenden, denn er kann die Landschaft im Vordergrund aufhellen und auch für rauschärmere Bilder sorgen. Hier gilt: gut darauf achten, wo sich der Mond genau befindet. Probieren geht übers studieren!

Die „tiefe“ Nacht

Wenn die Sonne langsam unterhalb des Horizonts verschwindet, unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Dämmerungsphasen (Quelle: Wikipedia).

  • bürgerliche Dämmerung – Lesen im Freien möglich (Tiefenwinkel bis 6 Grad)
  • nautische Dämmerung – Horizont noch erkennbar und schon einige Sterne sichtbar (Tiefenwinkel bis 12 Grad)
  • astronomische Dämmerung – bis zur maximalen Dunkelheit tiefer Nacht (Tiefenwinkel bis 18 Grad)

Schuld daran ist die Atmosphäre, die das Licht der Sonne bricht. Von einem völlig schwarzen Nachthimmel (tiefe Nacht) spricht man erst, wenn sich die Sonne 18 Grad unterhalb des Horizonts befindet. In Äquatornähe erreicht man diese Phase am Schnellsten, nämlich nach 70 Minuten, bei 50 Grad nördlicher Breite (grob gesagt Mitteleuropa) sind es schon 120 Minuten.

Auf allen Breitengraden größer als 48,561° (48° 33’ 40”) gibt es im Sommer Nächte, in denen die astronomische Dämmerung nicht beendet wird, weil die Sonne während der ganzen Nacht weniger als 18 Grad unter dem wahren Horizont steht. Die tiefe Nacht wird also hier teilweise nicht mehr erreicht.

Für das Fotografieren der Milchstraße ist die tiefe Nacht natürlich der beste Zeitpunkt, da hier der beste Kontrast zu den Sternen herrscht. Auf der Webseite „Sonnenstand“ kann man die Zeiten für einen bestimmten Standort berechnen. Ich habe das für Salzburg für alle 12 Monate getan und in einer Tabelle zusammengefasst.

Milchstraße fotografieren - Dämmerungsphasen für Salzburg

Milchstraße fotografieren – Dämmerungsphasen für Salzburg (ohne Sommerzeit!)

Tiefe Nacht und Neumond

Unter Berücksichtigung der Mondphasen (Neumond), ergeben sich folgende Zeiten für die tiefe Nacht.

Dämmerungsphasen bei Neumond

Dämmerungsphasen bei Neumond für Salzburg (Sommerzeit berücksichtigt)

Weiters habe ich mir näher angesehen, für welchen Zeitraum es besser wäre, am frühen Abend loszuziehen oder am frühen Morgen. Unter Berücksichtigung, wann mehr vom attraktiven Zentrum der Milchstraße zu sehen ist. Zusammengefasst: April und Mai früh aufstehen, Milchstraße Zentrum südlich. Juni egal. Juli und August lange wach bleiben, Milchstraße Zentrum ebenfalls südlich.

Das Wetter

Idealerweise wolkenlos! Auch wenn Wolken interessante Bilder ergeben können, so bleiben sie doch unberechenbar und überdecken im schlimmsten Fall ausgerechnet den interessantesten Teil (das Zentrum) der Milchstraße. Wer einfach nur ein Bild mit vielen Sternen haben will und die Milchstraße quasi nur als Tüpfelchen auf dem i sieht, der kann auch bei nicht ganz wolkenfreiem Himmel losziehen.

Auch noch wichtig: eine möglichst niedrige Luftfeuchtigkeit. Wenn schon am Tag der Himmel eher diesig ist bzw. eine schlechte Fernsicht herrscht, ist auch in der Nacht kein allzu klarer Himmel zu erwarten.

Der richtige Aufnahmeort

Die Wahl des richtigen Aufnahmeortes ist nur auf den ersten Blick einfach. Mit Hilfe der oben erwähnten Light Pollution Map kannst du einen Ort mit wenig Lichtverschmutzung finden. Doch selbst wenn du anhand dieser Karte einen geeigneten Ort gefunden zu haben glaubst, so kann trotzdem das ein oder andere Licht eines Hauses die Aufnahme stören (siehe Bild am Anfang dieses Artikels).

Wenn du auch noch Wert auf eine gute Bildkomposition legst (ja, das solltest du!), wird es noch ein wenig schwieriger. Ich will mich auf jeden Fall schon im Vorfeld bei Tag und bei Tag nach geeigneten Orten umsehen, um einen möglichst guten Standort ausfindig zu machen, der auch von der Bildkomposition etwas zu bieten hat. Und das ist wirklich nicht so einfach, wenn man nicht allzu weit zum Aufnahmeort fahren will.

Du solltest zu dem Zeitpunkt auch schon ziemlich genau wissen, in welcher Richtung die Milchstraße zu erwarten ist. Sollte dir das alles zu mühsam sein, so ist das auch nicht so tragisch. Im schlimmsten Fall musst du dann eben einfach in der Nacht flexibel genug sein, um deinen Standort zu wechseln. Aber eine gute Vorbereitung kann in der Nacht schon sehr viel Zeit und evtl. auch Frust ersparen.

Und vergiss nicht: du schleppst ein (evtl. schweres) Stativ mit und willst nicht unbedingt erst eine Stunde oder mehr zu Fuß marschieren, um den gewählten Ort zu erreichen. Klar wäre eine Aufnahme von einem Berggipfel cool, aber in der Nacht mit Stirnlampe so weit zu gehen, ist auch nicht ungefährlich.

Ein hoher Aufnahmeort hat allerdings den Vorteil, dass man einen klareren Blick zum Himmel bekommt. Alles hat seinen Preis.

Nicholas Roemmelt - Milchstraße

(c) Nicholas Roemmelt – mehr als geniales Bild der Milchstraße.

Vielen Dank an dieser Stelle an Nicholas Roemmelt, dass ich sein Bild im Rahmen dieser Artikelserie verwenden darf! Für mich ist das eines dieser Bilder, die mir die Kinnlade nach unten fallen lässt! Atemberaubend! Ein Besuch der Webseite von Nicholas ist auch mehr als empfehlenswert: Dr. Nicholas Roemmelt Photography. Nicholas hat übrigens kürzlich einen neuen, hervorragenden Bildband herausgegeben, der auch bei Amazon erhältlich ist.

Bildband Alpen: Sternbilder – Die Alpen bei Nacht: rare Aufnahmen und spektakuläre Bergfotografie der schönsten Berge in Italien, Deutschland und der Schweiz. Werbung

Packliste

Es braucht so einiges, um eine Reise ins All zu unternehmen (unter anderem ein Handtuch 😉 ).

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Alle Artikel zum Thema Milchstraße fotografieren

Testbilder

Im Rahmen dieser Artikelreihe entstehen auch immer wieder einmal Testbilder. Diese werde ich regelmäßig zeigen und über meine Erkenntnisse dazu schreiben.

  • Erste Testbilder und Erkenntnisse
    Unter anderem lokalisieren der Milchstraße, Lichtverschmutzung einschätzen, Kamera in der Dunkelheit bedienen, Sternspuren und Test 2er Objektive

Im nächsten und letzten Teil wird es ernst – wir stanzen erste Bilder (abgesehen von den Testbildern) aus dem Nachthimmel! Bis dahin kann es allerdings etwas dauern – bitte um Geduld :).

Wie weit bist du mit deinen Vorbereitungen? Wann geht es bei dir los? Oder willst du einfach nur zusehen?

Milchstraße fotografieren - Lichtverschmutzung und idealer Aufnahmeort