Als Wander- oder Reiseblogger trage ich selbstverständlich auch eine gewisse Verantwortung – in vielerlei Hinsicht! In diesem Artikel mache ich mir ganz bewusst Gedanken darüber.

Beitrag zum Massentourismus

Wie kann man als Wander- oder Reiseblogger einerseits von einem Reiseziel oder Berggipfel in höchsten Tönen schwärmen, sich auf der anderen Seite aber darüber beschweren, wenn einige der Ziele unter den vielen Menschen zu leiden beginnen oder vielleicht schon darunter leiden?

Wenn ich also zum Beispiel immer wieder von meinem Lieblings-Hausberg, dem Nockstein, schwärme und nicht müde werde, Bilder davon in allen möglichen sozialen Kanälen zu verteilen – darf ich mich dann noch darüber beschweren, wenn er eines Tages heillos überlaufen ist oder ich am Ende keinen Parkplatz mehr bekomme?

Überschätze ich meinen Einfluss?

Zuerst stellt sich für mich die Frage, ob ich nicht meinen Einfluss überschätze, wenn ich denke, einen wirklich merkbaren Beitrag zum Overtourism zu leisten. Wenn ich also denke, dass am Ende wegen meines Blogs manche Orte im Salzburger Land überlaufen sind.

Beim Nockstein hatte ich 2018 ca. 6.000 Seitenaufrufe von ca. 4.000 Benutzern. Es lässt sich natürlich sehr schwer sagen, wie viele der durchschnittlich 20-30 täglichen Besucher in den besten Wandermonaten davon dann die Tour auch wirklich gegangen sind. Am Ende werden es nicht allzu viele gewesen sein.

Wohl eines der bekanntesten Motive vom Schafberg

Wohl eines der bekanntesten Motive vom Schafberg

Beim Schafberg – dem mit Abstand beliebtesten Ziel meiner Wanderbeschreibungen – sieht das schon etwas anders aus.

Mit über 30.000 Seitenaufrufen von etwa 21.000 unterschiedlichen Benutzern mit über 400 an den besten Tagen im Jahr 2018 könnte meine Seite schon einen sichtbaren Fußabdruck am Gipfel hinterlassen. Das ist aber alles sehr schwer abzuschätzen und mir fehlt da auch etwas das Gefühl für die Wirkung der (zusätzlichen) „Werbung“ für die Tour, die durch die Zugriffe auf meine Artikel ausgelöst wird.

Die Bergstation der Schafbergbahn

Die Bergstation der Schafbergbahn – Bahn spuckt zahllose Touris aus

Am Ende bleibt aber übrig: durch meine Wanderbeschreibungen trage ich auf jeden Fall etwas zum Besucherstrom bei. Und je erfolgreicher meine Seite wird, umso mehr wird das sein.

Zudem bin ich ja nicht der einzige Reiseblogger, der über Ziele im Salzburger Land schreibt. Auch wenn die Anzahl jener, die über die exakt gleichen Ziele schreiben, überschaubar sein dürfte.

Der Gipfel alleine ist es nicht

Zu bedenken ist natürlich auch, dass es nicht alleine die Zahl der Leute am Gipfel ist, die ich als Wanderblogger potentiell erhöhe.

Irgendwie müssen die Leute ja auch in das Urlaubsland / zur Wandertour anreisen. Manche werden das Flugzeug und ein Leihauto nehmen, wiederum andere werden generell das eigene Auto bevorzugen. Je nach Verkehrsmittel entsteht hier ein mehr oder weniger großer CO2 Fußabdruck. Wenigstens mit dem Kreuzfahrtsschiff können sie nicht in Österreich anlegen 😉 .

Werbung = böse?

Zu Ende gedacht müsste man auf das Ergebnis kommen, dass generell Werbung für einen Ort böse ist. Schließlich werden durch jede Form der Werbung ja Menschen angelockt, die allesamt ihren Teil zum (Massen-)Tourismus beitragen, wie eben auch Blogs. Bis dann irgendwann zu viele Touristen zur gleichen Zeit am gleichen Ort auftauchen.

Aber so einfach ist es natürlich nicht. Tourismus an sich ist ja nicht böse – ganz im Gegenteil! Viele Menschen leben davon. Als Unternehmer, Hotelbesitzer, Angestellter. Tourismus schafft Arbeitsplätze und trägt zur Völkerverständigung bei. Es gilt nur, das richtige Mittelmaß zu finden.

Wie viele Touristen tun den Menschen gut und ab wann wird es zu viel?

Jeder zieht hier eine andere Grenze – natürlich auch abhängig davon, ob er oder sie eher zu den Profiteuren (Gaststätten, Hotels, …) oder zu den Leidtragenden gehört. Anwohner, die auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen etc. im Stau stehen. Anwohner, bei denen Touris mit der Kamera bewaffnet im Garten den perfekten Fotospot suchen. Aber irgendwann auch der Tourist selbst.

Overtourism- zu viel des Guten in Cinque Terre

Overtourism – zu viel des Guten in Cinque Terre

Overtourism wurde auf jeden Fall zum neuen Schlagwort der letzten Jahre. Manche Orte beginnen unter dem Tourismus zu leiden und die Bevölkerung beginnt sich zu wehren. Für das Jahr 2019 plant zum Beispiel Hallstatt wie auch schon die Stadt Salzburg mit Bus-Kontingenten zu arbeiten. Andere Ort wollen das Anlegen von Ausflugs- und Kreuzfahrtsschiffen einschränken.

Und wo sehe ich meine Verantwortung in diesem Zusammenhang?

Gute Frage! Ich sitze hier tatsächlich ein wenig zwischen den Stühlen. Einerseits will ich die Schönheit insbesondere des Salzburger Landes möglichst vielen Menschen da draußen nahe bringen, andererseits bin ich dadurch eventuell aber auch Teil des Problems Overtourism.

Als Lösung für mich habe ich gefunden, dass ich mich ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetze. Versuche, es besser zu verstehen. Den Problemen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, wie man das Problem verringern kann.

Dabei sind folgende Artikel entstanden, in denen ich mich mit dem Thema auseinandersetze:

In Arbeit habe ich einen Artikel, wie sich ein Tourist verhalten kann / soll, um Einheimische möglichst wenig zu belasten und ihnen eher Freude zu bereiten 🙂 .

Wanderbeschreibungen

Sicherheit und Schwierigkeitsgrad

Im Zusammenhang mit den Touren in meinem Blog habe ich selbstverständlich den Anspruch, diese so genau als möglich zu beschreiben. Wandernde sollen keinen bösen Überraschungen erleben und die Charakteristik des Weges so gut als möglich schon im Vorfeld abschätzen können.

Über den Tourenindex lassen sich so auch schnell Wanderungen finden, die für Kinder geeignet sind oder für Kinder nicht geeignet sind. Diese Einschätzungen sind natürlich ohne Gewähr und können nur als Richtschnur gesehen werden. Auf besondere Stellen, die eine Gefahr darstellen, versuche ich auch extra hinzuweisen.

Am Ende bleibt es aber jedem Wanderer selbst überlassen, sein Können einzuschätzen und dementsprechend zu handeln.

Einen Artikel mit Tipps zu genussvollen Wanderungen ist in diesem Zusammenhang auch entstanden: 7 Fehler beim Wandern.

Geheimtipps und Insidertipps

Als Teil meiner Verantwortung sehe ich auch, wie ich mit Insider- und Geheimtipps umgehe. Denn wie geheim ist ein Tipp noch, wenn er am Ende von Tausenden gelesen werden kann?

Legitim ist für mich zum Beispiel der Tipp, im Sommer sehr früh zum Gipfel des Schafberges aufzubrechen, um vor der ersten Bahn den Gipfel zu erreichen. Ich kenne zum Beispiel aber auch eine Hütte etwas abseits eines Weges, wo ein Pfarrer Bier für durstige Wanderer hinterlegt. Diesen Ort zu nennen, wäre für mich ein absolutes No-Go!

Nachhaltigkeit & Umwelt

Als Wanderblogger ist mir sehr wichtig, nicht nur Wandertouren möglichst genau zu beschreiben, sondern meine Besucher auch für Natur- und Umweltthemen zu interessieren.

Sehr früh ist dabei der Artikel Saubere Berge entstanden. Hier trägt jeder einzelne Wanderer eine große Verantwortung. Schließlich wollen wir uns alle in einer intakten Natur bewegen können und nicht durch Müllhalden wandern müssen.

Eng im Zusammenhang stehen für mich dabei auch Artikel, die auf allgemeine Umweltprobleme hinweisen bzw. wie du dich als Mensch enkelgerecht verhalten kannst. Also wie du dich verhalten kannst oder solltest, damit auch deine Enkel das Leben ähnlich wie wir genießen können. Und so findet in meinem Blog auch immer mehr das Thema Nachhaltigkeit seinen Platz.

7 Frühlingsblumen die du kennen solltest

7 Frühlingsblumen die du kennen solltest

Um zusätzlich auf die Schönheit der Natur hinzuweisen, habe ich folgende Artikel geschrieben:

Soziale Medien – „Marken-Botschafter“

Auch wenn mein Blog nicht mit Salzburger Land Tourismus oder dem Tourismusverband Fuschlseeregion etc. in Verbindung steht, so bin ich trotzdem so etwas wie ein Marken-Botschafter für das Salzburger Land. Mit jedem meiner Beiträge in den sozialen Medien kann ich als Anwohner des Landes auch mit dem Salzburger Land in Verbindung gebracht werden.

Das heißt für mich aber auch, dass ich mich deshalb nicht zu 100% als privat postende Person sehen darf. Vor allem im Zusammenhang mit meiner Facebook-Seite sehe ich das so. Die private Facebook Chronik sehe ich da etwas differenzierter. Aber das gleiche gilt für mich auch für Pinterest, Twitter etc..

Das heißt jetzt nicht, dass ich deshalb nicht authentisch wäre und Dinge schön reden würde. Aber „Stammtisch-Gebrüll“ muss in den sozialen Medien nicht sein. Man kann Probleme auch sachlich aufarbeiten und ansprechen, ohne gleich in Schimpf- und Hasstiraden zu verfallen.

Vorbildwirkung in den Bergen

Wenn ich in den Bergen unterwegs bin, dann achte ich die Natur. Logischerweise werfe ich nichts weg und nehme meinen Müll wieder ins Tal. Hin und wieder trage ich auch den Müll von anderen wieder den Berg hinunter.

Gemse am Nockstein

Gemse am Nockstein

Ich verhalte mich leise, schrecke keine Tiere auf oder nehme Salamander oder Eidechsen in die Hand, um ein noch cooleres Foto davon schießen zu können. Warum ich genau das erwähne? Weil es genau dazu im Netz schon wilde Diskussionen gegeben hat. Das würde dem Tier schon nichts tun, man wäre ja vorsichtig und nicht blöd. Und was diese künstliche Aufregung hier soll.

Am Ende bleibt in diesem konkreten Fall für mich, dass es eine Unsitte ist, Tiere für das noch bessere Foto unnötig in Stress zu versetzen. Und einen Feuersalamander in die Hand zu nehmen zählt für mich ganz klar zu einer unnötigen Stresssituation für das Tier.

Manchmal spreche ich auch Leute an, die ihren Hund frei herumlaufen lassen. Oder wenn jemand sein Taschentuch „verloren“ hat (verrottet ja ohnehin) oder seine Tschikstummel beim Gipfelkreuz verteilt.

Das ist nicht immer nur witzig, weil einige darauf sehr unwirsch reagieren. Und ja, ich gebe es zu, an vielen Tagen sage ich deshalb auch lieber nichts. Aber am Ende sehr ich es auch ein wenig als meine Verantwortung, dazu beizutragen, dass auch in vielen Jahren die Menschen noch Freude an den Bergen und der Natur haben.

Was andere Reiseblogger denken

Mit diesem Artikel nehme ich an einer sogenannten Blogparade bei. Dabei machen sich mehrere Blogger Gedanken zum gleichen Thema, im konkreten Fall eben zur Verantwortung eines Bloggers.

Aufgerufen zu dieser Blogparade hat Tanja von Takly on tour. In Tanjas Artikel findest du am Ende eine Liste aller anderen Teilnehmer und deren Gedanken zu diesem spannenden Thema. Solltest du also Interesse an der Meinung zum Thema Verantwortung als Blogger haben – hier geht es lang: Welche Verantwortung haben wir als Blogger?

Als Reiseblogger trage ich in vielerlei Hinsicht auch eine gewisse Verantwortung! Ausführliche Gedanken dazu mache ich mir in diesem Artikel.